26.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
24.02.01 Ausstellung in Hamburg zeigt "Weibsbilder" aus sechs Jahrhunderten

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 24. Februar 2001


Hexe oder Heilige?
Ausstellung in Hamburg zeigt "Weibsbilder" aus sechs Jahrhunderten

Hexe oder Heilige, Mutter oder Magd, Verführerin oder Beschützerin – das Bild der Frau, das Künstler durch die Jahrhunderte festgehalten haben, schwankt zwischen diesen Extremen. Die Frau als angebetete Idealgestalt, als inspirierende Muse, als lockende Versuchung, als ewiges Rätsel – es gibt wohl kaum ein Thema, das die Phantasie der (meist) männlichen Künstler derartig angeregt hat.

Einen Blick auf "Weibsbilder" aller Arten kann man noch bis zum 25. März (dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr) in der Hamburger Kunsthalle – Galerie der Gegenwart riskieren. Unter dem gleichnamigen Titel sind im Hegewisch-Kabinett Zeichnungen und Druckgraphik von Künstlern aus sechs Jahrhunderten zu sehen. Nahezu alles, was Rang und Namen hat, ist in der Hamburger Ausstellung vertreten: Dürer, Cranach und Rembrandt, Picasso und Degas, Matisse und Marc, Klinger und Dix ...

Gleich zu Beginn des Ausstellungsrundgangs fallen zarte Bleistiftzeichnungen von Max Liebermann und Max Beckmann auf. Beide zeigen eine Frau, die sich fürsorglich um ein Kind kümmert. Lukas Cranach d. Ä. greift das Mutter/Kind-Motiv in einer Madonnen-Darstellung auf. Der Frau als Verführerin hingegen begegnet man in den Blättern des Norwegers Edvard Munch, aber auch in dem Holzschnitt von Albrecht Dürer aus der "Apokalypse", die Hure Babylon darstellend. Der Ostpreuße Lovis Corinth aus Tapiau, in erster Linie als Maler bekannt, ist mit einer feinen Bleistiftzeichnung mit Pastellkreide vertreten, die er 1914 schuf: Mit "Joseph und Potiphars Weib" greift er ein Motiv aus dem Alten Testament auf und beweist nicht zuletzt auch mit diesem Blatt, daß sein graphisches Werk ein durchaus wesentlicher Bestandteil seines Schaffens ist.

"Gewerbsmäßige Verführerinnen" hat Otto Dix festgehalten; seine Hurenbilder sind gleichermaßen schrecklich und faszinierend in ihrer schonungslosen Darstellung. Und so sind denn die in der Ausstellung gezeigten Frauenbilder keineswegs immer schön im herkömmlichen Sinn, doch lassen sie ahnen, wie sich die männlichen Künstler dem "Rätsel Frau" genähert haben.

Als einzige Frau unter den Ausgestellten ist Käthe Kollwitz vertreten. Von der Königsbergerin ist eine Frauenstudie aus dem Jahr 1888 zu dem geplanten, aber nicht verwirklichten Zyklus "Germinal" nach Emile Zolas Roman zu sehen. Der Körper der Frau ist lediglich mit lockeren Strichen angedeutet, während das Gesicht, das Schrecken und Angst ausdrückt, und die Hände präzise ausgearbeitet sind. Ein frühes Beispiel für die große Begabung der Kollwitz, die sich später in ihrem Werk vor allem für die unterdrückten Frauen und Kinder eingesetzt hat.

"Trotz ihrer jahrtausendelangen Unterordnung unter den Mann spielt die Frau – ihr Körper, ihr Wesen, ihre Rolle in der Gesellschaft – in der gesamten Entwicklung der Kunst eine herausragende Rolle", so Christoph Heinrich, der die Hamburger Ausstellung zusammengestellt hat. "Im Ideal weiblicher Schönheit drücken sich die Vorstellungen von Sinnlichkeit, modischer Raffinesse und der zur Schau getragene Wohlstand ganzer Epochen aus. Ob als entrücktes Objekt der Werbung oder als Bürgersfrau, ob als Arbeiterin oder betörendes Luxusweib – Frauendarstellungen können ebenso Reflex gesellschaftlicher Realität sein wie Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach einem ganzheitlichen Menschenbild. Sie erscheinen verbunden mit den Wurzeln der Erde und dem Kosmos zugleich – wähnten doch die Männer die Frauen schon immer etwas näher an der Natur als sich selbst." Silke Osman