26.01.2022

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24.03.01 Ver.di – der letzte Dinosaurier

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 24. März 2001


Ver.di – der letzte Dinosaurier
Zur Gründung der neuen Super-Gewerkschaft

Dinosaurier verkörpern eine heile Natur, selbst die Schrecken des Tyrannosaurus Rex lassen in der Verklärung der Ur-Welt die Unterschiede zwischen Gut und Böse umso schärfer konturiert erscheinen. Die neue Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) ist so ein Dino. Mit knapp drei Millionen Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft der Welt, vertritt sie die Interessen von rund tausend Berufen. Nur, wie soll sie das unter eine Melodie bringen?

Aber darum scheint es den Komponisten von Ver.di nicht zu gehen. "Wir wollen die Machtverhältnisse in dieser Gesellschaft ändern", meinte DGB-Chef Schulte auf dem Gründungskongreß. Er muß sich Sorgen machen. Mit der IG Metall (2,76 Millionen Mitglieder) durchziehen nun zwei Dinos seinen Gewerkschaftspark und lassen den anderen sechs Arbeitnehmervertretungen mit zusammen knapp 2,5 Millionen Mitgliedern kaum noch Platz. Es wird Machtkämpfe geben, und deshalb lenkt der DGB-Chef schon mal vorsorglich die Aufmerksamkeit auf Beute außerhalb des Areals: bei den Arbeitgebern, ersatzweise bei der Regierung.

Damit ist das alte Naturgesetz der vergangenen Industriegesellschaften wieder hergestellt: hier Arbeit, dort Kapital. Es ist das Gesetz des Marxismus, des Kapitalismus und des Liberalismus. Sie alle haben ihre Antwortkompetenz für die Gesellschaft der Zukunft längst verloren, wirken aber in den Funktionärsköpfen der Gewerkschafts-Dinos und auch der Arbeitgeberverbände weiter fort. Es gibt diese alte Schlachtordnung nicht mehr. Die Globalisierung hat sie weggefegt. Arbeit ist statisch und national, Kapital mobil und international. Die hohen Löhne in Deutschland ziehen Arbeitskräfte an, das Kapital aber geht zur Investition ins Ausland.

Sinnvoll wäre es, für einen europäischen Flächentarif einzutreten, auch wenn dadurch die Löhne hierzulande leicht sinken. Und noch sinnvoller, die Qualität der Arbeitskräfte in Deutschland zum Ziel für eine Gewerkschaftspolitik der Zukunft zu erheben. Aber so flexibel sind die Dinos nicht. Die Globalisierung ist wie ein Meteor in ihre heile Welt eingeschlagen. Und sie haben es noch nicht gemerkt. Vielleicht wollen sie es auch nicht merken. Es ist so schön, groß und stark zu sein. Zwar leidet die Gewerkschaftsbewegung an Schwindsucht. In den letzten zehn Jahren hat der DGB rund ein Drittel seiner Mitglieder verloren, und ein Drittel der jetzigen Mitglieder sind Rentner, Arbeitslose, Schüler, Studenten und Wehrdienstleistende. An diesem Trend wird auch Ver.di nicht viel ändern. J. Liminski