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24.03.01 Wie man "blanken Antisemitismus" macht ...

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 24. März 2001


Wahlkampf in Wien:
Wie man "blanken Antisemitismus" macht ...
Am Aschermittwoch sprach Haider vom "Dreck am Stecken"
(R. G. Kerschhofer)

Es lief ab wie nach dem Antifa-Handbuch: Aufhänger war ein Satz von Jörg Haider – ein "Sager" in der Diktion seiner Gegner. Aber es ist eigentlich egal, was es war, ja ob überhaupt etwas gesagt wurde, denn am 25. März sind Gemeinderatswahlen, und die Jagdgesellschaft schafft es bekanntlich, selbst dem Schweigen Böses zu unterlegen.

Der inkriminierte Ausspruch hatte gelautet: "Ich verstehe überhaupt nicht, wie einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben kann." Der solcherart apostrophierte Ariel Muzicant, nebenberuflich Chef der israelitischen Kultusgemeinde, konnte sich getrost in Zurückhaltung üben – vorderhand, denn auf den geölten Mechanismus ist Verlaß: Zuerst kam – wie ein Pawlowscher Reflex – der rot-grüne Pauschal-Geifer. Dann folgten Differenzierungen – so etwa stießen sich Ästheten am Ausdruck, während Moralisten keine Wortspiele mit Personennamen dulden wollen. Wenigstens nicht mit bestimmten. Und der SPÖ-Bürgermeister Häupl brachte es schließlich auf den Punkt: "Blanker Antisemitismus."

Damit war das Stichwort gefallen, und nun ging es Schlag auf Schlag: Bürgerliche, die immer noch betrauern, daß die ÖVP nicht länger Steigbügelhalter einer SPÖ-Regierung ist, stimmten in den Chor ein. "Österreichs" EU-Kommissar Fischler warf das ganze moralische Gewicht Brüssels ins Treffen, um sich auf Haider einzuschießen – sowie auf Schüssel, weil dieser das üble Spiel durchschaut. SPÖ-Chef Gusenbauer griff zu Formulierungen, die sein Bedauern über das Ende der "Sanktionen" sowie den Wunsch nach deren Erneuerung erkennen ließen. Und zwei Wochen nach dem Auslöser kam endlich die ersehnte Verurteilung durch das US-Außenministerium! Jetzt, mit Flugzeugträgern und der geballten Weltmeinung im Rücken, war für Muzicant der Zeitpunkt gekommen, Klage gegen Haider einzureichen – für einen internationalen Haftbefehl reichte es diesmal noch nicht. Die "Neue Zürcher Zeitung" sprach treffend von einem "Ritual der Empörung". Das wahrhaft Empörende an solchen Ritualen ist aber, daß dabei immer gezielt die Zusammenhänge unterdrückt werden! Denn der Satz mit "Ariel" war während des traditionellen Aschermittwochtreffens der FPÖ gefallen, das analog zu jenem der CSU abgehalten wird und eine ebenso kabarettistische Note hat: Das Publikum erwartet deftige Worte – und bekommt sie auch.

Über Geschmack läßt sich natürlich streiten. Seltsam nur, wer sich da als Moralapostel aufspielt – ausgerechnet jene, deren Kulturpolitik für beispiellose Verrohung an den Bühnen sorgt, deren Kunst in unflätigster Beleidigung christlicher und nationaler Werte gipfelt und deren Diffamierung politischer Gegner keine Grenzen kennt. Ein "unabhängiges Personenkomitee" zur Wahlunterstützung Häupls nennt die FPÖ ein "braunes Gesindel". Muzicant bezeichnet den FPÖ-Generalsekretär Sichrovsky als "Haiders Hofjuden". Zeitgeistige Kabarettisten halten es für ungeheuer witzig, wenn ein FPÖ-Mandatar mit Vornamen "Siegfried" heißt – oder wenn er einen nicht-deutschen Nachnamen trägt. Und erst letzten Freitag demonstrierten alle miteinander vor dem Stephansdom, wo zu Transparenten mit der Aufschrift "Tötet Haider" eine Grußbotschaft des Ariel Muzicant verlesen wurde.

Ob Muzicant "Dreck am Stecken" hat, kann hier nicht erörtert werden, denn ein unabhängiger Autor in einem unabhängigen Medium ist gegen die vereinigte Advokateska zwischen Donaukanal und East River chancenlos. Tatsache ist aber, daß Muzicant das unter US-Ägide erfundene "endgültige" Entschädigungsabkommen "paraphiert" hat (nicht unterschrieben, wie er betont), um gleich bei der Rückkehr nach Wien neue Forderungen zu stellen! Selbst ihm, der im Unterschied zu seinen Amtsvorgängern ein Spätgeborener und Zugewanderter ist, müßte wohl klar gewesen sein, daß er damit keine philosemitischen Begeisterungsstürme auslösen würde!

Tatsache ist auch, daß Muzicant "in Immobilien" überaus erfolgreich ist. So erfolgreich, daß die "Arielisierung Wiens" zur geflügelten Redensart wurde. Tatsache sind weiter allerlei neue Bauwerke, die das Stadtbild Wiens verschandeln – sogar unmittelbar bei der Habsburgergruft. Daß die Medien dies nur streng verklausuliert oder in Leserbriefe verpackt mit Muzicant in Zusammenhang bringen, zeigt, wie neurotisch die "öffentliche Meinung" geworden ist! Und Tatsache ist schließlich auch, daß in allen Wiener Bauangelegenheiten Bürgermeister Häupl die oberste Instanz ist ...

Wer Schlußfolgerungen aus diesen und weiteren Tatsachen zieht, handelt selbstverständlich auf eigene Gefahr. Weniger selbstverständlich, aber Tatsache ist die Gefahr, der sich ein Aufdecker aussetzt. Und wie hieß es dieser Tage: Haiders Ausspruch sei schon alleine deswegen antisemitisch, weil er vom Publikum so verstanden werden könnte! Oder in Klartext: Muzicant ist sakrosankt.