26.01.2022

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24.03.01 Max Pechstein und die Expressionisten

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 24. März 2001


An norddeutschen Küsten
Max Pechstein und die Expressionisten

Mir selbst war so hoffnungsfroh zumute wie einem Entdecker, der nach Neuland unterwegs ist", erinnerte sich Max Pechstein (1181–1955) an seine abenteuerliche erste Fahrt mit einem Keitelkahn zur Kurischen Nehrung. Es war das Jahr 1909, und Touristen hatten diesen paradiesischen Fleck noch nicht entdeckt. Ein "Eldorado" also für Künstler wie Pechstein, die das einfache Leben suchten, um zu arbeiten, eben "Neuland". Und er fand es auch, wie er fast triumphierend feststellte. "Nach längerem Hin und Her erhielt ich Unterkunft bei Martin Sakuth … Eine kleine leere Fischerhütte am Haff, die ihm gehörte, räumte er mir ein. Darin konnte ich allein, ungestört von anderen Menschen, hausen und arbeiten. So tastete ich mich allmählich in vielen Skizzen an die Natur, die gewaltigen Wanderdünen, an das Haff heran, und so erlebte ich zum erstenmal den mich berauschenden, ewigen Rhythmus des Meeres ..."

Immer wieder kehrte Pechstein nach Nidden zurück (1911, 1912, 1919, 1920 und noch einmal 1939). Dort entstanden viele seiner großen Arbeiten. "Ich sog mich voll Licht und Farbe in der von den Menschen nicht verdorbenen Natur." Dort entstanden aber auch die Ideen für grafische Werke, etwa für die Lithographien, die er 1917 zur "Samländischen Ode" von Heinrich Lautensack (1881–1919) schuf und die wie eine Quintessenz der entlegenen Ostseeküste erscheinen mögen. Die 1918 bei Gurlitt als Mappe erschienenen Lithographien stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung, die vom Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum, dem Museumsamt Schleswig-Holstein und der Vereins- und Westbank veranstaltet wird und derzeit durch norddeutsche Lande zieht. Nach Eutin, Winsen (Luhe) und Göttingen sind die 80 grafischen Blätter von Künstlern wie Nolde, Heckel, Kirchner, Grieshaber, Pankok, Schmidt-Rottluff, Felixmüller, Bargheer und Radziwill nun im Museum Buxtehude, Stavenort 2, zu sehen (dienstags bis freitags 14 bis 17 Uhr, am Wochenende 11 bis 17 Uhr, bis 6. Mai). Zu sehen sind Darstellungen von norddeutschen Küsten, von der Landschaft, den Menschen, von Schiffen, Deichen, Steilküsten, windzerzausten Bäumen, wettergegerbten Gesichtern. Vom weit im Nordosten gelegenen Nidden bis an die Elbe und die Küsten Ostfrieslands reichen die Motive, die die Künstler weitab von der Zivilisation fanden. Dieser relativ kleine Teil der Druckgrafik des deutschen Expressionismus zeigt einmal mehr, "welche Bedeutung diese Region für die deutsche Kunst der 20. Jahrhunderts besitzt", so Heinz Spielmann im Vorwort zum Katalog (im Museum 10 DM). "Ohne die Anregung durch die Küsten des deutschen Nordens" wären diese wichtigen Blätter nicht entstanden, betont Spielmann. os