26.01.2022

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05.05.01 Propagandistische Inszenierung statt individueller Reue

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. Mai 2001


Entschuldigung – der neue Kult
Propagandistische Inszenierung statt individueller Reue
Peter Fischer

Würger, Vergewaltiger oder auch nur gleichsam schlichte Bankräuber finden spätestens nach dem Satz "Es tut mir leid" Vergebung. So will es die Diktion der US-Filmfabrik Hollywood, deren Produkte fast allabendlich in unsere Wohnungen einsickern. Da geistige Gegenbewegungen kaum vorhanden oder eben auch schlichtweg nicht erwünscht scheinen, verfällt der Normalbürger zunehmend hilfloser einem bisher so nicht gekannten Vergebungskult, der gewiß ursächlich christlich, aber eben immer nur individuell verstanden wurde.

Als die bolschewistischen Länder endlich ihr verdientes Ende fanden, tauchten Karikaturen mit dem bärtigen Ideologiestifter Marx und der Sprechblase auf: "Entschuldigung, war nur so ’ne Idee." Hinter ihm das trostlose Vermächtnis von Trümmern und Armut. Die beispiellosen Opferzahlen waren nicht dargestellt. Was hier mit den Mitteln der Ironie skizziert wurde, greift aber längst als Vergebungskult in die unmittelbare Sphäre des Politischen hinüber.

Von da aber ist es nur ein kleiner Schritt in die Perversion, in die bewußte propagandistische Berechnung einer auf Vergebung aufgebauten Inszenierung: Als 1990/91 erhebliche Unruhe in unserem Volk über den von Kanzler Kohl zu verantwortenden Grenzbestätigungsvertrag mit Polen aufkam, stieß Friedensnobelpreisträger Walesa seinen Drohruf aus, Deutschland solle im Falle einer unterstellten "Destabilisierung Europas von der Landkarte ausradiert" werden. Als der Unmut hochschlug und auch die ausländische Presse dies nicht übergehen konnte, schob der gewitzte Pfiffikus diese Textpassage auf die Redakteure der Zeitung "Elsevier" und endschuldigte sich.

Dieser Tage verunglimpft die holländische Fernsehmoderatorin Linda de Mol im niederländischen Fernsehen das Deutschlandlied als "Scheißhymne". Als die Empörungswogen hochschlugen – entschuldigte sie sich: "Es war absolut nicht in meinem Sinn." Unklar bleibt, ob hinter dieser saloppen Entschuldigung Verärgerung über die bald veränderte holländische Hymne, aus der die Zeile "... sind wir von deutschem Blut" gestrichen werden soll, oder über den möglichen Ausfall von TV-Tantiemen steht.

Dieser Tage nun wollen die Bewohner der Stadt Brünn sich für die Vertreibung Deutscher entschuldigen. Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, also schon in der Ära der "Befreiung", wurden etwa 30 000 Brünner in Richtung Wien getrieben, wobei weit über 5000 Deutsche zu Tode gehetzt wurden. Was lange Zeit verwiegen, verleugnet und aufgerechnet wurde, soll nunmehr von einigen heutigen Bewohnern der Stadt mit einer bedauernden Erklärung aufgehoben werden. Doch so lobenswert die Initiative dieser Tschechen gelten muß, weder dem Todesmarsch von Brünn noch der Vertreibung insgesamt ist auf diese Weise beizukommen. Ganze Landstriche von Menschen leerzufegen, sich ihres Privateigentums zu bemächtigen und als Ersatz für falsche politische Ansätze zu nehmen, paßt nicht in die Kategorie der Vergebung, die immer nur individuell möglich ist, so wie es auch keine Kollektivschuld geben kann.

Wie sollten sich heute auch auf praktikable Weise etwa die vormaligen Völker der Sowjetunion bei den Opfern von Tscheka, NKWD und KGB entschuldigen?