26.01.2022

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05.05.01 Frühe Ansichten im Steindruck

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. Mai 2001


Von Balga bis Zoppot
Frühe Ansichten im Steindruck

Als Alois Senefelder kurz vor Ende des 18. Jahrhunderts den Steindruck erfand, revolutionierte er geradezu die damals bekannten künstlerischen Vervielfältigungstechniken. Auf Kalkschieferplatten wird beim Flachdruck mit fetthaltiger Tusche oder Kreide die Zeichnung aufgetragen. Die Stellen, die später nicht drucken sollen, werden mit Salpetersäure und Gummiarabicum behandelt, so daß sie Fett, also Druckerfarbe abstoßen; nur die fetthaltige Farbe der Zeichnung nimmt schließlich die Druckfarbe auf. Der Steindruck, auch Lithographie genannt, ist weniger aufwendig als der Kupferstich oder Holzschnitt, auch läßt die Qualität des Drucks nicht so schnell nach wie etwa beim Kupferstich, bei dem man von einer Platte nicht mehr als 200 Exemplare drucken kann. Kein Wunder, daß der Steindruck bald von der druckenden Industrie gern genutzt wurde. Aber auch die Künstler schätzten dieses Druckverfahren, da sie mit dem Steindruck weichere Konturen als etwa mit dem Kupferstich erzeugen konnten. In Berlin wurde der Steindruck durch das Ministerium für Handel und Gewerbe ab 1809 gefördert, weiß Rudolf Meyer-Bremen in dem bei Husum erschienenen Buch Frühe Ansichten Ost- und Westpreußens im Steindruck (gemeinsam mit Jörn Barfod. 144 Seiten, brosch., zahlr. sw Abb., 19,80 DM) zu berichten, das zu einer gleichnamigen Ausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg herausgekommen ist (bis 24. Juni).

Die Nachfrage nach Lithographien wuchs in dem Maße, in dem die Menschen mobiler wurden. Man reiste jetzt auch zum Vergnügen und wollte Ansichten der Landschaften mitbringen, die man sich erobert hatte. Reiseführer erschienen, in denen Abbildungen von den Reizen des Landes kündeten. Diese heute noch erhaltenen graphischen Blätter sind besonders wertvoll, zumal die meisten Gemälde der Maler aus dieser Zeit ein Opfer des Krieges wurden. Zu den bemerkenswertesten Künstlern, die zeichneten und lithographierten und im Buch sowie in der Ausstellung mit besonders vielen Werken vertreten sind, gehören der Danziger Friedrich Eduard Meyerheim (1808–1879), der in Saalfeld, Kreis Mohrungen, geborene Christian Ernst Rauschke (1780–nach 1835), Johann Heinrich Hoorn (1788–1836) aus Emden, Zeichenlehrer am Elbinger Gymnasium, und der Potsdamer Friedrich Heinrich Bils (1801–1853). Der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) und der Berliner Maler Eduard Gaertner (1801–1877) sind mit jeweils einem Blatt zu finden. Als einzige Frau ist Angelika Gräfin zu Dohna, geb. Dönhoff (1794–1868) – mit Steindrucken im Buch und in der Ausstellung vertreten. Sie schuf wie auch ihre männlichen Kollegen Ansichten von Burgen und Schlössern, eingebettet in die Landschaft Ost- und Westpreußens. Ansichten, die heute umso wertvoller sind, da viele der Bauten während des Zweiten Weltkrieges und danach unwiederbringlich untergegangen sind.