26.01.2022

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05.05.01 Generalfeldmarschall Helmuth Graf v. Moltke starb vor 110 Jahren

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. Mai 2001


Todestag:
Der große Schweiger
Generalfeldmarschall Helmuth Graf v. Moltke starb vor 110 Jahren
Manuel Ruoff

Helmuth Karl Bernhard Graf v. Moltke kam am 26. Oktober 1800 in Parchim zur Welt. Er entstammte väterlicherseits einem alten Adelsgeschlecht, das in Mecklenburg, Holstein und Dänemark ansässig war, und mütterlicherseits einer bürgerlichen Patrizierfamilie der Hansestadt Lübeck. Sein Vater, Friedrich v. Moltke, verwirtschaftete das vom Schwiegervater erhaltene Vermögen und trat schließlich als Offizier in die Dienste Dänemarks.

Aus finanziellen Gründen und ohne Rücksicht auf deren Berufswünsche brachte er seine drei Söhne 1811 in dänischen Kadettenanstalten unter, für die er Freistellen erhalten hatte. Helmuth und sein älterer Bruder Friedrich kamen an die Kadettenakademie zu Kopenhagen. Hier erlebte er, wie er es später selber formulierte, sieben Jahre lang "keine Erziehung, sondern nur Prügel". Wie alle Kadetten, die in den Genuß von Freistellen gekommen waren, kam er danach für ein Jahr als Page an den königlich-dänischen Hof. 1819 erfolgte dann der Eintritt in die Offizierslaufbahn mit der Ernennung zum Secondlieutenant.

Die Größe Dänemarks und seiner Armee entsprach jedoch nicht dem Tatendrang des jungen Militärs, und so wechselte er 1822 ins preußische Heer. Im darauffolgenden Jahr legte er die Aufnahmeprüfung für die Allgemeine Kriegsschule ab, die den Zugang zur Generalstabslaufbahn eröffnete. Während seines dortigen Aufenthaltes, der bis 1826 dauerte, erwies er sich als nicht nur begeisterter, sondern auch talentierter Topograph und Landschaftszeichner. Deshalb wurde er 1828 zum Topographischen Büro des Großen Generalstabs kommandiert.

1835 erhielt der bildungshungrige und unternehmungslustige Generalstabsoffizier einen sechsmonatigen Urlaub für eine Reise nach Wien, Athen, Neapel und Konstantinopel. In der osmanischen Hauptstadt erreichte ihn der Befehl seines Königs Friedrich Wilhelm III., dem Sultan bei der Reorganisation seines Heer nach europäischem Vorbild zu helfen. Ein Ergebnis des dreijährigen Einsatzes in der Fremde sind die "Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839", in denen der auch künstlerisch über- durchschnittlich begabte Soldat seine Reiseerlebnisse aufbereitet hat.

Seiner Rückkehr nach Preußen im Jahre 1839 folgte ein Einsatz als Generalstabschef des Prinzen Carl v. Preußen und als Adjutant des Kunstliebhabers Prinz Heinrich v. Preußen. Für eine Adjutantentätigkeit qualifizierten den großen Schweiger außer seiner hohen Bildung und seinen angenehmen Umgangsformen auch sein taktvoll zurückhaltendes Wesen und seine Diskretion. So wurde er nach Heinrichs Tod und diversen Tätigkeiten in Generalstäben 1855 von Friedrich Wilhelm IV. zum Ersten Adjutanten seines Neffen Friedrich Wilhelm, dem späteren Friedrich III., ernannt. Diese Vertrauensstellung verlor Moltke, als 1857 die Regierungsgeschäfte vom König auf dessen Bruder Wilhelm übergingen. Der Adjutant wurde weggelobt. Er wurde Chef des Großen Generalstabs, doch dieser war damals noch nicht das militärische Zentrum des Staates. Das wurde er erst unter seinem neuen Chef in der Zeit der Einigungskriege. Hier, vor allem in den Schlachten von Königgrätz und Sedan, konnte der Ausnahmesoldat seine außerordentliche militärische Befähigung im großen anwenden.

Im Dreikaiserjahr 1888 wurde der Hochgeehrte auf eigenen Wunsch vom Amt des Generalstabschefs entbunden. Am 24. April des Jahres 1891 schied der zum Nationalhelden Avancierte ohne vorherige Krankheit sanft und schmerzlos aus dem Leben.

 

"Sieg durch Gesang"

Als die deutschen Truppen 1870 in das Elsaß einmarschierten, ging ihnen der schlimme Ruf der Mörder und Schänder voraus. Die französische Regierung hatte nichts unterlassen, um die Furcht der Bevölkerung vor den "grausamen Preußen" zu wecken und zu stärken. Furchterregende Fratzen mit dem Messer zwischen den Zähnen – so wurden sie auch bildlich dargestellt, die Soldaten Moltkes, dieses großen Vorbilds an Lauterkeit, Disziplin, Bescheidenheit und Schweigsamkeit.

Kein Wunder also, daß die Elsässer zitternd dem deutschen Heer entgegensahen und sich in schützende Winkel verkrochen, um den "Bestien" nicht in die Hände zu fallen. So geschah es auch in einem kleinen Dorf, daß alle Bewohner in den Bergwald flüchteten, als die deutschen Truppen heranrückten. Nur der Pfarrer war im Dorf geblieben. Er erhielt von dem preußischen Oberst den Auftrag, die Bewohner wieder zurückzuholen. Aber seine Mühe war vergeblich, die Dörfler weigerten sich, in die Häuser zurückzukehren. Mit Angst und Bangen blickten sie vom schützenden Waldrand auf die preußischen Scharen.

Was tun? Gewalt wollte man gegen die furchtsamen Menschen nicht gebrauchen. Da kommandierte der Oberst, daß sich die Regimentsmusiker aufstellen sollten. Er gab an, welche Lieder zu spielen waren.

Aber es erklangen keine Marschlieder, keine Siegeshymnen, sondern – Choräle. "Ein’ feste Burg ist unser Gott" intonierten die Bläser. Die deutschen Soldaten hörten die Klänge und fielen mit ein. Voller und voller ertönte der Gesang aus dem Tal. Der Pfarrer faltete die Hände zum Gebet. Als dann "Jesus, meine Zuversicht" und das tröstende "Was Gott tut, das ist wohl- getan …" erklangen, kamen die Dorfbewohner zögernd aus dem Waldschatten hervor. Das konnten doch keine mordenden Bestien sein, die solche frommen Lieder spielten und sangen.

Als der Pfarrer erneut zu ihnen hinaufgestiegen war, folgten sie ihm in das Tal. Scheu kehrten die ersten Bewohner in ihre Häuser zurück, die anderen kamen nach und nach, bis alle wieder im Dorf waren. Und sie lernten in der folgenden Zeit ihre preußische Einquartierung so kennen, wie sie wirklich war.

Der Berichterstatter schrieb über diesen "Sieg durch Gesang", der ganz im Sinne Moltkes war: "Ein solcher Sieg gehört zu den größten Triumphen, und wir hoffen, daß unsere deutschen Kirchenlieder zwischen Deutschland und dem wiedergefundenen Elsaß ein recht inniges Band der wahren, göttlichen Liebe schlingen werden." Ruth Geede