19.08.2022

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19.05.01 Ein neues Museum beleuchtet die Geschichte von Cranz

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 19. Mai 2001


Unter einem Dach
Ein neues Museum beleuchtet die Geschichte von Cranz

Im ehemals mondänen Ostseebad Cranz wurde jüngst ein Museum für Geschichte und Archäologie eröffnet. Ungeachtet der großen Defizite von Wohn- und Industrieeinrichtungen in der Stadt, hat die Ortsverwaltung das Erdgeschoß eines Einzelgebäudes zur Verfügung gestellt. Es ist gut erhalten; es handelt sich um das ehemalige Cranzer Gemeindehaus der Baptisten in der Kirchenstraße im Stadtzentrum. Ihm gegenüber befindet sich eine Bushaltestelle, so daß Touristenbusse von Rauschen oder Königsberg über die Haupteinfallstraßen in die Stadt gelangen können.

Das Museum hat vier Säle – drei für Ausstellungen und das Büro. Im ersten Saal ist eine Gemäldegalerie zu sehen, es sind Bilder der heutigen Cranzer Künstler wie Olga oder Wladimir Uljanow, die in Rußland bekannt sind und schon viele Male auch in der Bundesrepublik ausgestellt haben. Auf den Gemälden ist das Seebad in Vergangenheit und Gegenwart abgebildet, so wie es mit den Augen und der Phantasie der Künstler gesehen wird: die Kurische Nehrung, das Meer und das Haff. Olga und Wladimir sind sehr begabt – sie erhielten schon Auszeichnungen auf internationalen Ausstellungen.

Der zweite Saal enthält die Exposition archäologischer Funde unter der Leitung von Wladimir Kulakow. Seit mehr als 25 Jahren führt der Wissenschaftler Ausgrabungen im Königsberger Gebiet, in Litauen und Masuren durch. Er fühlt sich der alten preußischen Geschichte sehr verbunden.

Viele Ausgrabungen wurden drei bis vier Kilometer von der Stadt entfernt durchgeführt. Es gibt hier Exponate aus Stein, Metall, Glas, Geschirr aus frühgeschichtlicher und mittelalterlicher Zeit. Auf Zeichnungen und Fotos wird gezeigt, wie die Ausgrabungsgegenstände gefunden wurden. Kulakow zeichnet selbst hervorragend. Ausgegraben wurde darüber hinaus auch Geschirr aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, sogar Geschirr mit dem Namen eines Hotels und von Pensionen – beispielsweise Monopol, Großes Logier und Kurhaus, Schloß am Meer und Bernsteinverzierungen. Diese sind Geschenke von Bewohnern der Stadt, ehemaliger und heutiger. Gut sichtbar, so, daß es schon vom Eingang aus gesehen werden kann, hängt das Wappen der Stadt Cranz.

Es gibt auch eine Schautafel, die dem Zweiten Weltkrieg gewidmet ist. Die sowjetische Geschichte wird merkwürdigerweise lediglich gestreift. Aber dies ist ein Museum für die Geschichte von Cranz und nicht für "Selenogradsk". Der "Vater" des Museums ist der Kulturreferent der Ortsverwaltung, Anatolij Martynow, der sich schon seit einigen Jahren für die Herausgabe des Gebäudes und für Mittel zur Renovierung, für Gehälter und für den Kauf der Exponate eingesetzt hat. Martynow hat vieles mit eigenen Händen in seiner Freizeit erledigt, er hat die Aufstellung von drei Schautafeln besorgt, die ihm der Königsberger Sammlerclub geschenkt hatte. Anatolij Martynow beschäftigt sich mit Holzschnitzerei, er ist ein begabter Mensch und liebt es, nicht für sich zu arbeiten, sondern andere mit seiner Hände Werk zu beschenken.

Das Museum hat auch eine Mitarbeiterin, Elena Posdniakowa, eine professionelle Kulturexpertin, die sich schon seit langem mit der Geschichte Ostpreußens beschäftigt. Ihre Tätigkeit ist nichts für oberflächliche Menschen, im Museum muß man Geschichte und alte Gegenstände lieben, die Vergangenheit ehren. Elena Posdniakowa ist hier am richtigen Platz.

Der zweite "Vater" des Museums kommt aus der Bundesrepublik: Horst Dietrich, heute wohnhaft in Wiesbaden. Viele Jahre schon arbeitet der ehemalige Cranzer in dem Verein "Freunde von Cranz/Selenogradsk und Umgebung", er transportiert Hilfsgüter für die Cranzer Musikschule und das Königsberger Krankenhaus. Dietrich hat Geld und historische Dinge für das junge Museum gesammelt. Für das Museum plant der rührige Ostpreuße, eine Ausstellung großer Fotoansichten der Stadt zusammenzustellen, in Alben, mit Text in russischer und deutscher Sprache.

Bereits vor ungefähr zehn Jahren wurde in der heutigen Kinderbibliothek von Cranz eine erste Foto-Ausstellung des historischen Cranz eröffnet: Straßen, Häuser, der Strand, Porträts von Menschen. Die Ausstellung wird von dem großen Enthusiasten Walter Rosenbaum aus Bremerhaven geleitet und erneuert. Er hat dem Museum natürlich auch viele Fotografien seiner Heimat geschenkt.

Der Bestand des Museums ist noch klein, doch soll in näherer Zeit auch im Hauptmuseum, dem Kunsthistorischen Museum des Königsberger Gebiets ausgestellt werden. Die Cranzer Ortsverwaltung sucht derzeit nach Möglichkeiten, die zweite Etage des Gebäudes freizugeben und Geld für die Finanzierung einer zweiten Stelle aufzutreiben. Es wird ein Museumsführer benötigt, ein Assistent für die Direktorin Elena Posdniakowa.

Immer mehr und mehr Menschen erfahren durch das junge Museum so auch etwas über die deutsche Vergangenheit des einst mondänen Badeortes. Ein Museum, das noch mit weiteren Exponaten vervollständigt werden soll. Die Kombination mit einer Kunstgalerie sorgt dafür, daß ein vielfältig interessiertes Publikum angezogen wird. Jewgeni Dworezkij

Kontakt und Informationen bezüglich des Museums über: Horst Dietrich, Mannstaedtstraße 6, 65187 Wiesbaden oder Walter Rosenbaum, Gerhardstraße 23, 27576 Bremerhaven