16.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
02.06.01 Worpsweder Käseglocke

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. Juni 2001


Worpsweder Käseglocke
Wiedereröffnung eines ganz besonderen Hauses

Was hat die Worpsweder Käseglocke mit Ostpreußen zu tun? Man muß sagen, doch einiges. In jungen Jahren hatte der 1880 in Königsberg geborene Baumeister und später sehr bekannte Architekt Bruno Taut eine Idee: Er entwarf ein Haus in der Form einer Halbkugel und veröffentlichte seinen Entwurf in der Architektenzeitschrift "Frühlicht" mit Grundriß-, Schnitt- und Ansichtszeichnungen. Zur Ausführung ist dieser Plan damals allerdings nicht gekommen. Kein Bauamt hätte das Vorhaben, ein Haus als Halbkugel zu bauen, genehmigt. Auch fehlte es wohl an Interessenten.

Diesen Zeitungsartikel entdeckte viele Jahre später der Worpsweder Edwin Koenemann, der von den Entwürfen fasziniert war. Eine reiche Erbschaft ermöglichte es ihm, sie in die Tat umzusetzen. Er gab vor, die Idee wäre von ihm; heute wissen wir es besser. Auch fand Edwin Koenemann einen Architekten, der ihm die nötigen Bauzeichnungen machte. Die Behörden genehmigten den Bau als Worpsweder Kunstobjekt für die Künstlerkolonie. Es ist wohl das einzige Rundhaus dieser Art, das es gibt. Eine andere Bauausführung nach der Idee des Architekten Bruno Taut ist nicht bekannt.

Die Worpsweder hatten auch gleich einen Namen für das Haus. Sie nannten es "Käseglocke". Edwin Koeneman starb 1960, das Haus erbte seine Ehefrau. Nach deren Tod konnten die "Freunde Worpswede e. V." das Anwesen erwerben. In sechsjähriger Arbeit mit viel Eigenleistung, aber auch mit Spenden und öffentlichen Mitteln, schufen sie wieder ein richtiges Schmuckstück, das nun feierlich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Verein hat das Haus – wo immer möglich – in den alten Zustand versetzt. Doch nicht nur die äußere Erscheinung ist ungewöhnlich: Edwin Koenemann hatte sich seinerzeit eine Ladung verformter, verschmolzener – im Grunde unbrauchbarer – Klinker besorgt und damit wahre Kunstobjekte geschaffen; der Kamin im Wohnzimmer ist so ein besonderes Werk.

Mittlerweile ist die Worpsweder Käseglocke ein besonderer Anziehungspunkt für die Besucher des Ortes. So hat der Entwurf des Königsberger Architekten Bruno Taut eine späte Anerkennung erfahren. Egon Janz

Einzigartiger Baustil: Die Worpsweder Käseglocke, erbaut nach den Entwürfen des Königsberger Architekten Bruno Taut, ist mittlerweile ein Anziehungspunkt für Touristen Foto Janz