16.04.2024

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02.06.01 Die ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. Juni 2001


Die ostpreußische Familie
Extra

Lewe Landslied und Freunde unserer Ostpreußischen Familie,

unsere Heimat ist ja für ihre Vogelzüge berühmt. Kein Wunder, daß auf die Bitte nach dem Lied von den "grünen Sommervöglein" wahre Vogelscharen angeflattert kamen, bei mir einige, bei der vollkommen überraschten Familie Grüneberg, die den Wunsch übermittelt hatte, aber ganze Pulks. Und die schwirrten dann weiter zu Eva und Gerhard Mans in Aumühle, die es gesucht hatten. Ich hatte die handgeschriebenen Namen als Eva und Gerda Maus entziffert, leider nicht ganz richtig, es handelt sich also um das Ehepaar Mans aus Poppendorf, Kreis Wehlau, (jetzt bekam ich’s gedruckt!) Sie kannten nur Bruchstücke von dem Lied, das ihnen ihr Musiklehrer Ernst Witt vermittelt hatte. Frau Grüneberg meinte, einige Poppendorfer würden sich wohl an das Lied erinnern!

Ha, nicht nur die, denn aus unserm gesamten Familienreich kamen über 70 Zuschriften – und paar Nachzügler werden inzwischen noch eingetroffen sein. Das Lied "Von den grünen Sommervögeln" von Friedrich Rückert, vertont von Joseph Gersbach, ist noch in einigen Liederbüchern zu finden. Aber viele Leserinnen hatten das Lied aus der Schulzeit behalten und schrieben es aus dem Gedächtnis auf – der alte Spruch "Kopche wie Siebche" gilt nicht, unsere ostpreußischen Hirne sind wohl etwas engmaschiger gestrickt, da rutscht so leicht nuscht durch! Bereits am Erscheinungstag des Ostpreußenblattes wurde das Ehepaar Grüneberg per Telefon mit dem Lied geweckt! Und dann brach die Briefflut herein: Handgeschrieben, gedruckt, kopiert, als Gedicht und Lied mit Noten und sogar auf Cassette! Heidi Willigmann hatte es im alten Liederbuch ihrer Schwiegermutter, der Frau des ehemaligen Königsberger Dompfarrers Hermann Willigmann, gefunden. Ingrid Nowakiewitsch tippte es aus ihrem handgeschriebenen Liederheft aus der Schulzeit ab. Die Familie Grüneberg listete die Namen auf und bedankte sich bei allen (!) Einsendern und Anrufern mit einer Kopie aus einem Liederbuch, da viele Aufzeichnungen nicht ganz vollständig waren. "Es war ein toller Erfolg, die Ostpreußische Familie ist einfach großartig!" sagen beide Ehepaare. Wer wollte das bezweifeln!

Wie immer gab es noch einen überraschenden Nebeneffekt: Unter den Zuschriften waren auch die von alten Bekannten von Eva und Gerhard Mans, und diese konnten nun ihrerseits die Einsender mit heimatlichen Fotos "belohnen"! Das ist ja das Einmalige an unserer Ostpreußischen Familie, daß es solche Überraschungen "magrietsch", also zusätzlich, gibt. Wie auch Eva Droese, die mir ebenfalls das Gedicht zusandte, mit netten Zeilen bekundete, daß durch uns eine wunderbare Brieffreundschaft mit einem Ehepaar aus Kassel zustande kam und sie nun diesen Nicht-Ostpreußen unsere Heimat nahe bringen kann, zumal sie sich durch einen 1945 in Heiligenbeil gefallenen Bruder mit Ostpreußen verbunden fühlen.

Das geht vielen Leserinnen und Lesern so. Heute bekam ich einen Brief aus Blansko in der Tschechischen Republik. Geschrieben hat ihn Danila Horak-Hoffmann, die zur Sudetendeutschen Gruppe der Dortgebliebenen gehört. Nun ist sie durch ein Geschenkabonnement begeisterte Leserin des Ostpreußenblattes, denn sie findet so viele Parallelen zu dem eigenen Schicksal. "Alles, was die Zeugen aus Ostpreußen berichten, über Gewalttaten, Vergewaltigungen, Morde und andere Verbrechen, kann ich nur bestätigen!" Doch darüber mehr an anderer Stelle. Hier und heute geht es darum, daß einige Vorfahren der Schreiberin ostpreußischer Herkunft sein sollen. Ihr früh verstorbener Vater Johann Hanus und Großvater Josef Hanus sind im Sudtetenland geboren, es mußte sich also um den Urgroßvater handeln. Vielleicht melden sich Träger dieses Namens, und es läßt sich eine Verbindung herstellen. Aber noch eine andere Bitte hat Frau Horak-Hoffmann: Sie ist eine begeisterte Leserin und besitzt einige Bücher von ostpreußischen Autoren, die sie immer wieder liest. Ihr größter Wunsch wäre es, einmal unser Land kennenzulernen, was – wie sie schreibt – wohl nie in Erfüllung gehen wird. So möchte sie noch mehr ostpreußische Bücher besitzen und fragt ganz bescheiden, ob sich einige Leserinnen und Leser von ihren doppelten Exemplaren trennen könnten. Sie gibt ihre deutschen Bücher – wie auch Das Ostpreußenblatt – an andere deutsche Freunde zum Lesen weiter. "So machen Sie also nicht nur mir, sondern uns allen eine große Freude!" schreibt unsere sudetendeutsche Leserin, die übrigens selber Gedichte in deutscher Sprache schreibt. (Danila Horak-Hoffmann, Bezrucova 1 in 678 01 Blansko, Tschechische Republik.)

Namen: Ja, da kommen wir noch einmal zu "Kolipost". Rita Dombrowski hatte uns die Frage nach diesem seltsam anmutenden Namen gestellt – per E-Mail und leider ohne Adressenangabe. Nun las sie darüber in unserer Osterausgabe und meldete sich prompt – mit Anschrift! Sie wohnt in Kaarst und ist die Ehefrau des ostpreußischen Fleischermeisters Herbert Dombrowski aus Adlerdorf, KreisLötzen, der bei vielen Ostpreußentreffen die Landsleute mit warmer Grützwurst, Fleck und anderen heimischen Spezialitäten versorgte. Beide betätigen sich aktiv in der LMO, Kreis Neuss, so auch als Mitwirkende der ostpreußischen Volkstanzgruppe. Frau Dombrowski möchte sich bei allen "Namensforschern" ganz herzlich bedanken. Wozu noch eine Ergänzung kommt, denn kürzlich erhielt ich ebenfalls durch Internet eine interessante Deutung. Beate Szillis-Kappelhoff aus Salzbergen vermutet wie ich, daß der Name prußischen Ursprungs ist. Er dürfte aus zwei Komponenten bestehen. Der erste Namensteil könnte vom sudaujadwingischen "kolas = Pfahl/Pfosten", aber auch von den prußischen Wörtern "colowach" = Hügel" oder "cal/kol = Saat" kommen. Der zweite dürfte auf "posty/posti = Weide/Viehweide" zurückzuführen sein. Vielen Dank, liebe Frau Szillis-Kappelhoff.

Da wir schon in Neuss sind: Ein ganz großes Dankeschön an Frau Pietz für die Kopien der Karte von 1941 von dem damaligen Bezirk Zichenau, der auf dieser den alten Namen "Masowien" trägt. Auf ihr sind nicht nur die größeren Orte wie Schröttersburg verzeichnet, sondern auch kleinere Ortschaften. Sie wird für Frau Reichardt eine große Hilfe sein, wenn sie demnächst in die Heimat ihrer Vorfahren reist. Frau Reichardt hat auch zwei Zuschriften von Lesern bekommen, die ihr Hinweise auf die gesuchten Orte Sichelberg, Weißenfeld, Mikuike, Schröttersburg und Damnau geben. Leider haben sich keine Verwandten aus der Familie ihrer Großeltern Eduard und Olga Nass gemeldet. Es könnten noch deren Kinder Martha, Hugo, Wanda, Heinrich und Alina Nass leben. Aber es ist fraglich, ob diese Das Ostpreußenblatt lesen, doch vielleicht könnte es Hinweise auf die genannten Namen von unseren Lesern geben. Man soll die Hoffnung nie aufgeben.

Liebe Frau Pietz, hoffentlich habe ich Ihren Namen richtig gelesen, leider fehlte im Schreiben Ihre vollständige Adresse. Es kann ja schon manchmal zu Irrtümern kommen, aber an diesem bin ich wirklich unschuldig: In meiner Wochenspalte brachte ich eine Bitte von Erika Henningsen nach Fotos von zwei Häusern aus Neuhausen-Tiergarten – zu lesen stand aber, daß sie nach "Männern" suche. Nun ist unsere Ostpreußische Familie ja nicht gerade ein "Heiratsbüro" wie das einstmals so berühmte der Charlotte Bludau in Königsberg. Wie diese seltsame Metamorphose von "Häusern" in "Männern" zustande kam, ist mir rätselhaft, wird aber unserer modernen Übermittlungstechnik zu "verdanken" sein. "Nein, danke!" sagt auch Frau Henningsen, geb. Ollesch, sie hat einen lieben Mann, mit dem sie bald Goldene Hochzeit feiern kann, braucht also keinen neuen und schon gar nicht im Doppelpack! Sie hat sehr gelacht, ich auch, und ich hoffe, lewe Landslied, Ihr werdet auch e bätke griene!

Meine Kindheitserlebnisse in Neuhausen und besonders Eichenkrug haben noch bei weiteren Leserinnen Erinnerungen geweckt. Bei Charlotte Fiebig sind sie zwiespältig. Die netteren beziehen sich auf ihre Fahrten nach Neuhausen-Tiergarten, wenn sie ihren damals dort bei der Luftwaffe stationierten Freund besuchte – mit dem sie inzwischen Goldene Hochzeit feiern konnte –, und auf den gemeinsamen Wanderungen auch im Eichenkrug eingekehrt wurde. Nicht so friedlich sind die Erinnerungen an den Sommer 1944, als die ausgebombte Familie mit Fuhrwerken nach Neuhausen-Tiergarten gebracht wurde. Nach längerer Suche, die sich durch ihren im Rollstuhl sitzenden Vater als schwierig erwies, fanden sie endlich in einem Häuschen am Waldrand eine liebe Frau, die ihnen zwei Zimmerchen gab. Für Frau Fiebig und alle, die mir ihre Erinnerungen an Neuhausen-Tiergarten zugesandt haben, auf dieser Seite ein Foto vom Eichenkrug, das mir mit weiteren alten Aufnahmen Dorothea Blankenagel zusandte. Dafür ganz, ganz herzlichen Dank, liebe Frau Blankenagel.

So, nun sollen aber die Erfolge aufgelistet werden, die in den letzten Wochen zu verzeichnen waren. Den großen Krepsch und noch einen kleinen hatte ich ja vor kurzem geleert. Auf die Frage von Ottmar Kaum nach dem Kriegsgräberfriedhof beim Dorf Weidengrund bei Gumbinnen, wo sein dort gefallener Kriegskamerad vermutlich beigesetzt wurde, meldete sich Gerhard Prengel, der genauere Angaben machen konnte und den ich in Verbindung mit Herrn Kaum brachte. Der hatte auch schon eine interessante Zuschrift über das Gut Weidengrund erhalten, auf dessen Friedhof auch Gefallene bestattet worden waren.

Irmgard Lange freut sich über die große Resonanz, die ihr Wunsch nach dem Buch "Plachandern und Quiddern auf Deiwel komm raus" fand, und ich soll hiermit ihren Dank an die Leserinnen und Leser übermitteln. – Dorothea Heidenblut, die das Buch "Ännchen von Tharau" von Paul Heine suchte, bekam es zu ihrer großen Fruede von einer Heiligenbeilerin aus Leverkusen. – Auf ihre Frage nach der Sage vom "Heiligen Stein" im Frischen Haff erhielt Karlheinz Kuhn von einer Leserin einen Auszug aus dem Buch "Ostpreußische Sagen", aber leider kein Bild von dem Stein, das er so dringend sucht. Muß doch irgendwo aufzutreiben sein, denn der "Riesenstein" war sehr bekannt.

Zu der Frage von Ilsegret Böhm, woher das Spiel "Wir fahren nach Jerusalem" stamme, meldete sich Hannelore Sommer mit einem interessanten Hinweis auf die "Irrgärten" in den Ordensburgen. Die Brüder und Kreuzherren hatten sich mit Eid verpflichtet, Jerusalem, die heilige Stadt, gegen die Feinde des christlichen Namens zu verteidigen und, wenn es verlorengegangen sei, wiederum einzunehmen. Um sich von dem Eid zu lösen und ihr Gewissen zu beruhigen, ließen die Ritter in Preußen bei den Schlössern die Erde aufgraben und ein Festungswerk mit vielen Gängen und Laufwerken aufwerfen, welches einem Irrgarten sehr ähnlich sah und "Jerusalem" genannt wurde. Solch ein Labyrinth ist auch im Feld bei Riesenburg gewesen. Als sich dann die Sitten lockerten, wurde dieser Irrgarten ein Spielplatz für die Ritter, die dort ihre Knechte jagten, so als ob sie Jerusalem befreit hätten. Später soll es dort immer gespukt haben. Man will feurige Gestalten mit glühenden Schwertern gesehen haben, nur sollen es diesmal die Knechte gewesen sein, die sich für die Schmach rächten und nun ihrerseits die Ritter jagten, aber auch sie wurden dafür bestraft, denn der Teufel jagte die Knechte. Nun ja, es handelt sich also um ein Irrgartenspiel, und es kann durchaus möglich sein, daß unsere "Reise nach Jerusalem", in der ja auch die Teilnehmer "gejagt" werden, dort ihren Ursprung hat.

Nach dem Ostpreußischen Wörterbuch vom Pfarrer Arndt wird immer wieder gefragt. Spät kommt Ihr, doch ihr kommt: Gerhard Mannke teilte mir mit, daß ihm der Pfarrer (bitte nicht Pastor) einmal geschrieben hätte, daß er auf einer Auflage von 10 000 Stück sitze, denn niemand wollte das Büchlein haben. Folglich – so meint Herr Mannke – müßten noch Exemplare vorhanden sein. Ilse Bannick teilte mir mit, daß man Fotokopien des Ostpreußischen Wörterbuches der erweiterten Auflage mit 4000 Wörtern von der Deutschen Bücherei, Deutscher Platz in 04103 Leipzig, bekommen könnte, Kopierkosten und Porto hielten sich in Grenzen.

Leider gibt es auch Resonanzen, die traurig stimmen. So hatte Lieselotte Golz nach ihrer Freundin Eva Bubat geforscht. Nun teilte eine Cousine der Gesuchten mit, daß Eva leider schon vor fünfzehn Jahren verstorben sei. – Auch Ingebourg Kurzewitz, geb. Wiegelis, die als Kind elternlos in den Westen kam, erhielt auf der Suche nach ihren Wurzeln keine positive Antwort. Ein Leser aus einem Nachbarort von Perwissau, wo vermutlich ihre Eltern wohnten, übersandte Frau Kurzewitz acht Anschriften von ehemaligen Perwissauern, aber niemand kannte den Namen Wiegelis. Eine Frau sagte sogar am Telefon sehr deutlich: "Ihre Wurzeln haben Sie dort nicht!" Aber Name und Wohnort standen auf dem Pappschild, das die noch nicht einmal zweijährige Ingebourg um den Hals trug, als sie im Dezember 1944 mit einem Transport in Küstrin eintraf. Vielleicht sollte man die Suche nicht so sehr auf das samländische Perwissau begrenzen. Es könnte sein, daß die Mutter nach den Bombenangriffen auf Königsberg dorthin evakuiert wurde oder bereits auf der Flucht war. Ich spreche deshalb noch einmal unsere Landsleute an, ob sie Verbindungen zu Landsleuten mit dem Namen Wiegelis haben. (Ingebourg Kurzewitz, Am Mühlenstück 8 in 26506 Norden.)

Obgleich ihm nach einem Schlaganfall das Schreiben schwerfällt, hat Erich Will aus Hürtgenwald schon mehrmals auf Leserfragen geantwortet, aber nie eine Bestätigung und schon gar kein Dankeschön erhalten. Auf die einzelnen Fälle will ich – noch nicht – eingehen, weil ich selber auf Antwort der Betreffenden warte! Nun hat Herr Will auch zwei Fragen, und ich will sie gerne veröffentlichen. Die erste betrifft das Gedicht vom "Bienenvater", weil Kantor Oskar Kerwien aus seinem Heimatdorf – wohl Hanshagen bei Petershagen – solch ein Bienenvater war und die Kinder das Gedicht lernen mußten ("… ewig hat man Rauch in der Nase"). Die zweite Frage bezieht sich auf die Königsberger Lesehalle "Die Brücke". Dort mußte Erich Will, als er in Königsberg dienstverpflichtet war, Kinokarten besorgen. Wo lag diese Lesehalle? Unser Landsmann würde sich über jede Zuschrift freuen, weil es durch die Behinderung und nach dem Tod seiner Frau sehr einsam um ihn geworden ist. (Erich Will, Stockberg 2 in 52393 Hürtgenwald.)

Das war heute mal ein bunter Extra-Bogen, der in voller Breite die Vielseitigkeit und Lebendigkeit unserer Ostpreußischen Familie auffächert. Stimmt’s?

 

Eure

Ruth Geede