26.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
18.08.01 Rot-grüne Götterdämmerung

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 18. August 2001


Hans-Jürgen Mahlitz
Rot-grüne Götterdämmerung

Bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen lief das Stück erstmals am 1. August; auf der Berliner politischen Bühne steht es schon etwas länger auf dem Spielplan. Das Stück heißt „Götterdämmerung“ - in der aktuellen Interpretation erinnert es aber auch an Brechts: „Aufstieg und Fall …“

Der Hauptdarsteller heißt Gerhard Schröder. Seit nunmehr drei Jahren gibt er den Kanzler. Anfangs galt er als großes Talent, mit exzellenter Rethorik, ausdrucksstarker Mimik, sicherem Auftreten und ganz außerordentlicher Variationsfähigkeit. Je nach Publikum glänzte er mit fast schon patriotischem Pathos oder aber mit als jugendlich geltender Schnoddrigkeit. Sein sicheres Gespür für die Wirkung des bewegten Bildes ließ den Verdacht aufkommen, er grüße auch noch im Schalterraum der Hannover’schen Sparkasse in die Überwachungskamera.

Kein Zweifel, dieses begnadete Talent muß auch nach der nächsten Neubesetzung wieder die Nummer 1 sein; kein Konkurrent kann ihm das Wasser reichen! So sah es lange aus; um von der Theater- zur Polit-Bühne zurückzukehren: Die nächste Bundestagswahl schien „gelaufen“. Die Opposition total am Boden, die SPD unangefochten obenauf, ihr Chef in der höchst komfortablen Lage, unter mindestens drei Koalitionsoptionen wählen zu können - was kann sich ein Politiker sonst noch wünschen? Schröder, so schien es lange Zeit, könnte nach der nächsten Wahl entweder weiter mit den Grünen regieren oder Westerwelles FDP ins Koalitionsbett holen. Er könnte aber auch mit der PDS gemeinsame Sache machen; wenn dies rechnerisch nötig wäre, um an der Macht zu bleiben, würde er dies zweifellos auch tun. Und als letzte Trumpfkarte bliebe immer noch die Möglichkeit der Großen Koalition - auf dem Süßmuth-Geissler-Flügel der CDU würden sich wohl genügend Abgeordnete finden, die Schröder die nötigen Stimmen liefern. Als Lohn lockt dann meist ein Minister- oder Staatssekretärs-Posten.

Nun aber sieht es auf einmal so aus, als habe der SPD-Chef die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Genauer: ohne die Wirtschaft. Die weigert sich nämlich standhaft, sich für die angeblichen Segnungen der Bundesregierung mit sinkenden Arbeitslosenzahlen, steigendem „Wohlstand für alle“ und boomender Konjunktur zu bedanken.

Das rot-grün regierte Deutschland hat die rote Laterne übernommen. Bei den wirtschaftlichen und sozialen Eckdaten haben unsere europäischen Partner uns abgehängt. Es ist zu befürchten, daß wir im nächsten Herbst wieder über vier Millionen Arbeitslose haben werden. Vor der letzten Wahl hieß es: Kohls Arbeitslose, also muß es jetzt ja wohl heißen: Schröders Arbeitslose.

Die Stimmung im Lande ist deutlich gekippt. So vorsichtig man bei Umfragen auch sein sollte: Erstmals hätte Rot-Grün keine Mehrheit, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre.

Die Genossen mögen sich damit trösten, daß dies nur eine Momentaufnahme ist. Aber alle Wirtschafts- und Konjunkturdaten deuten darauf hin, daß die wirtschaftliche und soziale Talfahrt in Deutschland noch lange andauern wird. Und das bedeutet Götterdammerung für Schröder, Fischer & Co. - den Wählern dämmert es nämlich, daß Politik wohl doch etwas anderes ist als Schauspielerei.