26.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
18.08.01 Gruppe der Agnes-Miegel-Gesellschaft auf den Spuren ihrer großen Dichterin

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 18. August 2001


In der Lüneburger Heide ...
Gruppe der Agnes-Miegel-Gesellschaft auf den Spuren ihrer großen Dichterin
Inge Hartmann

Lüneburg - In der Erzählung „Mit Agnes Miegel in der Lüneburger Heide“ berichtete Alma Rogge, die aus der Wesermarsch stammende, mit Agnes Miegel bekannte Schriftstellerin, wie sie 1957 zum erstenmal mit ihr zu einem Aufenthalt nach Wilsede in die Lüneburger Heide fuhr. Beide waren in das damalige Landrat-Ecker-Haus von Dr. Alfred Toepfer eingeladen, dem energischen Verfechter der Naturschutzidee und großzügigen Förderer des Naturschutzparkes Lüneburger Heide. Bei Alma Rogge heißt es: „In Oberhaverbeck bestiegen wir den auf uns wartenden Pferdewagen und fuhren auf weichen Sandwegen hügelauf und hügelab ... Und gleich hier rührte uns schon an, was wir in den folgenden Tagen immer wieder beglückt empfanden: wir kehrten ein in den Rhythmus des natürlichen Lebens, in seine ruhevolle Einfachheit ... Wir entdeckten immer neue Schönheiten, wurden immer vertrauter mit allem, bis Agnes Miegel tief angerührt sagte: ‚Ich hätte nicht gedacht, daß mir eine Landschaft nach meinem Ostpreußen noch mal so gefallen könnte!’“ Aus dem Erleben dieser urtümlichen norddeutschen Heide entstand eine kostbare Skizze - ja, man möchte sagen, ein Gedicht in Prosaform, in der die Dichterin von der ihr so wesensverwandten Landschaft ein farbiges Gemälde in bewegten Worten entwirft.

Die Agnes-Miegel-Gesellschaft besitzt diesen wenig bekannten Text in besonders künstlerischer Wiedergabe. Er wurde nämlich 1985 von Lieselotte Plangger-Popp bei einem Aufenthalt in Wilsede in Kunstschrift geschrieben und mit drei schönen Federzeichnungen illustriert. Sie schenkte diese eindrucksvollen Blätter, betitelt „In der Lüneburger Heide“, im Original dem Agnes-Miegel-Haus in Bad Nenndorf.

Dort liest man bei Agnes Miegel: „War ich nicht hier mit jedem Atemzug wie heimgekehrt nach langer Wanderung in dem alten Dorf, das bei meinem Kommen nicht im Waldgrund versank, sondern über buntblühenden Gärtchen mit einem Pferdehaupt über der Halbtür aus sanftem Faladablick grüßte? ...Und schenktest du mir nicht, Heide, nach grauen Regentagen an glühenden Frühherbstnachmittagen mein schönstes, allerschönstes Erlebnis: ...Dann stand ich auf einmal tief in einem unübersehbaren Meer blühenden Heidekrautes, dessen rosige Wellen fern an einem blauen Waldsaum brandeteten, purpurn aufleuchtend an alten Wachholdern, die wie Inseln ins goldene Licht ragten. Und dies ganze blühende Meer bebte in jedem Glöckchen vom goldbraunen Gewimmel der Bienen. Diese ganze Glut, dieser Duft tönte von dem summenden Ewigkeitslied zum Preise ihrer unsterblichen Mutter, der Heide!“

Diesen Spuren der Dichterin folgte eine Gruppe der Agnes-Miegel-Gesellschaft an einem warmen Sommertag, als sie von ihrem Standquartier in Lüneburg eine Tagesfahrt in die Heide unternahm und sich von Undeloh aus mit einem großräumigen bequemen Wagen, von zwei stämmigen Falben gezogen, nach Wilsede kutschieren ließ, wo der Wilseder Berg erwandert und das Heimatmusem „Dat ole Hus“ besichtigt werden konnte. Diese ruhige Kutschfahrt in die stille Landschaft war für alle Ausflügler ein großes Erlebnis und brachte für Agnes Miegels Heideschilderungen das rechte Verständnis.

Der Dichterin und ihrer ostdeutschen Heimat begegneten die Teilnehmer des viertägigen Aufenthaltes im gastlichen Lüneburg auch im Ostpreußischen Landesmuseum, für das ein voller Tag zu einem ausgiebigen Besuch zur Verfügung stand. Und da die meisten ihre Wurzeln in den ostdeutschen Provinzen hatten, wurde dieser Tag zu einem sehr anschaulichen, manchmal aber auch schmerzlichen Wiedersehen mit dem Vergangenen.

Am Beginn dieser erlebnisreichen Tage in der geschichtsträchtigen, an mittelalterlichen Bauten so reichen alten Salzstadt stand eine Führung durch Lüneburg, die abends von einem eindrucksvollen Orgelkonzert in der hochgewölbten Johanniskirche gekrönt wurde. Wie die Stadt sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer wohlhabenden Salz- und Handelsstadt entwickeln konnte, zeigte dann ein Gang durch das sehenswerte Salzmuseum, das dort entstand, wo noch bis in jüngste Zeit die aus den Tiefen der unterirdischen Steinsalzlager geförderte Sole zu Kochsalz gesiedet wurde. Dieser Vorgang wurde den Besuchern höchst anschaulich und lebendig vor Augen geführt.