17.07.2024

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06.10.01 Ein Reisebericht über Estland

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. Oktober 2001


Ein Reisebericht über Estland
»Geschehenes - Erfragtes - Erlebtes - Gedachtes«

Zwei Aussichtsplätze an der Burgmauer bieten den Touristen einen unvergeßlichen Rundblick auf die Unterstadt. Majestätisch ragen wie Wächter die alten Kirchtürme aus dem Häusermeer, darunter auch die 1317 erbaute St. Nikolaikirche, die erst 1695 eine Haube erhielt. 1945, als während eines russischen Luftangriffs 757 Tote und über 20.000 Obdachlose zu beklagen waren, wurde auch die - jetzt als Konzerthalle und Museum dienende - Kirche schwer beschädigt. Silbern glänzende Dachtraufbleche und das satte Rot vieler neu gedeckter Ziegeldächer kennzeichnen auch hier ,Aufbruchstimmung‘, die jene verhärmten älteren Menschen sicherlich nicht verspüren, deren soziale Bindung im Mahlstrom der politischen Umwandlungen zerrieben wurden und die (…) auf die Spende mitleidiger Touristen angewiesen sind.“

Die Stadt, von der hier die Rede ist, ist Reval, die Hauptstadt Estlands. Theodor Finke ist durch das ungefähr 1,5 Millionen Einwohner zählende Land gereist und hat auf erfrischende, anschauliche Weise seine Erfahrungen in dem Buch „Estland. Gesehenes - Erfragtes - Erlebtes - Gedachtes“ niedergeschrieben. Der Reisebericht umfaßt 100 Seiten, denen weitere 32 Seiten mit Fotografien folgen.

Die Qualität der Bilder ist eher mäßig, doch hat dafür der Bericht einen besonderen Charme. Ohne daß der Leser es bemerkt, erfährt er so manches Wissenswerte über das eher unbekannte Land. Der Autor verquickt gegenwärtige Erlebnisse mit der Geschichte und Entwicklung des Landes, berichtet von Bekanntschaften mit den dort lebenden Menschen, ihrer Lebenslage, ihren Einstellungen, ihrer Geschichte und Nationalität.

„Also scheinen jene Beobachtungen zuzutreffen, wonach wohlgekleidete Menschen, schamvoll nach allen Seiten blickend, schon in aller Frühe die am Straßenrand stehenden Mülltonnen nach etwas Eßbarem durchstöbern. Auch jene Mitteilung bekommt damit Gewicht, wonach von den nach der Wende gegründeten 30 Banken nur noch acht übrig blieben.“

Das Buch liest sich leicht, und man lernt auf spielerische Art und Weise so manches über das nicht allzu ferne Land. Rebecca Bellano

 

Theodor Finke: „Estland. Gesehenes - Erfragtes - Erlebtes - Gedachtes“, hrsg. von Väino Rajangu, Technische Universität Tallinn, Buchhandlung O. Melchers, Schwachhauser Heerstraße 207, 28211 Bremen, ISBN 9985-984-30-8, 132 Seiten. Preis: 18,- DM.