26.01.2022

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13.10.01 Frieden - um jeden Preis?

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 13. Oktober 2001


Hans-Jürgen Mahlitz
Frieden - um jeden Preis?

Wer hat eigentlich schon einmal den Mut gehabt, die deutschen Heimatvertriebenen zum Friedensnobelpreis vorzuschlagen? Diese wohl eher rethorisch als Aufforderung gemeinte Frage las ich kürzlich in einem Brief des Stellvertretenden Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen, Dr. Wolfgang Thüne.

Einmal davon abgesehen, daß ich selber in der Endphase des kalten Krieges gemeinsam mit dem damaligen Regierungssprecher „Johnny“ Klein genau diesen Vorschlag im „Deutschland-Magazin“ publiziert habe - die Idee hat bis heute nichts an Aktualität und Faszination eingebüßt. Denn seit dem 11. September, dem Tag des Terror- anschlags von New York, und erst recht seit dem 7. Oktober, dem Tag des ersten Gegenschlags, wird wieder viel vom „Frieden“ gesprochen, vor allem in Deutschland.

Noch standen die Rauchwolken über Manhattan, da begannen friedensbewegte Gemüter bereits, die vom Terror betroffenen Amerikaner zur „Besonnenheit“ zu mahnen. Niemand von ihnen war in den Jahren zuvor auf die Idee gekommen, auch Osama bin Laden oder die Taliban-„Gotteskämpfer“ zu Besonnenheit und Friedfertigkeit anzuhalten. Und wenn man genauer hinhörte, dann war in diesem merkwürdigen Friedens-Chor auch so manche Stimme zu vernehmen, die „Frieden“ sagte, aber blinden Haß auf alles Amerikanische meinte.

Mehr als die meisten anderen Deutschen haben die Vertriebenen Anlaß, das Thema differenziert zu behandeln. Sie wissen aus eigener schmerzvoller Erfahrung, was „Terror“ bedeutet. Sie wissen, daß die Opfer nicht so leicht vergessen können wie die Täter. Sie wissen aber auch, daß der Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen werden kann. Denn sie hatten die Kraft, diesen Weg zu gehen, so schwer das auch war und für viele immer noch ist.

Deshalb ist es richtig und notwendig, daß die deutschen Heimatvertriebenen und ihre Organisationen sich in der jetzigen Situation zu Wort melden, daß sie an ihr eigenes Schicksal erinnern, an das zerbomte Königsberg, an den Massenmord an unschuldigen Frauen und Kindern. Aber auch daran, daß nicht nur die direkten Täter schuldig wurden, sondern auch jene, die ihnen politische und pseudomoralische Rückendeckung gaben.

Hat also die Amerikaner, die damals Verbrechen an Deutschen teils duldeten, teils sogar selber begingen, nun endlich die „verdiente Strafe“ ereilt? Wer - offen oder „klammheimlich“ - so denkt, muß wissen, welche Folgen das hat: Dann hätten ja doch jene Vergangenheitsbewältiger Recht, die uns immer schon einreden wollten, die Ostpreußen, die Schlesier, die Sudetendeutsche und all die anderen Vertriebenen und Ermordeten hätten eben für Hitlers Verbrechen büßen müssen.

So bleibt festzuhalten: Was der deutschen Zivilbevölkerung, insbesondere im Osten, am Ende des Zweiten Weltkriegs angetan wurde, war blanker Terror, der auch mit Auschwitz nicht zu rechtfertigen ist. Was am 11. September geschah, war ebenso blanker Terror, den kein Fehlverhalten der US-Politik rechtfertigen kann; dies gilt auch für palästinensische Selbstmordattentate in Israel. Der Fehler war, daß der Terror der 40er Jahre ungesühnt blieb. Dies darf nicht noch einmal geschehen. Auch hierzu haben die deutschen Vertriebenen etwas zu sagen: Sie haben auf Gewalt und Rache verzichtet - nicht aber auf Recht und Gerechtigkeit! Und das ist etwas anderes als „Frieden um jeden Preis“ …