26.01.2022

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13.10.01 Bereits 60.000 deutsche Zwangsarbeiter erfaßt / Bundesregierung übergeht weiterhin alle Entschädigungsforderungen mit zynischer Argumentation

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 13. Oktober 2001


Bereits 60.000 deutsche Zwangsarbeiter erfaßt
Bundesregierung übergeht weiterhin alle Entschädigungsforderungen mit zynischer Argumentation
Bernhard Knapstein

Der Arbeitskreis Deutsche Zwangsarbeiter (AKDZ), in dem auch die Landsmannschaft Ostpreußen aktiv mitarbeitet, hat den Sprecher der Landsmannschaft Schlesien und Mitbegründer des AKDZ, Rudi Pawelka, zu seinem Sprecher gewählt. Zielvorgabe des Arbeitskreises ist es, das Schicksal deutscher Zwangsarbeiter aus dem Schatten des Vergessens zu ziehen und einen menschenwürdigen Umgang insbesondere mit den noch heute lebenden Opfern zu erreichen.

Die Erfassung der deutschen Opfer der Zwangsarbeit läuft weiterhin auf Hochtouren. Bis jetzt wurden über 60.000 Opfer und ihr jeweiliges Schicksal in der Dokumentation erfaßt, über 2.000 allein durch die Rücksendung der im Ostpreußenblatt abgedruckten Erfassungsbögen. Die meisten dieser Opfer waren in den Lagern Tscheljabinsk, in Ostpreußen und in Hinterpommern interniert und zur Arbeit gepreßt worden. Fast ausnahmslos sind bei ihnen gesundheitliche Schäden zurückgeblieben. Nach Angaben des AKDZ bleibt für viele Betroffene der zynische Umgang mit die- ser Zeit im Rahmen der Ren- tenberechnung unverständlich. Schwerstarbeit versklavter Kinder unter 16 Jahren werde noch nicht einmal als Ersatzzeit anerkannt, da „Kinder laut Gesetz keine Arbeit verrichten“ könnten. Auch Opferrenten seien selbst in diesen geschilderten Fällen bisher nicht üblich.

Wie der Redaktion bekannt geworden ist, hat eine Zivilverschleppte wegen des zynischen Umgangs der Bundesregierung mit den Opfern bereits ihre finanzielle Unterstützung von der Bonner Stiftung für ehemalige politische Häftlinge aus Protest zurückbezahlt. Anlaß hierfür war die schriftliche Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast auf die Bitte des Opfers, sich für mehr Gerechtigkeit bei den Betroffenen einzusetzen. Die Staatssekretärin verwies in ihrer Antwort darauf, daß es der Bundesregierung nicht möglich sei, dem Gesetzgeber eine „Änderung seiner bislang für richtig gehaltenen Bewertung vorzuschlagen“ und nunmehr Ausgleichsleistungen zu gewähren, „in deren Genuß mittlerweile viele nicht mehr kommen könnten“. Ein Mitarbeiter des AKDZ konterte: „Diese Argumentation vorzutragen, hätte sich die Bun-desregierung bei der Errichtung des Stiftungsfonds für die noch lebenden NS-Zwangsarbeiter nicht gewagt.“

Die AKDZ-Erfassungsstelle der LO berät neben den Opfern zunehmend auch Kommunen und Landkreise beim Umgang mit Wolfskindern und deutschen Opfern von Zwangsarbeit. Auch in diesen Fragen fühlen sich die Verwaltungsbehörden von der für die Stiftung für ehemalige politische Häftlinge zuständigen Bundesregierung weitgehend im Stich gelassen.