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13.10.01 / Deutsche Kriegsgräberfürsorge: / Der Volksbund erliegt offenbar immer stärker dem extrem verengten Blickwinkel des Zeitgeistes

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 13. Oktober 2001


Deutsche Kriegsgräberfürsorge:
Kräftig jenseits des früheren Auftrags
Der Volksbund erliegt offenbar immer stärker dem extrem verengten Blickwinkel des Zeitgeistes
von Jochen Arp

Für 248.687 Deutsche war es 2000 noch selbstverständlich, Mitglied im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. zu sein, um den gefallenen deutschen Soldaten beider Weltkriege, den Opfern von Flucht und Vertreibung und den Toten des Bombenkrieges, nicht zuletzt aber auch jenen, die den Tod fanden, weil sie einem anderen Volk angehörten, eine würdige Ruhestatt zu bereiten. Allerdings sinken die Mitgliederzahlen ständig. 1989 waren es noch 390.000. Die weitaus meisten Mitglieder dürften zu den Jahrgängen gehören, die noch den Weltkrieg erlebt haben und die sich ihren toten Landsleuten, ihren Vätern und Großvätern verbunden fühlen, die damals in soldatischer Pflichterfüllung fielen oder auf andere Weise Opfer des Krieges wurden.

Die Neuzugänge gleichen die Abgänge längst nicht aus, was auch nicht verwunderlich ist. Wenn unserem Volk von Jahr zu Jahr intensiver eingebleut wird, daß die deutschen Soldaten des Zweiten Weltkrieges Verbrecher waren und daß wir froh sein dürfen, 1945 von den Siegern, hier speziell von Stalins Roter Armee, befreit worden zu sein, dann stehen jene nicht in hohem Ansehen, die sich dieser „Befreiung“ entgegenstellten, und das taten nun einmal 90 Prozent aller Deutschen. So fällt es denn dem Volksbund schwer, Mitglieder zu finden, die garantieren, daß die finanzielle Kraft des Volksbundes zur Erfüllung der Aufgaben ausreicht. Und diese sind gerade seit 1990 und seit der Öffnung des Gebietes des ehemaligen Warschauer Paktes gewaltig gewachsen. Hier müssen nun die in der kommunistischen Zeit mißachteten gefallenen deutschen Soldaten, deren Friedhöfe in der SU planmäßig zerstört wurden, würdig bestattet werden. Und selbst in Mitteldeutschland haben die damaligen Machthaber nicht einmal dafür gesorgt, daß alle deutschen Gefallenen geborgen und beerdigt wurden. „Faschisten“ gönnte man keine Ruhestätten. Dafür hatte man die Toten der „ruhmreichen Sowjetunion“ zu feiern.

Daß inzwischen auch im Westen deutsche Gefallene nicht mehr in hohem Ansehen stehen, dazu hat allerdings auch der Volksbund beigetragen. Während die viermal jährlich erscheinende „Stimme und Weg“ sich verhältnismäßig zurückhält und es nur nicht lassen kann, in fast jeder Ausgabe zu bestätigen, daß die deutschen Soldaten „sinnlos“ gestorben seien - was legitimiert eigentlich den Volksbund dazu festzulegen, welcher Tod sinnlos und welcher sinnvoll ist? -, reitet der Volksbund in den von ihm herausgegebenen „Handreichungen für den Unterricht“ ganz und gar auf der Welle des Zeitgeistes. Es liegt eine lange Reihe solcher Handreichungen für Schule und Jugendarbeit vor, die nur so strotzen von antideutscher Propaganda. Damit gedenkt man offenbar den linken Lehrern in den Schulen hinterher laufen zu können, um sie so für die Arbeit des Volksbundes zu gewinnen, ebenso wie ihre Schüler. Aber sicherlich ist der peinliche Zungenschlag des Bundes auch damit zu erklären, daß man sich die jetzige Regierung geneigt machen will, um höhere Zuschüsse für die Arbeit zu erhalten. Sie sind bisher bescheiden genug. Insofern ist die Anbiederung bereits jetzt schon gescheitert: Der Bund hat seinen jämmerlichen Zuschuß drastisch gekürzt von 8,2 Millionen DM auf 6,7 Millionen im Jahr 2000, womit er nicht einmal mehr zehn Prozent der notwendigen Gelder beisteuert. In fast allen Staaten tragen die Regierungen allein die Kosten für die Betreuung der Kriegsgräber!

Wie peinlich sich das Verhältnis zu unseren Kriegsopfern entwikkelt, kann man ablesen an Reden, die zum letztjährigen Volkstrauertag auf Veranstaltungen des Volksbundes gehalten wurden. In Kiel stellte der Vorsitzende der Unternehmensverbände Nord, Driftmann, die Warnung vor Rechtsextremen in den Mittelpunkt seiner Ansprache. In Wolfsburg prangerte ein führender Wirtschaftsboß, VW-Vorstandsmitglied Kocks, den „Wahn von der deutschen Herrenrasse“ an und gedachte ganz besonders der sowjetischen Partisanen, jener Gruppierung, die wie keine andere Kriegsverbrechen unvorstellbaren Ausmaßes begangen hat. Der Berichterstatter war Zeuge einer Rede, in der speziell der an Aids Gestorbenen gedacht wurde - am Volkstrauertag! Auf der zentralen Gedenkveranstaltung im Reichstag 1999 gedachte der Bundestagspräsident Thierse der Homosexuellen, der Juden, der Sinti und Roma, der Geisteskranken, erwähnte aber mit keinem Wort die gefallenen Deutschen.

Wer die „Handreichungen“ des Volksbundes für die Arbeit an Schulen durchsieht, kommt sich vor, als lese er DDR-Schulbücher. Hanebüchen eine „Pädagogische Handreichung“ für die Sekundarstufe I und II zum Thema „Flucht und Vertreibung - Ursachen und Folgen“. Um den Schülern die Ursachen der Vertreibung vorzuführen, wird erzählt, daß die Deutschen vertrieben wurden wegen der nationalsozialistischen Verbrechen und wegen der deutschen Besatzungspolitik. Kein Wort davon, daß die Vertreibung und die Annexion deutscher Gebiete bereits vor Kriegsausbruch erklärtes Ziel polnischer und tschechischer Regierungen waren. In den Verhandlungen der Sieger etwa auf der Konferenz von Teheran spielten etwaige deutsche Verbrechen für die Vertreibung keine Rolle. Seitenlang druckt der Volksbund „Belege“ für die deutsche Schuld ab, ohne auch nur Dokumente zu veröffentlichen, die das Gegenteil belegen und die es auch in Hülle und Fülle gibt. Da wird der Kommissarbefehl als Ursache für die Vertreibung dokumentiert, obwohl er nur kurze Zeit galt und von deutschen Einheiten zumeist nicht befolgt wurde. Kein Wort findet man von den unvorstellbaren Greueln der Roten Armee beim Einmarsch in Deutschland. Dafür wird Weizsäckers Rede zustimmend abgedruckt, in der er die Vertreibung verniedlicht als „erzwungene Wanderschaft“. Und dann wird die Vertreibung Ostdeutscher gleichgesetzt mit dem Zustrom Asylbegehrender nach der Bundesrepublik. In der Handreichung „Krieg, Heimatverlust, Neubeginn“, in der in einer historischen Zeittafel aufgeführt wird, wie nach erzwun- genen Gebietsabtretungen nach dem Ersten Weltkrieg Ungarn, Rumänen, Bulgaren, Türken, Griechen aus ihrer Heimat vertrieben wurden, ohne daß an die über 700.000 Deutschen erinnert wird, die aus den 1919 Polen zugeschlagenen Gebieten des Reiches vertrieben wurden. Es werden auch die 575.000 Juden verschwiegen, die zwischen 1919 und 1938 aus Polen hinausgedrängt wurden. Immer geht es nur darum, deutsche Schuld zu häufen, um sie aufzurechnen gegen die nach 1945 an Deutschen verübten Verbrechen. Doch der Volksbund hechelt dem Zeitgeist hinterher: Die Entwicklung belegt, daß er damit weder neue Mitglieder noch höhere Zuschüsse der Regierung gewinnt. Höchstens verliert er dadurch noch seine alten treuen Mitglieder, wenn die Leitungsgremien des Volksbundes nicht endlich das Ruder herumreißen.