26.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
13.10.01 Zum 75. Geburtstag des Schauspielers Klaus Kinski aus Zoppot

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 13. Oktober 2001


Scheusal oder Genie?
Zum 75. Geburtstag des Schauspielers Klaus Kinski aus Zoppot

Am 18. Oktober hätte Nikolaus Günther Karl Nakszynski, weltberühmt geworden unter dem Namen Klaus Kinski, seinen 75. Geburtstag begehen können. An Kinski haben sich seit jeher die Geister geschieden. Im Widerstreit der Meinungen wurde er als Genie oder Verrückter klassifiziert.

Geboren wurde Kinski in Zoppot. Seine Jugend war von Not und Elend überschattet. Er nannte seine Jugend chaotisch. Mit drei Jahren kam er nach Berlin, wo er auch zur Schule ging. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und seiner Rückkehr aus englischer Gefangenschaft begann in Berlin seine Bühnenlaufbahn (Schloßpark-Theater). Mit einer kleinen Rolle in „Morituri“ (1948) eröffnete der Schauspieler seine Filmkarriere. Bevor er auf den Typ des schizophrenen Mörders insbesondere in Edgar-Wallace-Verfilmungen festgelegt wurde, lieferte er so bedeutende Darstellungen wie die des geisteskranken Prinzen Otto in Helmut Käutners „Ludwig II.“ (mit O.W. Fischer) und des jungen Leutnants in „Kinder, Mütter und ein General“ ab. O.W. Fischer holte ihn auch für seinen Film „Hanussen“ und meinte: „Du bist zwar meschugge, aber der einzige Prinz von Gottes Gnaden.“

Seine Rolle in „Ludwig II.“ gehört sicherlich zu seinen bedeutendsten schauspielerischen Leistungen. Mitte der 60er Jahre übersiedelte Klaus Kinski nach Italien. Sergio Leone holte ihn für seinen Western „Für ein paar Dollar mehr“ und Sergio Corbucci für „Leichen pflastern seinen Weg“.

Unterschiedliche Rollenaufgaben absolvierte er in den Streifen „8 1/2“, „Dr. Schiwago“, „Mit Django kam der Tod“, „Aquirre, der Zorn Gottes“, „Der Bastard“ (mit Rita Hayworth), „Nosferatu - Phantom der Nacht“, „Woyzeck“, „Fitzcarraldo“, „Der Söldner“ und „Geheimcode Wildgänse“. An der Seite von Romy Schneider drehte er in Andrzej Zulawskis Melodram „Nachtblende“ (1974). Ein Jahr später erschienen seine Memoiren „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“. In TV-Talkshows erwies er sich stets als unberechenbarer Exzentriker - bis hin zu Beleidigungen und Handgreiflichkeiten. Immer wieder verließ er zornig Veranstaltungen aller Art, wenn ihm Leute oder Fragen nicht paßten. Ein falsches Wort genügte, und er schmiß die Klamotten hin.

Anfang der 80er Jahre zog der Mime nach Kalifornien. Er wollte in der Nähe seines Sohnes Nanhoi sein, den er abgöttisch liebte. Der Junge stammte aus seiner dritten Ehe mit der Vietnamesin Genevieve Minhoi, die ihn 1981 verließ und nach Kalifornien zog. Der wilde Klaus Kinski, ehemals Deutschlands Film-Bösewicht Nr. 1, starb einen stillen Tod am 22. November 1991 in seinem Haus im kalifornischen Lagunita.

Aus Anlaß der beiden Jubiläen (75. Geburtstag, 10. Todestag) zeigt das Reiss-Museum in Mannheim noch bis zum 6. Januar 2002 eine Ausstellung über das Leben des exzentrischen Künstlers. Weitere Stationen sind: Theatermuseum Düsseldorf (Februar bis April 2002), Kunsthalle Kiel (Juni bis September 2002), Österreichisches Theatermuseum Wien (ab Oktober 2002). Zur Ausstellung erschien ein Band mit Fotografien, die das Leben und schauspielerische Wirken Kinskis dokumentieren (Hrsg. Peter Reichelt und Ina Brockmann, dtv, 288 Seiten mit etwa 350 Abb. in Farbe und sw, 49 DM). In Ich bin so wie ich bin finden sich auch ein ausführliches Verzeichnis seines künstlerischen Gesamtschaffens sowie Textbeiträge von Menschen, die seinen Weg begleiteten, wie etwa Helmut Qualtinger. - Ein Muß für Filmfreunde. kai/os