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20.10.01 Werner Richard Heymann und seine Melodien erleben eine Renaissance

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 20. Oktober 2001


Das gab’s nur einmal
Werner Richard Heymann und seine Melodien erleben eine Renaissance

Als ich drei Jahre alt wurde, bekam ich zum Geburtstag eine Pauke geschenkt“, erinnerte sich Werner Richard Heymann. „Meine Mutter spielte auf dem Klavier rhythmische Stücke, Militärmärsche oder Tanzmusik, und ich schlug den Takt. Ich war dabei so exakt, daß man das als Beweis meiner Musikalität ansah. Außerdem zog mich das Klavier mehr und mehr an. Ich spielte mit einem Finger alle Melodien nach, die ich gehört hatte.“ Und weiter: „Als ich sechs Jahre alt war, änderten sich in meinem Leben zwei Dinge, die von außerordentlicher Bedeutung werden sollten: Ich bekam eine Mademoiselle und erhielt die ersten Musikstunden.“ Diese allerdings auf der Geige, was den jungen Musikus schließlich nicht daran hinderte, das Klavier zu seinem eigentlichen Instrument zu machen. „Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich weder fleißig sein noch mit irgend etwas Mühe haben. Mir ist so, als ob ich immer nur gelesen hätte oder am Klavier saß, phantasierte und sehr bald auch komponierte.“

Zunächst war es sogenannte E-Musik, also ernste Musik, die Werner Richard Heymann, der Königsberger aus musikalischem Elternhaus, komponierte. Bruder Walther, der sich als Dichter einen Namen machte, war begeistert von der Vertonung eines Gedichtes von Richard Dehmel: „Mir geht das Lied vom ersten Mai durch und durch.“ Bekannt aber wurde Heymann durch seine Melodien, die er für das Kabarett, das Theater und schließlich für den Film schrieb. Wer kennt sie nicht, die Evergreens, die, obwohl schon vor Jahrzehnten geschrieben, immer noch ein breites Publikum finden? - „Ein Freund, ein guter Freund“, „Das muß ein Stück vom Himmel sein“, „Irgendwo auf der Welt“, „Das gibt’s nur einmal“, „Das ist die Liebe der Matrosen“ (als „Voilà, les gars de la marine“ so etwas wie der offizielle Marsch der französischen Marine), „Du bist das süßeste Mädel der Welt“, „Hoppla, jetzt komm ich“ (nach einem Text des Königsbergers Max Colpet für Hans Albers geschrieben). Endlos ließe sich die Reihe der Hits fortführen, die Werner Richard Heymann (meist mit dem Textdichter Robert Gilbert) schuf. Interpreten wie Lilian Harvey machten sie unsterblich. „Das gibt’s nur einmal“ wurde von ihr in dem Film „Der Kongreß tanzt“ 1931 gesungen. Die Harvey: „Mir war schon beim ersten Lesen (der Szene) klar geworden, daß dieser Märchentraum nur zu gestalten ist in unendlich tänzerischer Bewegt-heit. Und wie kam mir diese Auffassung entgegen! Ich war hingerissen im wahrsten Sinne des Wortes. Ich tanzte nicht, es tanzte in mir. Ich sang nicht, es sang in mir ...“

Es wird nicht zuletzt an diesen unsterblichen Melodien liegen, daß derzeit eine wahre Heymann-Renaissance zu beobachten ist. Im 30. Todesjahr des Komponisten sind besondere CDs gefragt wie etwa die einfühlsame Interpretation Heymannscher Lieder von Scarlett O’ & the little big band’ Das muß ein Stück vom Himmel sein (duophon Best. Nr. 01893) oder die kleine Werner Richard Heymann-Revue Das gab’s nur einmal, die Cathleen Gawlich, Matthias Günther, Cusch Jung und Katherina Lange aus Anlaß der Übergabe des Heymann-Nachlasses an die Berliner Akademie der Künste aufführten (duophon Best. Nr. 01923). Eine weitere CD ist dem Buch beigelegt, das unter dem Titel Liebling, mein Herz läßt dich grüßen die Erinnerungen des Komponisten erstmals veröffentlicht (Henschel Verlag, Berlin. 320 Seiten, 70 Abb., 48 DM). Hubert Ortkemper hat die Memoiren des Königsbergers durch Kommentare ergänzt und mit Hilfe von Briefen und Selbstzeugnissen die Erinnerungen weitergeführt. Entstanden ist ein überaus spannendes Buch und eine CD, die süchtig macht. Eine sinnvolle Ergänzung zu der Ausstellung, die noch bis zum 24. Februar im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg zu sehen ist, aber auch ein Lesespaß für alle, die Werner Richard Heymann und seiner Musik verfallen sind. Silke Osman