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10.11.01 / Konflikt der Religionen: Djihad heißt Krieg!

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 10. November 2001


Konflikt der Religionen:
Djihad heißt Krieg!
Von deutschen Bischöfen und »christlichem« Selbstbetrug
von Hans-Peter Raddatz

Es ist schon eine Weile her, seit die katholische Kirche im 2. Vatikanischen Konzil 1965 den „einen Gott mit dem Islam“ und ihre „Öffnung zur Welt“ beschloß. Seither hat sich sowohl ein lebhafter „Dialog mit dem Islam“ als auch ein deutliches Bemühen um die Angleichung der Kirche an die Formen des aktuellen Lebens entwickelt. Die Kirchentage - und dies nicht nur im katholischen Bereich - spiegeln den inzwischen erreichten, enormen Grad der Anpassung des kirchlichen an das „weltliche“ Leben wider.

Die Öffnungen vollzogen sich allerdings in unterschiedlichem Tempo. Es war ein offensichtlicher Unterschied festzustellen, ob man z. B. mit Fragen des Umgangs mit dem Islam, der Homosexualität oder der Abtreibung zu tun hatte.

Während man mit der Annäherung an konträre Positionen der islamischen Theologie keine größeren Probleme hatte und sich rasch damit abfand, daß man Jesus zum Propheten und die christliche Wahrheit zu einer sekundären Größe zu reduzieren hatte, tat man sich im Bereich von Sexualität und Familie wesentlich schwerer.

Nichtsdestoweniger haben die Öffnungen zur Welt, zum Islam und zu den anderen Religionen eine rasante Profanisierung des kirchlichen Lebens bewirkt. Hierzu trug nicht nur der Abbau von Positionen und Merkmalen eigener Identität wie die Aufgabe des früheren Alleingeltungsanspruchs gegenüber den anderen Religionen bei; auch und besonders die graduelle Anpassung an zahlreiche gesellschaftliche Vorstellungen und Forderungen - der sogenannten „Kirche von unten“ - hinsichtlich Ehe, Familie, Sexualverständnis etc. hinterließ auf Dauer ihre Spuren. Die Angleichung des früheren Seelsorgers an die dynamischen Formen modernen Lebens machte ihn schließlich zu einem von anderen Sozialbereichen kaum noch unterscheidbaren Funktionsträger, zum „Pastoralreferenten“, dessen verzichtbare Präsenz eine steil ansteigende Zahl von Kirchenaustritten bewirkte.

Das nachlassende Engagement der Kleriker und die schwindende Bindung des christlichen Glaubens überließen den Menschen nicht nur den Anziehungskräften profaner „Ersatzreligionen“ wie dem boomenden Geschäft mit Esoterik, Sport und Schönheitskulten, sondern ließ auch eine bemerkenswerte Renaissance der Bereitschaft erkennen, sich dem Glauben an Dämonen, Spuk und allerlei Geistern zuzuwenden. Nicht nur die anschwellenden Vorräte an Engels- und Hexenliteratur in den Buchhandlungen, sondern auch der erstaunliche Vormarsch des Halloween-Brauchs sprechen hier eine deutliche Sprache. Allmählich beginnen sich indes in der Kirche Klagen zu verstärken, die in diesen Entwicklungen einen Rück-gang nicht nur christlicher Spiritualität, sondern auch christlicher Ethik ganz allgemein zu erkennnen glauben, dem insgesamt ein bedenklicher Werteverfall zuzuschreiben sei.

Derlei Kritik beschränkte sich allerdings nicht nur auf die profanen Veränderungen durch die „Öffnung zur Welt“, sondern bezog sich gleichermaßen auf jene Spuren, die ein über lange Zeit mit dem Islam betriebener Dialog hervorgerufen hatte. Hier war inzwischen eine deutliche Annäherung an diese einst konträre Religion erfolgt.

Unter dem Eindruck der wachsenden muslimischen Gemeinschaften in Deutschland hatte man sich - erneut unter der unmißverständlichen Führerschaft des Papstes - theologisch und kultisch inzwischen so weit angepaßt, daß kritische Beobachter die in der Praxis entstehenden Mischformen mit dem Begriff des „Chrislam“ belegten. Diese Wortwahl schien nicht unangemessen, wenn man so prominente Vertreter der Kirche wie z. B. den Bischof von Mailand berücksichtigte, der es sich seit einiger Zeit zur Gewohnheit gemacht hatte, jeden Freitag im muslimischen Ritus zu beten.

Die eigentliche Dimension der kirchlichen Anpassung an islamische Erfordernisse wurde allerdings erst im Gefolge der September-Katastrophe von New York sichtbar.

Denn kaum hatte man den ersten Schock überwunden, setzte ein eigentümlicher Schulterschluß mit allen Kräften der Politik und der Gesellschaft ein. Nachdem weite Kreise in Kirchen und Politik bereits zuvor mit der Gemeinschaft der Milli Görüsh eine islamistische Vertretung gefördert hatten, die sogar unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stand, schlossen sie sich nach dem 11. September erneut zu einem konzertierten Kartell zusammen - diesmal mit dem Zentralrat der Muslime, wiederum einer islamistischen Gruppierung als Ziel nochmals verstärkter Hofierung. Zur Untermauerung schien diese Aktion allerdings einer ideologischen Überarbeitung der Position zum Islam zu bedürfen.

Die CIBEDO, zuständige Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für den christlich-islamischen Dialog, veröffentlichte ein Positionspapier zu den islamischen Aspekten der Gewalt, der Friedensfähigkeit und des „Heiligen Kriegs“ (Djihad) und ließ es an alle Mitgliedern des Bundestages verteilen. Wie so oft im Bereich der Kulturlobby sollte eine Islamsicht vermittelt werden, die eher ideologischen Interessen als logischen Kriterien entsprach.

Gerade weil sich das in Rede stehende Papier auf die Ereignisse des 11. September und eine besondere Verantwortung für die Muslime - nicht für eine sachliche Information der Öffentlichkeit - bezog, hatten informierte Beobachter nun eine faktenorientierte Analyse erwartet. Ihrer grundsätzlichen und oft diskutierten Wichtigkeit entsprechend sind die wesentlichen Aspekte daher besonders zu kommentieren. Sie bilden immerhin die Meinung der Bischöfe, die ihrerseits die Meinung der Mitglieder des Parlaments zu beeinflussen suchen - in einer Demokratie mit Trennung zwischen Kirche und Staat kein trivialer Vorgang.

Hinsichtlich einer zutreffenden Einschätzung des Koran stellt das Papier die Forderung, nicht „nur einzelne Verse des Korans zu analysieren und der eigenen Meinung widersprechende Verse zu ignorieren“. Dieser Auffassung ist natürlich grundsätzlich zu folgen, stößt allerdings hinsichtlich der Methodik des Dialogs auf Probleme, da letzterer seit Jahren das hier kritisierte Vorgehen systematisch selbst praktiziert. Alle zentralen Islamthemen des Dialogs - Toleranz, Gewalt, Spiritualität, Menschenbild etc. - werden eklektizistisch, d. h. nicht historisch, sondern durch willkürlich gewählte Einzelpunkte „begründet“. Da letztere ständigem Zwang zur Wiederholung unterliegen, kennzeichnet die Produkte des Kulturdialogs eine auffällige Monotonie in der Sache und Uneinheitlichkeit in der Methode. Aber auch und gerade, wenn wir der Forderung nach einer ganzheitlichen Sicht des Koran folgen, stoßen wir auf zwei weitere, wesentlich ernstere Probleme: den energischen Widerstand der Muslime und den Widerspruch der Logik.

Zunächst ist zu berück-sichtigen, daß sich die Suren des Koran bekanntlich nicht in ihrer chronologischen Folge, sondern ihrer Länge nach anordnen. Eine historische, geschweige denn logische Tiefe konnte hier nicht entstehen. Da der Prophet des Islam zudem häufig Korrekturen von Inhalten vornahm, die sich in der Praxis nicht bewährt hatten, erzeugte die willkürliche Gliederung eine Fülle zeitlich gegenläufiger, sich widersprechender Aussagen, die in einen sinnvollen Kontext gestellt werden mußten. Dieser Aufgabe widmete sich die Koranexegese in Verknüpfung mit dem Rechtsgutachten (fatwa), die im Verlauf der islamischen Theologie einen verbindlichen Kanon bestätigter bzw. aufgehobener Koranverse erzeugt hat. Im Zentrum dieses Kanons steht die Unterscheidung mekkanischer und medinensischer Suren und ihre sehr unterschiedliche Beurteilung von Gewalt.

Ohne dieses ganz wesentliche Element des islamischen Selbstverständnisses ist weder eine ganzheitliche Koransicht noch eine kompetente Beurteilung der Gewalt und des umstrittenen Begriffs vom „Heiligen Krieg“ (Djihad) möglich. Abgesehen davon, daß der Dialog - im Gegensatz zur großen Majorität der Muslime - in jahrelang geübter Monotonie den Djihad als „Anstrengung im Glauben“ und nicht als Kampf gegen Ungläubige sehen möchte, negiert er vor allem die übergeordnete Rolle der hidjra als entscheidenden Wendepunkt islamischer Identität. Hier trat die mekkanische Urgemeinde aus dem Schatten der Schwäche in das Licht der medinensischen Kampfgemeinschaft, welche als „Modell von Medina“ die Basis für die weltweite Eroberung bildete. Indem das DBK-Papier indessen eine Gewaltabstinenz des Koran in der mekkanischen Zeit hervorhebt, verstößt es nicht nur gegen den selbstgesetzten Standard einer koranischen Gesamtwürdigung, sondern auch fundamental gegen eine zentrale Forderung des Islam, nämlich die Berechtigung zur Gewaltanwendung aus der Position der Stärke, wenn es um die Ausbreitung des Islam und die Wahrnehmung seiner Interessen geht.

Sämtliche maßgeblichen Koranexegeten der Gegenwart bestätigen die unveränderte Geltung der zentralen Koranautorität Djelal ad-Din As-Suyuti (gest. 1505), derzufolge alle Koranaussagen, die günstig für die Ungläubigen ausgelegt werden können, als wirkungslos zu betrachten sind. Deren Bekämpfung wird daher zu einer umso dringlicheren Verpflichtung, je stärker und ungefährdeter die muslimische Position eingeschätzt werden kann. Gewalteinsatz im Interesse des Islam wird demnach umso wahrscheinlicher, je schwächer die Gegenseite, je realistischer also auch die Erfolgsaussicht ist - nichts anderes als die Ideologie des modernen Islamismus. Diese grundlegenden Zusammenhänge finden keinen Platz in der Darstellung der Bischofskonferenz. So erscheint denn auch Gewalt nicht im dynamischen Kontext der islamischen Identität, sondern als schemenhaftes Potential, das keine oder kaum Aussicht auf Realisierung hat. Aufrufe zur Gewalt im Koran - als sakrosankter Glaubensbasis des Islam - sind nach dieser Auffassung abzuschwächen, „nicht als generelle Aufforderung begriffen“ und „verdienen dahingehende Relativierung“.

Vor dem Hintergrund einer somit erzwungenen, diffusen Friedensorientierung entwirft das Papier das Bild vom „großen Djihad“, ein unkriegerisches, ethisches „Streben auf dem Wege Gottes“. Diese Variante entspricht zwar der sufischen Sicht vom Djihad als Kampf um die Läuterung der Seele, grenzt jedoch die 95 Prozent Sunniten und Schiiten aus, deren Djihad-Verständnis auf dem Wortlaut des Koran, der Prophetentradition (hadith) und damit auf dem „kleinen Djihad“, der pragmatischen Regel realistischer Stärke, beruht. Diese Regel zielt aktiv auf die Optimierung islamischer Konditionen im jeweiligen Umfeld ab und bildet keineswegs - wie vorliegend suggeriert - ein defensives Konzept, das nur „im Falle der Verteidigung gerechtfertigt“ ist. In der Konsequenz erkennt diese realitätsferne Islamsicht in muslimischen Gewalttätern nur solche, die ihre Taten begehen, „nicht weil, sondern obwohl sie Muslime sind“ (www.kath.net 29.10.), und mißachtet höchste Islamgremien (Imam Medina, Azhar Kairo), die Dialog als Glaubensabfall einstufen und Islamismus als Teil des Islam betrachten.

Die Interessen des Islamismus nimmt das DBK-Papier vehement wahr, indem es die vitale Lebensmitte des Islam und sein real existierendes Aggressionspotential insgesamt ausblendet. Umso bemerkenswerter ist die Verteilung dieser Desinformation unter den deutschen Parlamentariern. Indem DBK und Dialog wichtigste Kriterien des Islam durch Ausblendung seiner demokratiewidrigen Elemente - absichtlich oder durch Inkompetenz - verschleiern, fördern sie nicht die islamische Mehrheit, sondern die islamistische Minderheit, welche die Religionsfreiheit ablehnt und z. B. laizistischen Türken das religiöse Wahlrecht verweigert. Die Folgen dieser Verantwortungsferne beginnen sich abzuzeichnen. Sowohl Milli Görüsh als auch der Zentralrat haben im Oktober 2001 signalisiert, daß sie sehr wohl den wachsenden islamischen Aktionsraum erkennen. Sie spekulieren auf schwindende Handlungsoptionen deutscher Politik, wenn sie vor „unkontrollierten Reaktionen“ ihrer Klientel warnen, die durch Einschränkungen des staatlichen Wohlverhaltens, z.B. durch Beseitigung des Vereinsprivilegs, ausgelöst werden könnten („Focus“ 8.10., „FAZ“ 30.10.). Solange sich also Faktenabwehr und sachliche Inkompetenz als Gestaltungsmittel des „Dialogs“ fortsetzen, werden zunehmend die muslimische Integration und - nicht zuletzt - das staatlichen Gewaltmonopols in Frage gestellt.

Indem sich die deutschen Bischöfe für islamistische Interessen einsetzen, hat ihre Islampolitik neben ihrer inländischen Bedeutung durchaus auch eine wichtige, internationale Relevanz. Sie befindet sich in Harmonie mit den geopolitischen Interessen der USA, die über den angestrebten Stützpunkt in Afghanistan hinaus auf die enormen Ressourcen des transkaukasischen Raums abzielen. Dieses Ziel kann zuverlässig nur abgesichert werden, wenn sowohl im islamischen Basisland als auch in der westlichen Diaspora den Islamisten hinreichende Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt werden. Insofern kann eine solche Politik nicht zuletzt auch den global orientierten Wirtschaftsaktivitäten des Vatikan zugute kommen - ein Effekt, in dem Öffnung zur Welt und Dialog mit dem Islam nicht nur ihre ethische, sondern auch ökonomische Effizienz zum Ausdruck bringen. n

 

„Alle Koranaussagen, die für die Ungläubigen günstig ausgelegt werden könnten, sind als wirkungslos zu betrachten“ (der Islamische Korangelehrte Djelal ad-Din As-Suyuti, gestorben 1505): Muslimische Pilger in Mekka Foto: dpa