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10.11.01 Wird der Mensch zur Biomasse?

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 10. November 2001


Gedanken zur Zeit:
Wird der Mensch zur Biomasse?
Bio-Ethik-Symposium des Walter-Künneth-Instituts
von Gerhard Synowzik

Die rasante Entwicklung der Humanwissenschaften, insbesondere von Genetik und Fortpflanzungsmedizin mit ihren schwerwiegenden biologischen und ethischen Folgen, zwingt auch Christen, sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen. Das Walter-Künneth-Institut beriet auf einem Bioethik-Symposium in Leutesdorf darüber, ob Präimplantationsdiagnostik, embryonale Stammzelltherapie oder therapeutisches Klonen helfen werden, Krankheiten zu besiegen, oder ob hier ein unerlaubter Eingriff in die Schöpfungsordnung Gottes vorliegt.

Dr. Frank-Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Marburger Bundes und Präsident der Hamburger Ärztekammer, forderte ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID). Sie führe zur Selektion von Menschen und zur „Salami-Ethik“, wie Montgomery sich ausdrückte. Wir gerieten in ein ethisches Dilemma, wenn ein Sündenfall den anderen rechtfertigen würde. So habe schon die Subsumierung der eugenischen Indikation unter die medizinische Indikation Spätabtreibungen bis kurz vor der Geburt ermöglicht - ein Zustand, der nicht hingenommen werden könne. Der Biologe Dr. Thilo Brinkmann vom Verband forschender Arzneimittelhersteller wies auf den hohen Embryonenverbrauch bei der Re- produktionsmedizin hin. Die Wissenschaftler zeigten warnend, wie versucht werde, das Embryonenschutzgesetz zu unterlaufen, um embryonale Stammzellforschung zu erzwingen. In diesen Zusammenhang paßte das Zitat vom Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker, daß mit der Einführung der künstlichen Befruchtung der Rubikon überschritten worden sei.

In dem weiten Themenspektrum war auch die Politik gefragt. Dazu referierte der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe als stellvertretender Vorsitzender der Enquetekommission des Deutschen Bundestages „Recht und Ethik der neuen Medizin“. Aus theologischer Sicht nahmen Karl-Hermann Kandler, Freiberg i. Sachsen, und Pastor Hans-Lutz Poetsch, Sottrum, zur Problematik Stellung. Der Vorsitzende des Walter-Künneth-Institutes, der Jurist Adolf Künneth, behandelte Rechtsfragen. Während sämtliche Referenten die embryonale Stammzellforschung ablehnten, wurde versucht, einen Ausweg zu weisen durch Förderung der adulten Stammzellforschung. Diese sei ethisch und medizinisch vertretbar.

Das Walter-Künneth-Institut ist eine Gründung der Evangelischen Notgemeinschaft in Deutschland und benannt nach dem Theologen Prof. Dr. Dr. Walter Künneth DD. Es soll die Arbeit der Apologetischen Centrale in Berlin-Spandau aufleben lassen, die Walter Künneth während der Nazizeit geleitet hat und deren Aufgabe es war, ideologische Zeitströmungen aus christlicher Sicht zu analysieren. Dies führte zwangsläufig zum Zusammenstoß mit dem Naziregime, als Künneth auf das Buch des Chefideologen des Nationalsozialismus, Alfred Rosenberg, „Mythos des 20. Jahrhunderts“, mit „Antwort auf den Mythos“ konterte. Das brachte ihm Gestapoverhör und reichsweites Rede- und Schreibverbot ein.

Walter Künneth war, als Mitbegründer der „Jungreformatorischen Bewegung“, einer Vorläuferorganisation der Bekennenden Kirche, nicht nur ein Mann der ersten Stunde im Kirchenkampf im Dritten Reich. Er trat nach dem Krieg auch in den zweiten Bekenntniskampf ein, als die Evangelische Kirche durch die Entmythologisierungstheologie Rudolf Bultmanns in ihren Grundfesten erschüttert wurde, besonders als theologischer Mentor der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ und als erster Präsident und späterer Ehrenpräsident des Theologischen Konventes der Bekennenden Gemeinschaften in den Evangelischen Kirchen Deutschlands.

Haarscharf erkannte Künneth, daß die sogenannte moderne Theologie nichts mit moderner Wissenschaftlichkeit zu tun hatte, sondern ihre Wurzeln eher in der Existentialphilosophie fußten. Er sprach daher von „verstaubten Stücken aus den alten philosophischen Kammern“, die als „moderne Theologie feilgeboten“ würden. Für Künneth war diese „Theologie“ Bultmanns ein Weg in den Unglauben und den Atheismus. Leider folgte ihm in der EKD nur eine Minderheit.