19.08.2022

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24.11.01 Die Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen (VII)

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 24. November 2001


Serie:
Die Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen (VII)
Konrad Zöllner von Rotenstein

von Friedrich Borchert

Konrad Zöllner von Rotenstein (1382-1390) wurde bereits drei Monate nach dem Tod seines Vorgängers vom Generalkapitel zum Hochmeister gewählt und trat sein Amt am 5. Oktober 1382 an. Er hatte eine normale Laufbahn hinter sich, die ihn über das Pflegeramt zur Preußisch Mark und die Komturei Danzig schließlich für zehn Jahre auf das Amt des Komturs von Christburg führte. Hier fielen ihm als Obersten Trapier erstmals überregionale Aufgaben zu, und zwar für das Beschaffungswesen des gesamten Ordens.

Der einer altadeligen Familie aus dem Würzburgischen entstammende neue Hochmeister war ein Mann des Friedenswerks und besonders des Finanzwesens. Er überließ kriegerische Operationen in der Regel seinem Obersten Marschall oder dem Großkomtur. Das war während seiner Amtszeit sein späterer Nachfolger Konrad von Wallenrode.

Bereits als Komtur von Christburg widmete er sich besonders der Kultivierung und Kolonisation des Gebiets sowie der Ansiedlung von deutschen Bauern und Handwerkern. Angesichts des steigenden Geldbedarfs während der Aufbauzeit und bei steigendem Handel hatten die Geldgeschäfte zugenommen und zu überhandnehmendem Zinswucher geführt. Seinem Vorgänger war es gelungen, den Zins von durchschnittlich 12,5 Prozent auf 10 Prozent herabzudrücken. Nun setzte Hochmeister Konrad auf einer Ständeversammlung zu Marienburg im Jahre 1386 den Höchstzins auf 8 1/3 Prozent fest, das heißt, daß für zwölf Mark Kapital der Zins maximal eine Mark betragen durfte. Bei Überschreitung verfiel das Kapital dem Einzug.

Im übrigen bestand damals grundsätzlich ein päpstliches Verbot, Geld auf Zins auszuleihen. Das wurde mit stillschweigender Duldung umgangen, indem man Kapital für eine bestimmte Jahresrente verkaufte und später zurückkaufte; übrigens ein Verfahren, dessen sich die Kirche noch Jahrhunderte später bediente.

Der talentierte Finanzmann sorgte wie sein Vorgänger dafür, daß für den zunehmenden Handel ausreichend Silbermünzen zur Verfügung standen. Die jetzt geprägten Schillinge unterschieden sich nur durch die Umschrift von denen seines Vorgängers; die lautete auf der Vorderseite „+ MAGST xx CORADVS xx PRIM“, das heißt Meister Conrad I., wobei die Zählung der Hochmeister mit gleichen Vornamen nur die in Preußen residierenden berücksichtigte.

Um 1387 plante der Hochmeister die Gründung einer Universität in Kulm und holte hierfür die Zustimmung des Papstes ein. Obwohl der Papst die Genehmigung erteilte, blieb der Plan unausgeführt, was wohl auf die sich verschlechternde politische Lage zurückzuführen war. Kulm wäre nach Prag, Wien und Heidelberg die viertälteste deutsche Universität geworden.

Bei Regierungsantritt übernahm Hochmeister Konrad ein blühendes Land. Leider brach aber gleich eine schwere Pestepidemie aus, die vorwiegend die Gebiete von Nadrauen bis zum Ermland heimsuchte und viele Opfer forderte; ihr fielen auch die Komture von Balga und von Brandenburg sowie eine Reihe von Ordensrittern zum Opfer.

Im Jahre 1383 schlossen die litauischen Großfürsten Jagiello, Witold und ihre Brüder einen Friedensvertrag mit dem Deutschen Orden, worin sie sich verpflichteten, den christlichen Glauben anzunehmen. Zur Taufe zogen der Hochmeister mit seinen Gebietigern und die Bischöfe Heinrich von Ermland und Johan von Pomesanien zum Memelstrom, wo auf der Insel Christmemel der Taufakt stattfinden sollte. Aber Jagiello und die anderen Täuflinge erschienen nicht; sie hatten zuletzt den Mut verloren. Hochmeister Konrad erkannte den Verrat und die Bosheit, zog zornig heim und kündigte Vertrag und Frieden auf.

Lediglich Fürst Witold und die Samaiten hielten zum Vertrag und zum Orden. Ihnen wurde die Feste Mergenburg an der Memel bei Kowno übergeben, und sie verteidigten sie gegen die Litauer. Doch ihre Treue hielt nur kurze Zeit an, dann machten sie mit ihren litauischen Brüdern wieder gemeinsame Sache, nahmen einige Ordensritter gefangen und brannten die Feste nieder.

Im Jahre 1386 kam es durch die Heirat Großfürst Jagiellos von Litauen mit der polnischen Königin Hedwig (Jadwiga), die eine Tochter des Königs Ludwig von Ungarn und Polen aus dem Hause Anjou († 1382) war, zur Vereinigung von Polen und Litauen. Jagiello war zum Christentum übergetreten und hatte den Taufnahmen Wladislaw angenommen. Königin Hedwig war auf Verlangen der polnischen Führungsschicht diese Ehe eingegangen, nachdem sie das Verlöbnis mit Herzog Wilhelm von Österreich gelöst hatte. Bei anhaltendem Bestand der polnisch-litauischen Vereinigung war Preußen von drei Seiten bedroht, und es stand einer neuen Großmacht gegenüber, deren Landfläche fünfmal größer als die eigene war; sie war größer als Deutschland und Frankreich zusammen.

Der Deutsche Orden betrachtete Litauen trotz der vorgegebenen Christianisierung weiterhin als heidnisches Land, das er im Sinne seines Missionsauftrags bekämpfte, obwohl der Papst zum Frieden aufrief. Die Kurie hatte aus machtpolitischen Gründen Litauen als christlichen Staat anerkannt und die Einrichtung eines neuen Bistums in Wilna genehmigt.

Im Jahre 1390 schloß Großfürst Witold von Litauen mit dem Orden ein Bündnis gegen seinen Bruder Jagiello, nunmehr König Wladislaw II. von Polen. Witold unterlag jedoch den Polen und trat erneut auf die andere Seite. Daraufhin drang der Orden in Litauen ein und eroberte den eben erst gegründeten Bischofssitz Wilna, ohne allerdings die dortige Burg einnehmen zu können. Die anhaltend drohende Kriegsgefahr zwang den Deutschen Orden, nach Verbündeten zu suchen. Das gelang unter Einsatz finanzieller Mittel bei den Herzögen Swantibor von Stettin und Boguslaw von Pommern.

Dennoch verschlechterte sich die Lage des Landes auch im Innern, weil Überschwemmungen und starke Sommerregen zu einer Mißernte führten. Auch die Fangergebnisse der Heringsfischerei waren stark zurückgegangen. Durch die Politik des neuen Polenkönigs versiegte der Handel mit Polen. Die negative Wirtschaftsentwicklung führte zu großen finanziellen Belastungen.

Trotz mancher unberechtigter Kritik war es dem Hochmeister nicht möglich gewesen, die ungünstige außenpolitische Entwicklung abzuwenden. Er konnte weder die politische Heirat der polnischen Königin noch das Entstehen eines polnisch-litauischen Großreichs verhindern, das von der Ostsee bis an das Schwarze Meer reichte und das für den Ordensstaat Preußen ständig eine ernste Bedrohung war.

Nach nur achtjähriger verdienstvoller Regierung verstarb Hochmeister Konrad Zöllner von Rotenstein am 20. August 1390. Er wurde in der St. Annen-Gruft der Marienburg beigesetzt.