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01.12.01 Friedrich Wilhelm IV. und Karl Friedrich Schinkel

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 01. Dezember 2001


Ein Künstler auf dem Thron
Friedrich Wilhelm IV. und Karl Friedrich Schinkel

Mit einer festlichen Wiedereröffnung am 2. Dezember wird die Alte Nationalgalerie in Berlin nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten und Umbauten dem Publikum zugänglich gemacht. „Wieder ist das Museum der Ort einer Neubesinnung der Deutschen, was sie als Nation sind“, so Klaus-Peter Schuster, Generaldirektor der Berliner Staaatlichen Museen, im „Museums Journal“ (Berlin, Ok-tober 2001). „Und wieder ist es die Kunst, die Wiedereinrichtung einer inzwischen internationalen Museumssammlung zur Kunst des 19. Jahrhunderts, die den Deutschen zeigt, was ihnen als nationaler Besitz gehört und was sie als Kulturnation ausmacht.“

Entworfen wurde der „Tempel der Kunst“ 1876 von dem Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler. Nach dessen Tod führte Hofbaumeister Johann Heinrich Strack den Bau weiter, dessen Gestalt auf eine Idee König Friedrich Wilhelms IV. zurückgeht. Der Preußenkönig hatte für das Zentrum der von ihm ins Leben gerufenen Museumsinsel ein Vorlesungsgebäude mit Festsaal in Gestalt eines antiken Tempels geplant - nach einer Idee von Karl Friedrich Schinkel für einen Palast auf der Akropolis in Athen. Noch älter ist der Entwurf seines Lehrers Friedrichs Gilly, der einen Tempel mit Sockelbau für ein Denkmal Friedrichs des Großen plante. Grundstock des Museums war die Sammlung des Bankiers Joachim Wagener mit Gemälden von Schinkel und Caspar David Friedrich, die er 1859 dem preußischen Königshaus vermachte, unter der Auflage, eine „Nationale Galerie“ für zeitgenössische Kunst zu begründen. Durch den Umbau sind nun zwei Hauptsäle neu hinzugewonnen worden, die den Werken Schinkels und Friedrichs vorbehalten sind.

Schinkel, der führende Baumeister des 19. Jahrhunderts in Berlin, erlebt derzeit eine Renaissance. So hat sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit für eine vollständige Rekonstruktion der Bauakademie ausgesprochen, die 1836 vollendet, 1962 jedoch zugunsten des DDR- Außenministeriums gesprengt wurde. Ein Teilstück wurde jetzt von 100 Maurerlehrlingen auf den originalen Fundamenten rekonstruiert. Der in seiner Modernität einzigartige Bau Schinkels wird auch in dem im Henschel Verlag, Berlin, erschienenen Band mit Architekturzeichnungen Schinkels (Hrsg. Gottfried Riemann und Christa Heese. 104 Seiten, zahlr. Abb., geb. mit Schutzumschlag, 29,90 DM) gewürdigt, der das überaus reiche Schaffen des Baumeisters ins rechte Licht rückt. Erwähnt wird auch die enge Zusammenarbeit zwischen Schinkel und Kronprinz Friedrich Wilhelm, der, anders als sein Vater König Friedrich Wilhelm III., künstlerisch sehr interessiert war. Einige der Projekte entstanden auf Anregung des Kronprinzen, andere wieder wurden nach seinen Wünschen geändert.

Näheren Einblick in das Leben des Künstlers auf dem Preußen-Thron gibt ein Buch aus dem Gebr. Mann Verlag, Berlin, das in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand, aber erst 1963 gedruckt werden konnte und jetzt als Reprint vorliegt: Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, Ein Baukünstler der Romantik (Hrsg. Hans-Herbert Möller; Nachwort Goerd Peschken. 144 Seiten mit 85 Abb., geb. mit Schutzumschlag, 198 DM). Geschrieben wurde es von Ludwig Dehio, 1888 in Königsberg als Sohn des Historikers Georg Dehio geboren, einst Leiter des Hohenzollernschen Hausarchivs, der mit dieser Materie vertraut war wie kaum ein anderer. In heute blumig anmutender Sprache schildert er die Leidenschaft des Königs für Architektur und seine Freundschaft zu Schinkel. Der Baumeister selbst befand: „Er war mit den höchsten Naturgaben und der edelsten Gesinnung ausgestattet, stellte mir die geistreichsten Aufgaben fast in allen Abteilungen der Kunst, und was von mir hierin gefördert wurde, das beurteilte er mit der geistreichsten Kritik, modifizierte es noch und stellte es endgültig fest.“ Der König selbst gab sich bescheiden: „Hier haben Sie mein Geschmier“, soll er gesagt haben, „jetzt bringen Sie Vernunft hinein.“ - Entstanden waren die Skizzen und Visionen oft ganz nebenbei, auf Tischkarten oder Tagesordnungen. Seine Gemahlin Elisabeth von Bayern aber sammelte sie und verwahrte sie in der Schloßbibliothek. Heute befinden sie sich in der graphischen Sammlung der Berliner Museen. Sie zeigen eindrucksvoll, wie sehr der König durch seine Entwürfe die Atmosphäre Potsdams und weiter Teile Berlins geprägt hat; eine Atmosphäre, die auch heute noch die Menschen in ihren Bann zieht. Silke Osman