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08.12.01 Kosovo - ein Volk ohne Land

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. Dezember 2001


Kosovo - ein Volk ohne Land
Nutzt die EU die Chance, mit Gemäßigten zu reden?

Die gemäßigten Albaner in der serbischen Provinz Kosovo haben also gewonnen. Rugova heißt der alte und auch neue Präsident. Aber seine Partei bleibt mit knapp 47 Prozent noch unter der absoluten Mehrheit und ist daher auf Partner im Provinz-Parlament angewiesen. Die wird er wohl finden. Aber die radikalen Albaner mögen ihn nicht, die Serben haben kaum ein Interesse. Die Serben sind nämlich die heimlichen Gewinner. Schon vor der Wahl hat Belgrad mit der Unmik, der Übergangsverwaltung im Kosovo, hinter der Uno und EU stehen, ausgehandelt, daß die Provinz serbisch bleibt, daß Serbien einen Schuldenerlaß bekommt und daß für alle weiteren Schritte über die politische Zukunft im Kosovo mit Belgrad verhandelt werden müsse.

Man vergißt zu schnell, daß in Belgrad kein Regime vom Schlag Milosevic mehr an der Macht ist, sondern Leute, die sich um Demokratie wenigstens bemühen und dem Land den Weg nach Europa ebnen wollen. Allerdings nicht zum Preis der Aufgabe eines historischen Herzlandes der Serben.

Die Uno und die EU haben damit kein Problem, Selbstbestimmungsrecht der Mehrheit hin oder her. Mittlerweile hat sich in Nato- und EU-Kreisen auch herumgesprochen, daß nicht wenige Wege der organisierten Kriminalität über das Kosovo bis nach Westeuropa laufen, und die Amerikaner haben sich mit der Förderung und Bewaffnung der UCK keinen Gefallen getan. Eine Sache war die Unterdrückung der albanischen Bevölkerung im Kosovo durch die serbische Diktatur des Milosevic, eine andere die Unruhe, die die UCK über das kleine und gastfreundliche Mazedonien brachte. Die albanischen Rebellen haben sich als Unruhefaktor in der gesamten Region erwiesen, Mazedonien geriet in existentielle Gefahr. Deshalb ist es den Außenministern der EU auch nicht allzu schwer gefallen, die Forderung Rugovas nach Selbständigkeit sofort zurückzuweisen. Die Serben haben sozusagen eine Sperrminorität, ganz gleich, wieviel Prozent sie bei Wahlen in der Provinz auf sich vereinen können.

Rugova ist ein König mit Volk, aber ohne Land. Immerhin, die internationale Gemeinschaft weiß jetzt, daß die Mehrheit der Bevölkerung einfach Frieden will. Man hat von den Radikalen die Nase voll. Diese Erkenntnis gilt nach langen Phasen des Krieges und der Unterdrückung überall: Ruhe ist die erste Sehnsucht der Bürger. Aber wenn man ihnen zu lange das Recht auf Selbstbestimmung vorenthält und mit der ungelösten Statusfrage die Zukunft vernebelt und somit auch die wirtschaftliche Entwicklung blockiert, dann wächst die Gefahr, daß die Gemäßigten in das Lager der Radikalen überlaufen. Wo keine Hoffnung ist, wächst die Verzweiflung. Die internationale Staatengemeinschaft sollte dem ersten Fehler, der Förderung nationalistisch-separatistischer Rebellen, nicht noch den zweiten, die Unterdrückung von Selbstbestimmung und Autonomie, draufsetzen. Sonst legt man den Keim für neue Konflikte. Europa ist gefordert, die Außenminister machen es sich mit dem Kosovo recht bequem. Aber die Statusfrage muß geklärt werden, je früher, umso besser. Jetzt ist die Gelegenheit günstig: Mit Gemäßigten kann man besser reden als mit Maximalisten. Lim