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08.12.01 Käthe Kollwitz Museum Köln zeigt Holzschnitte

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. Dezember 2001


Auch heute noch aktuell
Käthe Kollwitz Museum Köln zeigt Holzschnitte

Die 5. Folge der Ausstellungsreihe „Einblicke“ des Kölner Käthe Kollwitz Museums ist den Holzschnitten der ostpreußischen Künstlerin gewidmet. Käthe Kollwitz, geb. Schmidt (1867 Königsberg - 1945 Moritzburg) schuf ihre ersten Holzschnitte erst mit 53 Jahren, nachdem sie bereits durch ihre Zeichnungen, Radierungen, Lithos und Plastiken bekannt geworden war. Die gegenwärtige Sonderausstellung, die bis 16. Dezember dauert, ist in die ständige Sammlung des Museums integriert, museumspädagogisch hervorragend gestaltet und wird von einer illustrierten, 20 Seiten umfassenden Broschüre (5 DM) begleitet. Den vorzüglichen Text verfaßte Ursula Weber-Woelk.

Konfrontiert wird die Holzschnitt-Folge „Krieg“ mit Bronze-Plastiken wie „Mutter mit totem Sohn“ (1892) und „Turm der Mütter“ (1937) sowie unter anderem vom Plakat, das die Künstlerin 1924 für den Mitteldeutschen Jugendtag lithografiert hat und auf dem ein Rufer zu „Nie wieder Krieg“ auffordert. Die Blätter der Holzschnitt-Folge „Krieg“ lauten „Das Volk“, „Die Freiwilligen“, „Die Mütter“, „Die Eltern“, „Die Witwe“.

In allen Werken manifestiert sich das persönliche Erleben der Kollwitz - Leid, Trauer, Menschlichkeit. Im Ersten Weltkrieg fiel ihr Sohn Peter an der Westfront, 1942 ihr Enkel in Rußland. In den ergreifenden Darstellungen herrscht das Schwarz des Hochdrucks vor. Über die persönliche Entwicklung Käthe Kollwitz’ und damit verbunden ihre Kunst lesen wir im Begleitheft: „...Von der jungen Frau, die von revolutionären Taten träumt, über die Frau, die den Krieg zwar fürchtet, ihn aber als gerecht empfindet, bis hin zur aktiven Pazifistin...“

Die Motive der Holzschnitte sind nicht kriegerische Auseinandersetzungen, sondern deren Folgen. Welche Aktualität - nach rund 80 Jahren - auch heute noch, nun da man tagtäglich durch das Fernsehen Zeuge des Krieges in Afghanistan ist. Nicht minder aktuell ist die Folge „Proletariat“ („Erwerbslos“, „Hunger“, „Kindersterben“). Als Ehefrau des Kassenarztes Dr. Karl Kollwitz erlebt die Künstlerin Elend und Armut aus nächster Nähe. Die Darstellung des Menschen durch- zieht ihr gesamtes Werk - bis hin zu ihren Selbstporträts. Auch die Holzschnitte „Maria und Elisabeth“, ein seltenes christliches Thema in ihrem Œuvre, wurde aus ihrer - familiären - Umgebung angeregt. Zehn Jahre beschäftigte sich Käthe Kollwitz mit der Technik des Holzschnitts; es entstanden 42 Arbeiten. Sie sind nicht so bekannt wie ihre Radierungen und Plastiken. Nun nach dem 11. September, angesichts Terror und Krieg, tritt zunächst die Thematik ins Rampenlicht - freilich eindrucksvoll gestaltet von einer großen Künstlerin, abstrahiert, befreit von der kurzlebigen Alltagsreportage. Günther Ott