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15.12.01 Friedensnobelpreis für Annan und Uno, Aachener Karlspreis für den Euro

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Dezember 2001


Große Preise - kleine Münzen
Friedensnobelpreis für Annan und Uno, Aachener Karlspreis für den Euro

Lob-, Dankes- und Nachreden haben eines gemeinsam: Sie verzerren auf angenehme Weise die Wirklichkeit. In diesen Tagen hatte der Medienkonsument Gelegenheit, dies erneut zu erleben. Der Friedensnobelpreis wurde verliehen, Träger ist der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan. Daß niemand mehr geleistet hätte für die Wiederbelebung der Uno als Kofi Annan, ist nun so eine Rede vom Typus Lob, der kaum jemand widerspricht. Denn selbst wenn es etwas übertrieben klingt, verdient hat der Generalsekretär der alten Tante Uno den Friedensnobelpreis allemal. Vor allem, wenn man sich die Reihe früherer Preisträger anschaut.

Annan teilt sich den Preis mit der Uno, und das ist auch der große Unterschied zu früher: Einzelpersonen erhalten den Preis meist für Taten, die eine momentane Situation ins Licht rücken, Institutionen wie die Uno werden für Erfolge ausgezeichnet, die ihrem Auftrag entsprechen. Die Situationen können sich ändern; in Nahost zum Bespiel ist das auch geschehen - Friedensnobelpreisträger Arafat ist an der jetzigen Lage nicht unschuldig. Die Uno aber wird dieselbe bleiben, ob es im Kongo kracht oder im Libanon oder sonstwo auf der Welt. Allenfalls scheitern einzelne Personen wie der holländische Offizier in Sebrenica oder irgendwo ein Soldat auf der weiten Welt, der trotz des blauen Helms seinen Kopf verliert. Die Uno bleibt unschuldig. Schuldig werden können nur Personen, nicht Institutionen. Insofern war die Wahl des Nobelkomitees dieses Mal auch ein sicheres Ticket. Doppelt sicher, denn es gibt in einer Welt der Unruhe und der Renationalisierung keine Alternative zur Uno, wenn es um die Suche und Bewahrung des Weltfriedens geht.

Ganz anders eine Preisentscheidung in Deutschland. Die Stadt Aachen verleiht den Karlspreis an den Euro. Richtig gelesen, an eine Währungseinheit. Man faßt sich an den Kopf. Was hat der Euro bis jetzt für Europa und für den Frieden auf dem alten Kontinent getan? Noch ist gar nicht sicher, ob das Experiment der Einheitswährung zum Erfolg führt. Natürlich beschwören die Politiker die Unumkehrbarkeit des Prozesses. Aber was soll das schon heißen in einer Welt, in der Forscher keine Grenzen kennen, Journalisten keine Tabus und Politiker nur noch eine Vergangenheit?

Mit der PDS zu koalieren ist politisch korrekt, mit der Partei des Barnabas Schill dagegen nicht. In einer Welt der geistigen Unordnung ist alles möglich. Auch daß der Euro scheitert. Wie das aussehen könnte, darüber macht sich kaum jemand Gedanken. Dafür denken die Honoratioren von Aachen an die Ehrung eines Symbols der Zukunft. Man hätte noch etwas Sinn darin sehen können, wenn sie die Mark zum Preisträger erhoben hätten, sie hat ihre Arbeit immerhin schon getan, und die Leistung kann sich sehen lassen: Frieden durch Wohlstand. Das war ein Beitrag für Europa, den der Euro erst mal leisten muß.

Erschreckend an der Entscheidung von Aachen ist die Bedeutung, die man offenbar dem Geld beimißt. Als ob es nicht mehr die Menschen wären, die einer Währung den Wert verleihen. Hat man den Glauben an die Menschen und ihre Friedensfähigkeit verloren? Mammon wird zum Maßstab, hier wird ein Goldenes Kalb verehrt. Auf dem Trittbrett eines ehrwürdigen Preises fährt der Primat einer durchökonomisierten Gesellschaft. Dann schon lieber das zwar phantasielose, aber sichere Ticket der Uno. Wenn den Stadtvätern von Aachen nichts Besseres einfällt, dann sollten sie einfach mal aussetzen. Das wäre allemal besser gewesen, als den großen Friedens- und Europa-Preis zur kleinen Münze verkommen zu lassen.