22.05.2024

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15.12.01 Die ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Dezember 2001


Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
Ruth Geede

Lewe Landslied,

selbst die große Extra-Familie reicht nicht aus, immer bleiben noch Wünsche übrig. Und so muß ich noch eine große Suchfrage in unsere Spalte reinpremsen, obgleich die ja eigentlich für die kleinen Wunschkes vorgesehen ist.

Es geht um einen Mann, der seit 1945 wie vom Erdboden verschwunden ist, obwohl seine Familie unermütlich nach ihm gesucht hat. Weder über das Suchreferat der Liga der Deutsch-Russischen Freundschaft noch über das DRK konnte auch nur eine vage Spur von Reinhold Pauli gefunden werden. Um sein tragisches Schicksal aufzuzeichnen, muß man etwas weiter in die Vergangenheit zurückgehen. Reinhold Pauli wurde 1907 als Sohn einer alteingesessenen deutschen Familie, deren Vorfahren unter der Zarin Katharina der Großen an der Wolga angesiedlet wurden, in Saratow geboren. Der Vater war Kaufmann, sein Sohn besuchte ein russisches Gymnasium. Nach dem Ersten Weltkrieg ging er mit zwei Söhnen nach Deutschland, die Mutter blieb mit vier weiteren Kindern zurück. Erst Weihnachten 1921 fand sich die Familie in Ostpreußen wieder zusammen. Der Vater ließ sich als Kaufmann in Gr. Karpowen und in Tapiau nieder, wo er drei Häuser erwarb. Reinhold besuchte in Königsberg eine höhere Schule, dann die Polizeischule in Sensburg. Nach der Ausbildung kam er nach Insterburg, wo er auch heiratete, ging dann nach Königsberg und schließlich nach Berlin.

Und hier ereilte Reinhold Pauli sein Schicksal. Da er die russische Sprache beherrschte, wurde er während des Krieges oft als Dolmetscher eingesetzt. Nach der Kapitulation versteckte er sich vor den Russen in den Ruinen. Seine Kinder brachten ihm heimlich das Essen, so kamen die Besatzer auf seine Spur und nahmen ihn mit. Wohin? Er soll zuerst in ein Lager am Alexanderplatz gekommen sein, aber als seine Frau dort nach ihm fragte, erhielt sie die Antwort: Rabottnie - Rußland! Nie kam ein Lebenszeichen von ihm, er blieb bis heute verschwunden. Nun hoffen seine Tochter Elsa Hasenpusch und ihr Bruder, daß jemand von unseren Lesern mit ihrem Vater in einem Lager war und sich noch an ihn erinnert. Vielleicht hatte er wegen seiner Sprachkenntnisse eine besondere Stellung - auch möglich, daß er gerade deswegen Schwierigkeiten hatte. Wie gesagt: Unsere Ostpreußische Familie ist wirklich für seine Kinder die letzte Hoffnung. (Elsa Hasenpusch, Mühlenweg 2 in 21509 Glinde.)

Auch Ursel Fritz hatte sich an die Liga der Deutsch-Russischen Freundschaft in Moskau gewandt, wie wir es ihr geraten hatten, und wenigstens die Antwort erhalten, daß man sich sehr um Aufklärung über das Schicksal ihres Vates Eduard Fritz bemühe. Für eine präzise Sucharbeit benötige man aber die Nummer des Lagers Rothenstein, in dem der Königsberger 1946 gewesen sein soll. Ist jemand unter unseren Lesern, der damals auch in dem Lager Rothenstein war und sich vielleicht an Eduard Fritz, * 27. Mai 1886, erinnert. Vor allem ist die Lager-Nummer zur Weitergabe nach Moskau wichtig.

Übrigens meldete sich aufgrund der Veröffentlichung dieser Suchfrage in unserer Ostpreußischen Familie eine Leserin aus Halle, deren Onkel auch wie die Familie Fritz in Königsberg, Claaßstraße 12, gewohnt hatte. Sie fragte, ob Frau Fritz etwas über den Verbleib des Onkels und seiner Familie wüßte. Frau Fritz konnte weiterhelfen, da auch ihre Schwester noch bis 1947 in Königsberg geblieben war. So ergeben sich durch solche Querverbindungen immer wieder unerwartete Kontakte. (Ursel Fritz, Küstriner Weg 7 in 21465 Reinbek.)

Eure

Ruth Geede