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15.12.01 Politisches Frauenseminar im Ostheim

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Dezember 2001


Brisantes muß thematisiert werden
Politisches Frauenseminar im Ostheim / Bad Pyrmont fand bei den Teilnehmern wieder großen Anklang

Das Politische Frauenseminar in Bad Pyrmont, das seit Jahren im dortigen Ostheim stattfindet und sehr gefragt ist, stand diesmal unter dem brisanten Thema ,,Polen und das südliche Ostpreußen“. Eingeladen dazu hatten die Bundesvorsitzende des ostpreußischen Frauenkreises Uta Lüttich und Peter Wenzel von der Bundesgeschäftsstelle der LO.

Nach der Begrüßung der 38 Teilnehmerinnen, zumeist Vorsitzende oder Vorstandsmitglieder der örtlichen LO-Gruppen oder Landesgruppen aus ganz Deutschland - auch Vertreterinnen der Minderheitengruppen aus dem südlichen Ostpreußen fehlten nicht -, gab Uta Lüttich eine kurze Einführung in die Geschichte, in die politische und ökonomische Situation und die Zukunftsaussichten des südlichen Ostpreußen.

Erster Referent war der Historiker Professor Dr. Wolfgang Stribrny aus Bad Sobernheim. Er verdeutlichte mit seinen Ausführungen über einen Abriß der Geschichte Polens Weg nach Europa. Dabei hob er hervor: ,,Bei aller deutsch-polnischen Freundschaft bleiben wir dabei, daß die Vertreibung im 2. Weltkrieg ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist“.

Der Publizist Hans-Joachim von Leesen aus Mönkeberg bei Kiel, vielen bekannt durch seine Artikel im Ostpreußenblatt, mit dem Thema ,,Die polnische Nationalitätenpolitik 1918-1939, der Zweite Weltkrieg und die Vertreibung der Deutschen“ untersuchte in seinem Vortrag, wie Warschau zwischen den Kriegen mit seinen Minderheiten umging und beleuchtete fundiert die Hintergründe für die gewaltsame Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Er wies darauf hin, daß Polen heute flächenmäßig so groß sei wie die Bundesrepublik, aber nur halb so viele Einwohner habe. Er nannte die Vertreibung die größte ethnische Säuberung in der Weltgeschichte.

Die Publizistin Brigitte Jäger-Dabek befaßte sich mit den Möglichkeiten, das südliche Ostpreußen verstärkt zu einem Touristenland zu machen. Ihr Thema war: ,,Perspektiven braucht das Land - Ökonomische Probleme und Chancen im südlichen Ostpreußen“.

Zum Thema ,,Die humanitäre Arbeit der Kreisgemeinschaften der LO im südlichen Ostpreußen am Beispiel Neidenburg“ sprach Marion Haedge aus Lachendorf, Kreisvertreterin der Kreisgemeinschaft Neidenburg. Sie berichtete von zahlreichen Hilfstransporten in ihre Heimatstadt, von der Einrichtung einer privaten Apotheke, die einmal in der Woche geöffnet ist und an bedürftige Deutsche und Polen Medikamente zum Nulltarif ausgibt, sowie über die Finanzierung des dortigen Deutsch-Unterrichtes.

Sehr informativ war der Bericht der Vorsitzenden Renate Barczewski vom Minderheitenverein in Allenstein über ihre Arbeit vor Ort. Sie berichtete eindrucksvoll von der Einrichtung des ,,Kopernikus“-Hauses in Allenstein. Der Verein ist heute selbständig und zählt nunmehr etwa 3.800 Mitglieder mit einem lebendigen Vereinsleben.

Sibylle Dreher, die Präsidentin des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen, hatte zum Thema: ,,Frauen, die vergessenen Opfer des Krieges. Kinder der Opfer, Kinder der Täter.“ Sie zeigte auf, daß beide Seiten Unrecht begangen hätten und allmählich auch dazu stehen müßten.

Professor Dr. Gilbert Gornig, Dozent an der Universität Marburg, sprach zum Thema: ,,Die Entwicklung der völkerrechtlichen Situation des südlichen Ostpreußens von 1945 bis heute“. Er sprach von der territorialen Souveränität des Eigentums und davon, daß ohne Einwilligung des Eigentümers kein Eigentum übertragen werden könnte. Er nannte es völkerrechtswidrig, daß die Ostpreußen den Krieg bezahlen müßten. Sehr angetan waren die Teilnehmerinnen von dem interessanten Vortrag von Gerlinde Groß, BdV-Vorsitzende in Usingen, sowie von dem Anschauen der beiden Video-Filme ,,Ostpreußen-Reise 1937“, Teil 1 und Teil 2.

Es gab viel Beifall und Zustimmung für die Referenten sowie lebhafte Diskussionen zu den einzelnenVorträgen. Viel Lob auch an das Heimleiter-Ehepaar Winkler und ihre fleißigen Mitarbeiter für die gute Betreuung und einen ganz besonders herzlichen Dank an die Bundesvorsitzende Uta Lüttich. Ilse Rudat

Informationsaustausch: Professor Dr. Gilbert Gornig, ins Gespräch mit einer Seminarteilnehmerin vertieft Foto: privat