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22.12.01 Breitenstein: Deutsch-russisches Fest aus doppeltem Anlaß

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Dezember 2001


Breitenstein:
Deutsch-russisches Fest aus doppeltem Anlaß
Das Heimatmuseum wurde 20 Jahre und die russische Schule 55 Jahre alt

Im Sommer 2001 bekam Hartmut Preuß, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit und geborener Breitensteiner, eine Einladung für alle Breitensteiner zu zwei bedeutenden Jubiläumsfeiern im Königsberger Gebiet: „20jähriges Jubiläum des ersten Ostpreußen- Museums“ nach dem Kriege, wo besonders die deutsche Vergangenheit herausgestellt wird, und 55 Jahre russische Schule in Breitenstein/Uljanowo. Die Einladung wurde von Juri Userzow, dem Museumsgründer und Schuldirektor, sowie dem Bürgermeister, Wladimir Lebedowski, ausgesprochen. Die Festlichkeiten waren für den 17. November 2001 vorgesehen.

Hartmut Preuß organisierte für die ehemaligen Breitensteiner, Ragniter und Freunde des Museums zu diesem Ereignis eine Reise vom 15. bis 20. November 2001. Es gestaltete sich sehr schwierig, für diese späte Jahreszeit Mitfahrende und ein Unternehmen zu finden. Schließlich waren es 25 Landsleute, die mit dem Unternehmen Manthey aus Witten/Ruhr am 15. November morgens um 6.00 Uhr von Wuppertal aufbrachen. Zusteigemöglichkeiten waren in Bochum, Hannover und Berlin-Schönefeld. Die erste Übernachtung fand in Schneidemühl statt. Nach einem Fotostop bei der Marienburg ging es dann über Elbing, Braunsberg, Heiligenbeil nach Insterburg, wo wir im Hotel „Zum Bären“, unserem Übernachtungsort, mit Brot und Salz empfangen wurden. In diesem wunderschönen Hotel wurde an den beiden nächsten Abenden ein wundervolles musikalisches und folkloristisches Programm geboten.

Am Sonnabend, dem 17. November, fand die große Jubiläumsfeier statt. Vor dem großen Ereignis, das um 13.00 Uhr beginnen sollte, wurden an dem Ehrenmal der gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges in Breitenstein Kränze für die gefallenen deutschen und russischen Soldaten beider Weltkriege niedergelegt. Gedacht wurde auch allen Opfern von Flucht und Vertreibung. Die Kranzniederlegung und Ansprache zum Volkstrauertag wurde unter großer Beteiligung der russischen Bevölkerung und der mitgereisten Deutschen von Hartmut Preuß und dem Prediger Waldemar Michaelis aus Insterburg, den die Kirchspielvertreterin von Breitenstein, Katharina Willemer, für diese Andacht gewinnen konnte, abgehalten.

Dann war es soweit. Die große Festveranstaltung der zwei Jubiläen begann mit dem Empfang vor der Schule mit Brot und Salz. Eine Besichtigung des Museums schloß sich an.

Die Festveranstaltung war ein Feuerwerk an Darbietungen. Es traten eine Vielzahl von Folklore- und Schülergruppen sowie einige Mitglieder des Lehrerkollegiums auf. Fast alle Schulen aus dem Kreis Tilsit-Ragnit beteiligten sich an dem Programm.

Hochkarätige Gäste waren anwesend: der Landrat und Duma-Abgeordnete Serge Ledenjow, seine zwei Stellverteter, Mitarbeiter der Kreisverwaltung, Schuldirektoren fast aller Schulen aus dem Kreis, Direktoren landwirtschaftlicher Betriebe, Museumsdirektoren aus dem gesamten Gebiet Königsberg, Professor der Geschich- te Isaak Rutman aus Tilsit (Sowjetsk) und eine Abordnung aus dem Deutschen Haus Königsberg.

Die Dankes- und Anerkennungsworte waren fast nicht zu stoppen. Das Museum und die Schule wurden reichlich beschenkt. Die deutschen Gäste übergaben einen Elch aus Bronze mit Widmung. Die Direktoren aller Betriebe aus Breitenstein (Uljanowo) versprachen, den kaputten Kirchturm zu renovieren. Es schloß sich ein üppiges Festmahl an, das immer wieder durch Trinksprüche und Darbietungen unterbrochen wurde.

Der Sonntag stand zur freien Verfügung. Bevor jeder seinen persönlichen Wünschen und Neigungen nachging, wurde gemeinsam der Soldatenfriedhof für die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges in Insterburg besucht. Diese Gedenkstätte ist vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. mit Namenstafeln der gefallenen Soldaten würdevoll angelegt.

Die Rückfahrt begann mit einem Stop in Frauenburg. Wir suchten den Gedenkstein auf, der für die 450.000 ostpreußischen Flüchtlinge in diesem Jahr aufgestellt wurde. Sie flohen 1945 über Haff und Nehrung, gejagt vom unerbittlichen Krieg. Viele ertranken, andere starben in Eis und Schnee. Ihr Opfer mahnt zu Verständigung und Frieden. Wir fuhren anschließend durch Danzig und übernachteten in Stettin. Es war eine gelungene Reise. H. P.

die Firma Greif-Reisen A. Manthey trug wesentlich dazu bei.

Hartmut Preuss

Empfang in der Schule Breitenstein: Landrat und Duma-Abgeordneter Serge Ledenjow, Schul- und Museumsdirektor Juri Userzow sowie Hartmut Preuß mit zwei russischen Trachtengruppenmitgliedern

Festveranstaltung: Dem Publikum wurde ein buntes Programm geboten, an dem fast alle Schulen aus dem Kreis Tilsit-Ragnit mit Schülern und/oder Lehrern beteiligt waren.