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22.12.01 Das Wetter im November / Analysiert von Meteorologe Dr. Wolfgang Terpitz

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Dezember 2001


Steter Tropfen höhlt den Stein
Das Wetter im November / Analysiert von Meteorologe Dr. Wolfgang Terpitz

Mit dem vergangenen November erlebte Ostpreußen wieder einen deutlich zu milden Herbstmonat. Mehr als drei Grad betrug in manchen Orten der Wärmezuschuß. Als monatliches Mittel wurde für die Temperatur der südöstlichen Grenzgebiete zwei Grad errechnet. Dieser Wert ist nicht besonders auffällig. In Königsberg lag er jedoch über fünf Grad. Allenstein und Memel standen dem kaum nach.

Mit der Zahl der Frosttage kann man den milden Monat nicht begründen. Denn an zehn bis dreizehn Tagen gab es häufig Frost, wie man es für einen Monat November erwarten muß. Auch die Zahl der Eistage, an denen auch tagsüber die Temperatur unter null Grad verharrt, hielt sich im Rahmen. Schaut man sich jedoch die Minima genau an, dann fällt auf, daß sie selten unter minus fünf Grad lagen. Die Station Rastenburg meldete als absoluten Tiefstwert am 27. November minus sieben Grad. Das ist sehr moderat im Vergleich zu früheren Jahren, in denen gelegentlich Minima um minus 15 Grad beobachtet worden sind. Sogar die negative Spitze von minus 19 Grad wurde schon in den Klimabüchern vermerkt. Die höchsten Temperaturen liegen im Herbst verbreitet am Anfang eines Monats, da die Tageslänge zum Ende hin abnimmt. Auch im verflossenen November erfüllte sich diese Erfahrung. So meldete die Station am dritten und vierten November die Maxima des Monats. Das waren zehn bis zwölf Grad. Diese Werte sind weit von den bisherigen Rekorden von 17 und 19 Grad entfernt.

Dennoch stellt sich wieder die Frage, warum der vergangene Monat deutlich zu mild ausgefallen ist. Die Erklärung dafür sind die häufigen Wetterlagen mit einer westlichen bis nordwestlichen Höhenströmung. In ihr wanderten atlantische Tiefausläufer über die Ostsee bis Ostpreußen. Die vom relativ warmen Meereswasser erwärmte Luft ließ keine Fröste zu. Hinzu kam, daß der folgende kalte Witterungsabschnitt an einzelnen Tagen von Einschüben mit Atlantikluft durchbrochen war. So summierte sich im gesamten Monat die Zahl der milden Tage auf siebzehn.

Auch der lebhafte, in Böen oftmals stürmische Wind und die häufigen Niederschläge waren das Ergebnis dieser Wetterlage. So regnete es in den ersten anderthalb Wochen täglich. Die Niederschlagsintensitäten hielten sich jedoch im Rahmen. Als höchster Wert wurde in Königsberg am 5. November früh eine vierundzwanzigstündige Niederschlagsmenge von zwölf Litern pro Quadratmeter gemessen. Auch das ist auf keinem Fall ungewöhnlich. Doch nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ sammelte sich schon während dieses Zeitabschnitts mehr als die Hälfte der monatlichen Niederschlagssumme. Insgesamt kamen im vergangenen November 56 Liter pro Quadratmeter (in Allenstein) bis 121 Liter pro Quadratmeter (in Memel) zusammen. Das sind ein Drittel bis zwei Drittel mehr, als sonst in diesem Herbstmonat zu erwarten ist. In Königsberg - mit der Summe von 112 Litern pro Quadratmeter - gehört er seit Beginn der Niederschlagsmessungen im Jahre 1818 zu den zehn nassesten Novembermonaten.

Niederschlagreiche Witterungen lassen der Sonne wenig Raum, so sagt man. Das ist an sich auch logisch. Doch diesmal überraschte der vergangene November mit reichlichem Sonnenschein. Das Tagesgestirn wirkte insgesamt 55 bis 70 Stunden. Das sind 40 Prozent bis 70 Prozent mehr als gewöhnlich. So zählt der vergangene November auch zu den zehn sonnenscheinreichsten seit Beginn der Messungen vor 100 Jahren. Wie ist das zu erklären? Wahrscheinlich lag das daran, daß sich wegen des munteren Windes kein Nebel und Hochnebel bilden konnte. Übrigens wurde im tausend Kilometer entfernten Frankfurt am Main im vergangenen Monat das gleiche Phänomen beobachtet.

Im letzten Herbstmonat kann der Winter vor allem in der Heimat schon seine ersten ernsthaften Besuche abstatten. Wir wissen schon, daß die Fröste im vergangenen November moderat waren. Auch auf den ersten Schnee mußte man lange warten. Endlich am 23. November rieselte er vom Himmel, so daß sich verbreitet eine dünne Schneedecke bildete. Meist war die Landschaft jedoch nur überzuckert. Erst die Schneefälle, die am 28. November begonnen hatten, brachten eine Schneedecke, die bis zu zehn Zentimeter mächtig wurde. Nun endlich konnten Kinder ihre Schlitten hervorholen, um zu zeigen, daß sie ihre Rodelkünste nicht vergessen hatten. Nur im Memelland mußten sie die Schlitten im Keller oder Schuppen lassen. Dort hatte es nämlich nur wenig geschneit.