19.01.2022

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05.01.02 Gedanken zur Zeit

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. Januar 2002


Gedanken zur Zeit:
Die PDS und ihre Erblast
Hans-J. von Leesen über das kommunistische KZ Hohenschönhausen

Hunderttausende reisen alljährlich nach Berlin. Reiseunternehmer lassen ihre Busse in die Hauptstadt rollen, Vereine und Belegschaften, Schulklassen und Familie - sie alle wollen verfolgen, wie sich Berlin rasant entwickelt, wollen Ausstellungen und Theateraufführungen erleben, Museen und Galerien besichtigen, Regierungsbauten und den Bundestag bestaunen, historische Kirchen und Paläste kennenlernen. Das alles lohnt den Besuch reichlich. Was mich aber beim letzten Aufenthalt am stärksten beeindruckt hat und immer noch beschäftigt, ist etwas, von dem die meisten nichts wissen: die Besichtigung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im Nordosten der Hauptstadt.

Bis zum Mai 1945 war hier eine Großküche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt NSV untergebracht. Während im Zentrum Berlins noch gekämpft wurde, richteten die kommunistischen Sieger hier ihr „Speziallager Nr. 3“ ein, in dem Deutsche zusammengepfercht wurden, die, wie das spätere Kontrollgesetz Nr. 10 festlegte, „für die Besetzung und ihr Ziel gefährlich sind“. Angeblich seien es Kriegsverbrecher. Tatsächlich war es die Führungsschicht des damaligen deutschen Staates: hohe Beamte, Polizisten, Lehrer, Richter, Professoren, die wirtschaftliche Oberschicht, kleine wie große Funktionsträger der NSDAP und ihrer Gliederungen, HJ-Führer, BDM-Führerinnen, Generalstabsoffiziere, Journalisten, prominente Schauspieler.

Eineinhalb Jahre wurde dieses Speziallager von den Siegern betrieben. In der Zeit sollen über 20.000 Menschen hier interniert worden sein. Sie starben wie die Fliegen. Die Schätzungen der Toten reichen von 900 bis 3.000. Man warf sie in Bombentrichter, die man dann zuschüttete. Noch heute findet man bei Bauarbeiten die Überreste der Opfer.

Die Überlebenden wurden in andere sowjetische KZs verlegt - elf gab es davon in der sowjetischen Besatzungszone, in denen etwa 185.000 Opfer eingesperrt gewesen sind. Einer der in Hohenschönhausen Gefangenen war Heinrich George, einer der größten deutschen Schauspieler, der im Juli 1946 ins sowjetische KZ Sachsenhausen verlegt wurde, um dort, ausgemergelt und durch Krankheit geschwächt, am 27. September zu sterben.

Dann übernahm die DDR das Berliner Lager. Die Gebäude wurden erweitert, etwa um einen Trakt mit unterirdischen, bunkerartigen Zellen ohne Fenster, von den Häftlingen das „U-Boot“ genannt. Dort lagen Hafträume, Folterzellen, Vernehmungszimmer, mit Hartgummi ausgeschlagene Isolierzellen. 1951 wurde es dem Ministerium für Staatssicherheit übergeben, das sich als „Schild und Schwert der Partei“ verstand. Es betrieb hier bis zum Zerfall der DDR 1989 seine geheime zentrale Untersuchungshaftanstalt. „Boykotthetze“, staatsfeindliche Propaganda, Spionage oder Vorbereitung zur Republikflucht warf man den DDR-Bürgern vor, die hierher transportiert wurden, ohne zu wissen, wo sie sich befanden. Stundenlang wurden sie Verhören unterworfen, in Einzelzellen eingesperrt, in mit Hartgummi ausgeschlagene Dunkelzellen geworfen und - obwohl sie allein darin hockten - noch mit Abhörgeräten überwacht. Man schikanierte, bespitzelte und zermürbte sie planmäßig, bis sie am Ende ihrer Widerstandskraft ihre „Schuld“ gestanden. Die Angehörigen wußten häufig nichts über den Verbleib der Verschleppten.

Und selbst die Stasi-Angehörigen, die die Vernehmungen und Quälereien durchführten, wurden von anderen Organen überwacht, weil niemandem im Kommunismus getraut wurde, selbst den fanatischsten Genossen nicht. Und das ging so bis zum Zusammenbruch des Kommunismus. Dann hatten die Verantwortlichen nichts Eiligeres zu tun, als die Spuren ihrer Handlungen zu verwischen. Papiere wurden vernichtet, Verhörunterlagen, Tonbänder, so daß man bis heute nicht weiß, wer die Verbrecher waren, die hier im Auftrag der SED Tausende von Bürgern zur Verzweiflung trieben.

Das alles kann man heute sehen, geführt von ehemaligen Häftlingen, die einen Eindruck vermitteln von der damaligen Atmosphäre und ein anschauliches Bild der DDR-Verhältnisse zeichnen.

Man sollte den Besuch der jetzigen Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen nicht versäumen, denn die Partei, in deren Auftrag dieses Unterdrückungsinstrument der Mitteldeutschen bis 1989 betrieben wurde, wird in Berlin wieder an die Macht gelangen. Sie, die PDS, offizielle Rechtsnachfolgerin der SED und im Besitz von deren Vermögen, geführt von Leuten, die schon in der alten SED eine Rolle spielten, ist lebhaft daran interessiert, die Erinnerung an den Terror in Vergessenheit geraten zu lassen, mit dessen Hilfe sich die SED an der Macht hielt. Und es scheint ihr weitgehend zu gelingen. Da versteht man es, wenn ihr Aushängeschild Gregor Gysi feixend durch die Fernseh-Shows zieht, ein Mann, der damals auf vertrautem Fuße mit den Mächtigen der DDR stand, dessen Vater Minister war, der aber von dem KZ Berlin-Hohenschönhausen genau so wenig wußte wie von den Folterzellen der Stasi. Jetzt will er mindestens Senator in Berlin werden, und er scheint es zu schaffen. Was dann mit der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und mit anderen Erinnerungsmalen an die kommunistische Herrschaft wird, das kann man sich heute schon vorstellen.

Die Antwort kann nur sein: Wachsam sein, die Gedenkstätte besuchen, die Erinnerung an den Kommunismus und seine Opfer lebendig halten. 

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Genslerstraße 66, 13055 Berlin, Telefon 030-98608236, www.gedenkstaette-hohenschoenhausen.de, Mo.-Sa. 11 + 13 Uhr Führungen nach Vereinbarung