19.01.2022

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Suchen und finden
05.01.02 Die ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. Januar 2002


Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
Ruth Geede

Lewe Landslied,

wie geendet, so begonnen! Unsere letzte Ostpreußische Familie im alten Jahr brachte wunderschöne Erfolge, und im neuen Jahr können wir da nahtlos anschließen. Zwar nennt Hans-Egon von Skopnik das, was er mir mitteilte, „ein kleines und bescheidenes Erfolgsergebnis“, aber das ist es durchaus nicht.

Da lebt in Korschen eine alte Ostpreußin, Grete Kierwicz. Die fast 90jährige blieb in der Heimat, hat alles miterlebt und erduldet, was an Schlimmem geschah - und das tagebuchmäßig erfaßt. Ein wohl einmaliges Dokument, das sie Verwandten mitgab, als sich die Grenzen geöffnet hatten. Mit der Bitte um Rückgabe. Aber die erfolgte nicht, das Tagebuch war in Deutschland von Hand zu Hand gegangen und unauffindbar. Auch als wir vor einigen Jahren die Suche in unserer Familienspalte veröffentlichten, zeigte sich keine Spur. Frau Kierwicz war darüber sehr traurig und glaubte, ihr Tagebuch nie wieder in den Händen halten zu können. Bis vor kurzem. Da kam ein deutsches Ehepaar nach Korschen und übergab der alten Frau ihr Tagebuch! Zwar zerfleddert und zerlesen, einige Seiten fehlen, es ist auch etwas „verspakt“ - aber es ist da!

Wie kam es zu dem Fund, an den niemand mehr glaubte? Das Ehepaar hatte bei verstorbenen Verwandten in einem „Krempel“ von Büchern und Schriften das Tagebuch entdeckt und sich an die jahrelang zurückliegende Suche im Ostpreußenblatt erinnert. Als die Finder nun nach Ostpreußen fuhren, nahmen sie es mit, um der hochbetagten Frau ihr „Schicksalsbuch“ persönlich zu überreichen. Die Freude von Grete Kierwicz kann man sich vorstellen! Nun ist das Dokument in guten Händen: Einer ihrer Enkel, der perfekt deutsch spricht, nahm es nach Danzig mit, wo er als Dozent an einem Institut tätig ist. Er will sich eingehend mit den Aufzeichnungen seiner Großmutter, in denen auch das Schicksal seiner Urgroßmutter nach 1945 schonungslos und wahrheitsgetreu dokumentiert wird, befassen. Für uns aber bleibt dieses erfreuliche Fazit: Auch nach langen Jahren findet sich Verlorenes wieder - dank der intensiven Beschäftigung unserer Leser mit den Fragen und Wünschen der „Ostpreußischen Familie“.

Spät kam auch der Erfolg zu Helmut Hohmann aus Schottland, letzter Nachkomme der Familie Hohmann aus Königsberg - wie er glaubte. Denn erst sechs Monate nach der Veröffentlichung seines Wunsches nach Auskunft über seine Familie meldete sich bei ihm telefonisch eine junge Dame aus Kiel, die für ihre 92jährige Großmutter „Kate“ Hohmann sprach. (Mit Sicherheit heißt die alte Dame „Käthe“). Sie entstammt einer anderen Hohmann-Linie: Die Großeltern des Schreibers waren die Königsberger Hohmanns, die Familie von Käthe lebte als Gutsbesitzer in Trunz bei Elbing. Von dieser Linie hatte Helmut Hohmann keine Ahnung. Jetzt konnte er mit dem letzten Nachkommen der Trunzer Hohmanns Kontakt aufnehmen. Die beiden haben, wie sie feststellten, einen gemeinsamen Ur-Ur-Ur-Großvater. Dieser Vetter xten Grades erinnert sich sogar noch an die Königsberger Hohmanns. Frau Käthe war mit der Großmutter von Helmut Hohmann eng befreundet gewesen, hatte diese auch nach dem Krieg gesucht, aber leider Fehlauskünfte erhalten. Der Ostpreuße aus Schottland freut sich, daß er nicht nur über seine eigene Familie endlich etwas erfahren konnte, sondern sogar eine „neue Familie“ gefunden hat.

Das macht doch Mut und ist, wie ich glaube, ein guter und hoffnungsvoller Einstieg in unsere „Familienarbeit 2002“!

Eure

Ruth Geede