22.01.2022

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02.02.02 Königsberg: Konzert mit Oskar Gottlieb Blarr im Dom

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. Februar 2002


Königsberg:
Konzert mit Oskar Gottlieb Blarr im Dom
Der Musiker aus Bartenstein spielte auf der Orgel Stücke aus der Pregelstadt und Ostpreußen

Nicht die Klassiker der Orgelmusik, sondern Stücke von Komponisten der vergangenen Jahrhunderte aus Königsberg und Ostpreußen standen bei dem Konzert mit dem Professoren Oskar Gottlieb Blarr am 25. September vergangenen Jahres im Königsberger Dom auf dem Programm. Im Rahmen einer kulturell-künstlerischen Veranstaltungsreihe des Deutsch-russischen Hauses in Zusam- menarbeit mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf stand auch das vom Publikum begeistert aufgenommene Konzert. Auf Veranlassung des Dombaumeisters Igor Alexandrowitsch Odinzow, einem ehemaligen Oberst der Roten Armee, war auch der Fernsehsender „Jantor“ anwesend, der sich für gewöhnlich deutschen Themen gegenüber sehr zurückhaltend verhält.

Blarr war neun Jahre alt, als er im August 1944 den Gluthimmel über Königsberg aus der 50 Kilometer entfernt liegenden Heimatstadt Bartenstein sah. „Die einst weltberühmte Universität, der Dom mit der schönsten aller kunstvollen Orgeln der Welt verbrannt, das Schloß eine Ruine, die größte Buchhandlung ‚Gräfe und Unzer‘ ein Schutthaufen.“ In all seinem Wirken hat Blarr sich seitdem für die Erhaltung ostpreußischer Kultur eingesetzt. Neben zahlreichen Studien- und Konzertreisen ins Ausland besuchte er auch seine Heimat Ostpreußen. Bereits 1984 spielte er auf ostpreußischen Orgeln Werke deutscher Komponisten für eine Schallplattenproduktion. 1985 erhielt Oskar Gottlieb Blarr den Kulturpreis für Musik der Landsmannschaft Ostpreußen in Anerkennung seiner Verdienste um die Erhaltung ostpreußischer Musik. Zur Zeit arbeitet Blarr mit der russischen Journalistin Ludmila Filatowa an einem Film über die Musikgeschichte Königsbergs.

In einer Umgebung, in der schlechte Verhältnisse vorherrschen, geschehen eine Menge negativer Dinge. Hierzu gehörten der Verfall und Abriß historisch wertvoller Kirchen und Burgen, die hohe Drogen- und Aidsrate im Königsberger Gebiet sowie die Mafia, die Villen in Rauschen und Cranz bewohnt. Die Öffnung nach Westen wird zwar von oben immer wieder verkündet, doch schikanöse Prozeduren beim Zoll wirken so hemmend, daß man vermuten könnte, die Hinwendung zum Westen auf der praktischen Ebene sei nicht erwünscht.

Um so mehr grenzt es oft an Wunder und gibt Anlaß zum Staunen und zur Freude, wieviel menschliche Zuwendung und Hilfe diesen negativen Erfahrungen gegenüberstehen. Zu den positiven Erscheinungen im heutigen Königsberg zählt für Blarr der Wiederaufbau des Doms, der jahrzehntelang als mächtige Ruine sein Dasein fristete und erst 1998 mit großer Unterstützung aus Deutschland wieder ein Dach erhielt. Seit vergangenem Herbst hat der Dom auch gotische Fenster; 2005 soll ein großes Königsberg-Jubiläum gefeiert werden, zu dem Duisburg mit dem dort befindlichen Museum Königsberg einen Beitrag leisten wird. Es ist sogar geplant, die verbrannte Orgel des Meisters Moosengel von 1740 im Dom wiedererstehen zu lassen. An diesen Planungen ist auch Blarr beteiligt.

Weitere Lichtblicke Königsbergs sind das Kantmuseum im Westwerk des Doms und das Museum für Königsberger Geschichte, das im Sommer täglich 500 bis 2.000 Besucher anlockt. Das Grab Immanuel Kants an der Nordseite des Doms ist ein Pilgerort für russische Brautpaare, die dort Blumen niederlegen und sich fotografieren lassen.

An der Königsberger Universität sind zur Zeit 300 Germanistik-Studenten eingeschrieben. Im Rahmen der kulturell-künstlerischen Veranstaltungsreihe las Arno Surminski dort aus seinem Buch „Sommer 44 oder wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen“ vor einem bis zum letzten Platz besetzten Auditorium.

Es gibt eine aufblühende deutsch-evangelische Gemeinde, die sowohl diakonische als auch kulturelle Aufgaben wahrnimmt; so werden beispielsweise die Kaliningrader Sinfoniker dort einen Beethoven-Zyklus spielen.

Die Liebe der Russen zur Literatur hat das Standbild Schillers, eine Plastik von Stanislaus Cauer, vor der Zerstörung bewahrt, so daß es heute noch unversehrt in Königsberg steht. Blarr zitiert in diesem Zusammenhang eine Legende, der zufolge beim Einmarsch der Roten Armee jemand dem Denkmal ein Schild umgehängt hatte: „Nicht zerstören. Er ist ein Dichter.“

Manuela Rosenthal-Kappi

Oskar Gottlieb Blarr: Träger des Kulturpreises für Musik der Landsmannschaft Ostpreußem Foto: Breitling