19.01.2022

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02.02.02 Dänemark: Ein Verbrechen, das sich auszahlte

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. Februar 2002


Dänemark:
Ein Verbrechen, das sich auszahlte
Um des Siegerstatus willen verweigerte das Königreich deutschen Flüchtlingskindern medizinische Hilfe

Daß von den 250.000 deutschen Flüchtlingen aus Ostpreußen, Westpreußen, Danzig und Pommern, die auf der Flucht vor der Roten Armee mangels anderer Anlandungsmöglichkeiten zwischen dem 11. Februar 1945 und der Kapitulation der Wehrmacht nach Dänemark kamen, eine unverhältnismäßig hohe Zahl kleiner Kinder in den darauffolgenden Monaten gestorben ist, das wußten zwar die damaligen Zeitzeugen, doch war es jahrzehntelang kein Gegenstand der öffentlichen Debatte, und auch die Historiker befaßten sich damit nicht. Erst als vor zwei Jahren die dänische Ärztin und Historikerin Kirsten Lylloff darüber zu forschen begann, weil ihr auf den Flüchtlingsfriedhöfen die große Zahl von Gräbern mit Säuglingen und kleinen Kindern aufgefallen war, da wurde diese Tatsache zumindest in Dänemark zur Kenntnis genommen (siehe OB Folge 22/99). Die dafür sensiblen Kreise erschraken. Die Ärztin hatte nämlich herausgefunden, daß die große Mehrheit dieser Kleinkinder sterben mußte, weil dänische Ärzte und dänische Krankenhäuser sich geweigert hatten, die kranken Kinder zu behandeln. So mußten von den 70.000 Flüchtlingen, die unter 15 Jahre alt waren, 13.492 sterben. Von ihnen waren 7.000 unter fünf Jahre alt. Sie waren dahingerafft worden von meist verhältnismäßig harmlosen Krankheiten wie Magen- und Darminfektionen, Scharlach, Masern sowie durch Unterernährung, und zwar in den meisten Fällen nicht etwa unmittelbar, nachdem sie in Kopenhagen an Land gebracht worden waren, sondern in den darauffolgenden Monaten bis in den Herbst 1945 hinein.

Jetzt hat die dänische Ärztin Lylloff den Antrag gestellt, der dänische Staatliche Humanitäre Forschungsrat möge die Vorkommnisse gründlich erforschen.

Während man bisher annehmen konnte, die unmenschliche Handlungsweise von Ärzten und Krankenhäusern seien private Entscheidungen einzelner Ärzte gewesen, wird immer deutlicher, daß von Spontanentschlüssen nicht die Rede sein kann. Hier wurde systematisch nach einer großen Linie und auf Anweisung der dänischen Regierung gehandelt. Sie hatte dem Dänischen Ärzteverband und allen Krankenhäusern die Anweisung gegeben, die Behandlung von kranken deutschen Flüchtlingen abzulehnen. (Die Lazarette der deutschen Wehrmacht hatten natürlich, so lange sie existierten, Flüchtlinge behandelt, doch waren sie längst völlig überfüllt und unfähig, weitere aufzunehmen.) Der Dänische Ärzteverband hatte lediglich das Zugeständnis gemacht, kranke Flüchtlinge würden behandelt, wenn ihre Krankheiten auf die dänische Bevölkerung überzugreifen drohten. Im März hatte die Ärzteschaft versucht, einen Handel mit der Besatzungsmacht abzuschließen: sie bot die Hilfe ihrer Mitglieder an unter der Bedingung, daß die dänischen Insassen deutscher KZs freigelassen würden. Tatsächlich ließ daraufhin die deutsche Seite die dänischen Gefangenen frei, die unter dem Verdacht inhaftiert waren, mit den aus England angeleiteten Widerstandskämpfern Kontakt gehalten zu haben. So hatte Deutschland seinen Teil der Abmachung erfüllt, ohne daß die dänischen Ärzte daran dachten, nun auch ihr Versprechen einzuhalten.

Grund für die Anweisung an Ärzteschaft und Krankenhäuser, kranken deutschen Flüchtlingen keine Hilfe zu leisten, war die dänische Absicht, den Siegern zu beweisen, wie tapfer ihr Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht war. Tatsächlich befand sich Dänemark völkerrechtlich nie im Kriegszustand mit dem Deutschen Reich. Zwar gibt es einige Historiker, die meinen, seitdem im Spätsommer 1943 die dänischen Minister zurückgetreten waren, so daß das Land von Staatssekretären regiert wurde, habe es so etwas ähnliches wie einen Kriegszustand gegeben oder eher wohl, wie einer der Wissenschaftler formulierte, ein „Gefühl“ dafür, doch ist das völkerrechtlich ohne Belang. Die dänische Regierung arbeitete von Beginn der deutschen Besetzung an reibungslos mit dem Deutschen Reich zusammen. Die dänische Wirtschaft blühte sogar unter den Wirtschaftsabmachungen zwischen Dänemark und Deutschland auf. Die Zahl der Arbeitslosen ging zurück, und mancher Däne wurde in jenen Jahren durch die Zusammenarbeit mit den Deutschen außerordentlich wohlhabend. 10.000 junge dänische Männer meldeten sich freiwillig zur Waffen-SS; 6.000 von ihnen erfüllten die strengen Kriterien und wurden aufgenommen, um gemeinsam mit anderen europäischen Freiwilligen gegen den Bolschewismus zu kämpfen. Mehr als die Hälfte fielen.

Erst als nach der deutschen Niederlage in Stalingrad deutlich wurde, daß Deutschland unter Umständen den Krieg verlieren könnte, waren die von England ausgehenden Bemühungen, in Dänemark eine Partisanenbewegung aufzubauen, von einem gewissen Erfolg gekrönt, wenn auch die Tätigkeit dieser Widerstandskämpfer überhaupt nicht zu vergleichen war mit der in Frankreich oder gar in der Sowjetunion. Für die deutschen Soldaten war es stets ein Geschenk des Himmels, wenn sie von der Ostfront nach Dänemark an die „Butter-und-Sahne-Front“ verlegt wurden. Deutsche Schüler wurden nach Dänemark vor dem Luftkrieg in Sicherheit gebracht und fühlten sich dort, wie der Berichterstatter es selbst erlebt hat, nie wie in Feindesland.

Die Kollaboration der dänischen Regierung, aber auch beispielsweise der Gewerkschaften und anderer großer Verbände sowie weiterer Teile der dänischen Bevölkerung mit den Deutschen hatte zur Folge, daß Großbritannien, die USA und vor allem die Sowjetunion Dänemark keineswegs als alliierte kriegführende Macht ansahen. In den letzten Monaten des Kriegs wurde diese Tatsache für Dänemark mißlich. Mit allen Mitteln versuchte die dänische Regierung, die Alliierten zu bewegen, ihre Meinung zu ändern. Großbritannien war dazu bereit, nicht aber die Sowjetunion. Sie verhandelte höchstens mit dem sogenannten „Freiheitsrat“, den sie unter der Bezeichnung „kämpfendes Dänemark“ akzeptierte. Er bestand aus der Kommunistischen Partei Dänemarks sowie einigen anderen links- und rechtsradikalen kleineren Parteien. Um die Sowjetunion nicht zu verärgern, konnte sich auch die US-Regierung nicht entschließen, den skandinavischen Staat als Verbündeten anzuerkennen.

Dänemark wollte aber nach der deutschen Niederlage zu den Siegern gehören, um ein Stück von dem deutschen Kuchen abzubekommen, den die Sieger unter sich aufzuteilen gedachten. Dazu glaubte es beweisen zu müssen, wie entschieden es die Deutschen wenigstens in den letzten Kriegstagen bekämpft hatte. Und so kam die unmenschliche Anweisung zustande, keine kranken Deutschen, ob Säuglinge oder Erwachsene, zu versorgen, was 7.000 Babies mit ihrem Tod bezahlten.

Der Einsatz hatte sich für Dänemark gelohnt. Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht wurde endlich der deutsche Nachbar als kriegführende alliierte Macht anerkannt und in die Organisation der Sieger, die Uno, aufgenommen. Hans-Joachim von Leesen

Pferdekrankenwagen: Dieses im Lager auf dem Marselis Boulevard in Århus benutzte Fahrzeug war durchaus symptomatisch für die medizinische Versorgung in dänischen Flüchtlingslagern.

Flüchtlingsmädchen hinter Stacheldraht: Es waren vor allem die Kinder, die durch die Internierungsbedingungen existentiell bedroht wurden.