22.01.2022

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02.02.02 Das Wetter in der Heimat im Monat Dezember

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 02. Februar 2002


»Der Frost biß kräftig zu«
Das Wetter in der Heimat im Monat Dezember  
Analysiert von Dr. Wolfgang Terpitz

Weiß und kalt, so präsentierte sich der vergangene Dezember in unserer Heimat. Schon lange nicht mehr lag dort die Landschaft während des ganzen ersten Wintermonats unter einer geschlossenen Schneedecke. Nur in den Küstenregionen war ab dem zweiten Advent für etwa zehn Tage der graue Boden zu sehen.

Die dünne Schneedecke hatte sich bereits Ende November gebildet und wurde durch frostiges und trockenes Wetter konserviert. Zudem hielt hochnebelartige Bewölkung, die am Rande eines russischen Hochs den Himmel bedeckte, warme Sonnenstrahlen vom Schnee fern. Nur am Nikolaustag gelang es dem Ausläufer eines kleinen Tiefs, das von Niedersachsen nach Schlesien zog, dem starken Hoch einiges Terrain abzugewinnen. So konnten im Süden und Westen der Provinz einige Schneeflocken niederrieseln. Nach drei wolkenarmen und sehr kalten Tagen mit Tiefstwerten um minus 15 Grad hatten Ausläufer eines Nordmeertiefs mehr Erfolg. Sie brachten im Süden der Provinz bis zu drei Zentimeter Neuschnee. Am 10. Dezember mischte sich auch Nieselregen in den Niederschlag, in Küstennähe regnete es sogar den ganzen Tag über, aber nur mit geringer Intensität. Trotzdem reichte es, dort die Schneedecke gänzlich zum Schmelzen zu bringen. Inzwischen hatte sich über Deutschland ein Keil des Rußlandhochs verselbständigt und war in den Raum der Britischen Inseln gezogen. Dort übernahm er als selbstständiges Hoch von seinem russischen Bruder bis Weihnachten die Steuerfunktion für das mitteleuropäische Wetter. Es führte zunächst Arktikluft über Ostpreußen zum Balkan. Tiefausläufer brachten etwas Schnee. Dazwischen lockerte sich die Wolkendecke auf, und es wurde mit strengen Dauerfrösten empfindlich kalt. Allenstein meldete am Morgen des 14. Dezember minus 18,6 Grad. Das war im Oberland die tiefste Temperatur dieses Monats. Auch sonst lagen die Minima in diesem Zeitraum oft unter der Minus-10-Grad-Marke.

Danach führte das britische Hoch Tiefausläufer mit polarer Meeresluft in die Heimat. Nun wurde es milder. Die höchsten Tageswerte des vergangenen Dezember fielen in diesen Witterungsabschnitt, und zwar zwischen dem 18. und 20. Dezember. In Königsberg stieg das Quecksilber fast bis auf die 5-Grad-Marke. Andere Städte mußten sich mit 3 Grad begnügen.

Zusammen mit dem Start des astronomischen Winters lenkte das britische Hoch zwei Tiefs mit den Namen „Klaus“ und „Laurin“ aus dem Nordmeergebiet in die Nähe von Ostpreußen. Beide ließen es heftig schneien und stiemen. Innerhalb von wenigen Tagen versank die Landschaft bei Dauerfrost unter einer mächtigen Schneedecke. Besonders dick erwischte es Nidden, wo sich der Schnee am Haffufer bis zu 50 Zentimeter auftürmte. Dort hatte wohl der Leewirbel hinter der hohen Dünenkette beim Abladen der weißen Fracht kräftig mitgeholfen. Aber auch in anderen Orten, wie zum Beispiel in Allenstein, sammelte sich der Schnee bis in Wadenhöhe.

Die Grundlage für weiße Weihnachten war also gelegt. Zudem biß der Frost ab dem 21. Dezember für vier Tage kräftig zu. Vor allem die Nächte waren eisig. In Königsberg zeigten die Thermometer am Heiligen Abend früh minus 18 Grad. Bis zur Silvesternacht, also auch über Weihnachten, schneite es täglich munter weiter. Als die Temperaturen am ersten und zweiten Feiertag vorübergehend knapp über den Frostpunkt stiegen, machte das der Schneedecke kaum etwas aus. Diejenigen, die das neue Jahr draußen begrüßen wollten, mußten warme Mäntel und lange Stiefel anziehen; denn in der klaren Silvesternacht war es um minus zehn Grad kalt. Außerdem lag der Schnee 20 bis 40 Zentimeter hoch. In Nidden türmte er sich bis zu 60 Zentimeter auf. Die Landschaft mag bei dem Mondschein zauberhaft ausgesehen haben. Wenn man auf den gesamten Monat zurückschaut, dann verwundert es nicht, daß er kälter als normal gewesen ist. Die Differenz zum langjährigen Mittel betrug 1,5 bis 2,8 Grad. Die reichlichen Schneefälle brachten in Ostsee- und Haffnähe eine Niederschlagshöhe von etwa 100 Millimetern. Das sind 30 bis 70 Prozent mehr als sonst in einem Dezember. Nur in den Heidegebieten hatte es mit einer Niederschlagssumme von unter 40 Millimetern ein Defizit von 50 Prozent gegeben. Trotzdem verabschiedete sich das alte Jahr auch hier mit einer Schneedecke von 30 Zentimetern.