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09.03.02 Leipzig - Stadt der Literatur

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 09. März 2002


Lange Tradition
Leipzig - Stadt der Literatur

In gut 14 Tagen werden wieder die Freunde des Buches auf ihre Kosten kommen. In Leipzig, der Stadt des Deutschlandtreffens der Ostpreußen am 22. und 23. Juni, werden zur traditionellen Buchmesse vom 21. bis 24. März über 1900 Aussteller aus 30 Ländern erwartet, um ihre Neuerscheinungen zu präsentieren. Nach Frankfurt hat sich Leipzig übrigens zur größten europäischen Buchmesse entwickelt.

Leipzig und Bücher, Leipzig und Schriftsteller - diese Verbindung hat eine lange Tradition. 1481 wird dort das erste Buch gedruckt. 1.300 Titel waren es bis 1530 - liturgische Drucke ebenso wie theologische, philosophische, juristische, mathematische, aber auch erste Werke zur Reformation. Der erste Katalog zur Buchmesse wurde ab 1594 herausgegeben.

In Leipzig erschien auch die erste Tageszeitung der Welt, das war 1660; zwölf Jahre später kam dann dort die erste Gelehrten-Zeitschrift heraus. 1853 wurde „Die Gartenlaube“, sozusagen die „Großmutter“ der heutigen „gelben Blätter“, in Leipzig gegründet. Der erste Musikverlag der Welt, Breitkopf & Härtel, hatte seinen Sitz in Leipzig. Um 1900 zählte man bereits 144 Buchdruckereien im Graphischen Viertel, östlich des Stadtzentrums gelegen.

Die Bibliothek der 1409 gegründeten Universität birgt überaus wertvolle Bände. Mag es an dieser Vielfalt gelegen haben, daß aus allen Teilen Deutschlands einst Studenten nach Leipzig kamen, um sich dort unterweisen zu lassen? Paul Fleming, der bedeutende Lyriker des Barock, besuchte in Leipzig die Thomasschule und studierte anschlie- ßend Medizin; Christian Fürchtegott Gellert studierte Theologie, Philosophie und Literatur, später wirkte er selbst als Professor für Poesie und Rhetorik in Leipzig. Friedrich Gottlieb Klopstock studierte dort ab 1746 Theologie; in Leipzig gab er den ersten drei Gesängen seines „Messias“ die endgültige Form. Auch Gotthold Ephraim Lessing nahm in Leipzig ein Studium auf, zuerst Theologie, dann Medizin. In der Zeitschrift „Der Naturforscher“ veröffentlichte er seine ersten literarischen Versuche. In Leipzig war es auch, daß Lessing Kontakt bekam zur Theatertruppe der Friederike Caroline Neuber, eine Begegnung, die für die Literatur und das Theater entscheidende Folgen haben sollte ...

Leipzig als Universitätsstadt - Goethe nahm hier ein Jurastudium auf, Jean Paul, Novalis, Theodor Körner. Der Ostpreuße Johann Christoph Gottsched aus Juditten kam 1724 auf der Flucht vor den Werbern des Soldatenkönigs nach Leipzig. Er wirkte zunächst als Privatlehrer, dann habilitierte er sich und hielt Vorlesungen über schöne Wissen- schaften. 1730 wurde er zum außerordentlichen Professor der Poesie ernannt, 1734 ordentlicher Professor der Logik und Metaphysik, 1739 zum Rektor der Universität.

Man schrieb das Jahr 1785, als Friedrich Schiller einer Einladung Theodor Körners nach Leipzig folgte. Im Obergeschoß des jetzigen Schillerhäuschens an der Menckestraße arbeitete er am „Don Carlos“ und schrieb die erste Fassung seiner Ode „An die Freude“. 1801 wurde seine „Jungfrau von Orleans“ in Leipzig uraufgeführt. Bei der dritten Aufführung war der Dichter anwesend und wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

Zu den bedeutenden Söhnen der Stadt gehört neben Richard Wagner, der dort 1813 das Licht der Welt erblickte, der 1646 geborene Philosoph Gottfried Wilhelm von Leibniz, der sich für die Pflege und Verbesserung der deutschen Sprache einsetzte. 1655 wurde Christian Thomasius in Leipzig geboren; er gab seit 1688 mit den „Monatsgesprächen“ das erste Rezensionsorgan in deutsche Sprache heraus. Johann Friedrich Kind, geboren 1768, schrieb unter anderem das Libretto zu Webers „Freischütz“. Der Arzt, Philosoph und Schriftsteller Carl Gustav Carus, geboren 1789, war eng mit Goethe befreundet; ihm verdanken wir bedeutende Schriften über den Dichterfürsten.

Zu den Söhnen der Stadt Leipzig, die Bleibendes für die Nachwelt hinterlassen haben, zählt auch der 1830 geborene Richard von Volkmann, der als Lyriker und Erzähler das Pseudonym Richard Leander benutzte; als Arzt machte er sich einen Namen mit der Einführung antiseptischer Wundbehandlung und in der modernen Orthopädie. Carl Sternheim, Leipziger des Jahrgangs 1878, schrieb unter anderem die Komödien „Bürger Schippel“ oder „Die Hose“. Die Erzählungen von Arthur Heinz Lehmann, geboren 1909, über den Hengst „Maestoso Austria“ und die Stute „Deflorata“ werden noch heute gern gelesen.

Goethe und Schiller, Gottsched, Lessing und die Neuberin, Wagner und Leibniz - Namen, die aus der deutschen Kulturgeschichte nicht wegzudenken sind, Namen, die eng mit der Stadt Leipzig und ihrer Geschichte verbunden sind. Der eine oder andere Besucher der Stadt mag auch während des Deutschlandtreffens am 22. und 23. Juni die Muße finden, sich dieser Großen der deutschen Kulturgeschichte zu erinnern. Silke Osman