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16.03.02 Pierre Campguilhem sprach mit dem Fernost-Experten Pierre Rigoulot

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. März 2002


Nordkorea: Im Visier von »Big Brother«
Pierre Campguilhem sprach mit dem Fernost-Experten Pierre Rigoulot

Als Herausgeber eines Informationsbriefes über die koreanische Halbinsel gilt Pierre Rigoulot in Frankreich - und auch darüber hinaus - als ein angesehener Spezialist für alle Aspekte des koreanischen Problems. Im „Schwarzbuch des Kommunismus“ hat er das Kapitel über Nordkorea geschrieben, so daß bei dem informativen persönlichen Gespräch, das wir in Paris mit ihm haben führen können, einige unbekannte Tatsachen zu erfahren waren.

Pierre Rigoulot ist nicht sehr optimistisch bezüglich der Lage in Korea und erwartet von der Entwicklung der internationalen Beziehungen in dieser Hinsicht eher eine zunehmende Spannung als eine Fortdauer der Entspannung, die der damalige US-Präsident Bill Clinton und seine Außenministerin Madeleine Albright einzuleiten versucht hatten.

Und das nicht nur, weil George W. Bush weiterhin Nordkorea als einen Schurkenstaat einstuft, sondern auch, weil die Lage in Korea eng von den Beziehungen zwischen Washington und Peking abhängt. Entweder wird Bush versuchen, gute Kontakte mit China zu unterhalten, oder er wird die gesamte US-amerikanische Strategie seinem „unerbittlichen Kampf gegen den Terrorismus“ unterordnen.

In diesem zweiten - und, wie es derzeit scheint, wahrscheinlicheren - Fall wäre es erstaunlich, wenn die US-Amerikaner nichts gegen Pjongjang unternähmen. Denn mit Irak, Iran und Nordkorea wird die „Achse des Bösen“ von Bush und seinen Stellvertretern definiert.

Nordkorea ist in der Tat eines der bedeutendsten Exportländer für Waffen von massiver Zerstörungskraft. Geliefert wird vor allem in den Mittleren Osten, das heißt in jene Staaten, die ins Visier Washingtons geraten sind. Rigoulot schätzt, Pjongjang habe allein 600 SCUD-Raketen nach Iran, Irak und vielleicht auch nach Syrien verkauft.

Trotz aller Mutmaßungen der westlichen Nachrichtendienste ist es nicht sicher, ob Nordkorea auch eigene Nuklearwaffen besitzt. Über zahlreiche biologische und chemische Waffen dürfte es aber auf jeden Fall verfügen. Nach Ansicht Rigoulots gäbe es für Washington nur eine einzige Möglichkeit, hier etwas Näheres zu ermitteln, und zwar durch die Verifizierungsmannschaften der Uno und ihrer Sonderorganisationen. Nordkorea ist nämlich wie Südkorea Mitglied der Uno und hat als solches zahlreiche Abkommen und Verträge in der Vergangenheit unterzeichnet, die unter anderem die Verbreitung und die Erzeugung von ABC-Waffen untersagen.

Mit Bezugnahme auf die Schwierigkeiten, mit denen die Uno-Kontrolleure in Bagdad derzeit konfrontiert sind, kann man nur höchst skeptisch gegenüber den Erfolgschancen der Amerikaner bleiben, in Pjongjang eine echte Entmilitarisierungspolitik der nordkoreanischen Militärmacht durchzusetzen und zu überwachen. Insofern werden die 37.000 GIs, die in Südkorea stationiert sind, noch lange Alarmbereitschaftsübungen erleben.

Laut Pierre Rigoulot bildet bis auf weiteres die humanitäre Hilfe das einzige Washington zur Verfügung stehende Druckmittel. Nach Angaben Pjongjangs sollen seit 1995 in Nordkorea 200.000 Menschen durch Hungersnöte gestorben sein. Nach unabhängigen Schätzungen aber käme eine Zahl von zwei Millionen Toten der Wirklichkeit näher. Die Volksrepublik China und die Vereinigten Staaten helfen den nordkoreanischen Machthabern und ihrem Volk; organisiert wird diese Hungerhilfe durch die Uno.

Diese Hilfsmaßnahmen aber haben - je nachdem, welchen Schätzungen man folgt - 100.000 bis 300.000 Nordkoreaner nicht daran gehindert, Zuflucht im angrenzenden China zu suchen. Einige dieser Flüchtlinge reisen, wie Rigoulot berichtet, weiter nach Südkorea, und obgleich ihre Zahl noch sehr gering ist (einige Hunderte), ist doch nicht zu übersehen, daß - unterstützt vor allem von evangelischen Hilfsorganisationen - immer mehr Nordkoreaner die kommunistische Welt verlassen.