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16.03.02 Mit dem »Topfgucker« unterwegs - Jeder Landstrich hat seine eigenen Küchengeheimnisse

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 16. März 2002


Eine Kulinarische Reise in die Heimat
Mit dem »Topfgucker« unterwegs - Jeder Landstrich hat seine eigenen Küchengeheimnisse

Heimat kann schmecken. Oder sind Sie, liebe Leserin, lieber Leser, wenn diese Heimat Ostpreußen ist, nicht auch sofort „zu Hause“, wenn Ihnen Beetenbartsch, Königsberger Klops oder Schmandhering vorgesetzt wird? Und dann auch noch so schmeckt wie von Mutter gekocht?

Aber nicht immer hält die Erwartung, was sie verspricht. Besonders in Gaststätten. Was da oftmals als Königsberger Klopse angeboten wird, hat in Geschmack und Konsistenz recht wenig mit unserm Nationalgericht zu tun. Obgleich nach einer Umfrage gerade dieses Gericht zu den am meisten gefragten deutschen Spezialitäten gehört. Das ist immerhin tröstlich. Auch daß sie noch immer „Königsberger“ Klopse heißen und nicht Kaliningrader.

In den 50er Jahren hat sie tatsächlich einmal ein niedersächsischer Gastronom so auf die Speisekarte gesetzt. Die Klopse haben weder ihm noch seinen Gästen gemundet: Der Name mußte schleunigst geändert werden.

Zum Glück läßt man den Tilsiter Käse auch Tilsiter Käse sein. Obgleich er nicht mehr aus der Stadt und dem Land an der Memel kommt. Zwar meinte das die Redaktion von Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“, indem sie die Frage konzipierte: „Wo kommt der Tilsiter Käse her“, und als richtige Antwort „aus Rußland“ (!) vorgab, aber hier hatte sie sich doch gewaltig geirrt. Der Kandidat übrigens noch mehr, denn er vermutete als Heimat des Tilsiters „Holland“. Es soll zwar eine kleine Molkerei in Heinrichswalde geben, die ihn herstellt, aber nur in geringer Menge. Und ob er so pikant und vollmundig schmeckt wie der echte Tilsiter, dürfte mehr als fraglich sein.

Aber darüber wissen wahrscheinlich manche Landsleute und Freunde unserer Heimat mehr, wenn sie in der letzten Zeit in Ostpreußen gewesen sind. Wie über alles, was dort heute auf den Speisekarten steht - falls es überhaupt welche gibt -, also kurz: was dort an Speisen angeboten wird. In den Berichten, die wir bekommen, gibt es kaum Informationen darüber, und wenn, sind sie unterschiedlicher Art. So berichtete ein schlesischer Besucher, daß er in Insterburg sehr gut gespeist hätte - obgleich er vorher das Gegenteil gehört hatte -, dagegen von einer anderen vom Reiseveranstalter wärmstens empfohlenen Gaststätte schwer enttäuscht war.

Dies und viele Fragen, die in dieser Hinsicht oft an uns gestellt werden, haben uns nun veranlaßt, die reiseerfahrene Leserschaft zu bitten, uns ihre „kulinarischen“ Erfahrungen mitzuteilen. Was können Sie über „Essen und Trinken“ im heutigen Ostpreußen berichten? Natürlich wird das Bild in den touristisch erschlossenen Gebieten wie Ermland und Masuren anders sein als im Königsberger Bezirk, anders am Frischen als am Kurischen Haff, anders bei den von Veranstaltern fest gebuchten Häusern als in Gaststätten, die man als Einzelreisender aufsuchen kann.

Dabei taucht auch die Frage auf, wo und welche Spezialitäten geboten werden, die aus unserer heimischen Küche stammen oder zumindest diesen ähnlich sind. Wir denken da an Sauerampfersuppe, Schmand mit Glumse, Graue Erbsen, Beetenbartsch, Kartoffelkeilchen, Schmandschinken, Backobst mit Klößen, Kumstsuppe, Rinderfleck, Dämpfkarbonade und die vielen Fischgerichte, an denen unsere ostpreußische Speisekarte so ungeheuer reich ist. Ein altes Königsberger Kochbuch weist allein 20 Hecht-Rezepte auf! Und so läuft uns in Gedanken an Pflück-hecht, Haffzander und Kaulbarschsuppe, an Spickaal, Stremellachs, Cranzer Flundern und Nikolaiker Maränen das Wasser im Mund zusammen. Wo und wie zubereitet wird heute Fisch aus unseren Heimatgewässern serviert? Wird auch Wild wie Hase und Reh in Gaststätten, Hotels und Pensionen angeboten. Und wie steht es mit Geflügel? Die „Masurische Gans“ war ja einmal bekannt und begehrt als idealer Bratvogel.

Fragen über Fragen, die aber sicher gerne beantwortet werden. Eine Kostprobe haben unsere Leser ja schon vor drei Jahren gegeben, als wir für den Küchenmeister Harald Saul in unserer „Ostpreußischen Familie“ nach alten ostpreußischen Familienrezepten suchten: Das Echo war geradezu überwältigend.

Nun, diesmal geht es ja um Erfahrungen, die unsere Leser heute zwischen Weichsel und Memel gemacht haben. Und auch noch östlich davon, denn die baltische Küche wollen wir einbeziehen, sie galt vor dem Ersten Weltkrieg als eine der besten Europas. Viele Rezepte aus Litauen und Lettland sind ja den ostpreußischen ähnlich, vor allem von Fischgerichten und Süßspeisen.

Liebe - so sagt man - geht durch den Magen. Heimatliche aber mitunter auch.

Schreiben sie bitte an: „Das Ostpreußenblatt“, Redaktion, Kennwort: Kulinarische Reise“, Parkallee 84/86, 20144 Hamburg.

Eure

Ruth Geede