26.01.2022

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30.03.02 / Die ostpreußische Familie extra

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 30. März 2002


Die ostpreußische Familie extra
Lewe Landslied und Freunde unserer Ostpreußischen Familie,
Ruth Geede

mit einem kleinen Dankeschön möchte ich unsere Oster-Extra-Familie beginnen - warum, das wird gleich zu lesen sein. Den Dank spricht Dipl.-Ing. Wolfgang Steinau aus, der das Buch "Liebelei mit der Kleinbahn" von Marga Garnich suchte, auf unsere Veröffentlichung hin viel nette Post und Anrufe bekam und es schließlich über das Internet von einem Antiquariat erhielt.

Dieser Mitteilung schloß er dann die Bitte um Angaben über seine Großtante Johanna Zastrutzki, zuletzt wohnhaft in Rauschen, und deren Nachkommen an. Ehe ich seinen Wunsch bringen konnte, erhielt ich schon die freudige Mitteilung: Erledigt! Durch den Ortsvertreter von Rauschen, Hans-Georg Klemm, und Herrn Steinaus im Internet suchenden Sohn wurde die heute 82jährige Schwiegertochter Elli Zastrutzki in Einbeck gefunden.

Darum habe ich diese Mitteilung an den Anfang gestellt. Ich möchte gerne darauf hinweisen, daß man das Internet, diese so leicht zugängliche Suchmöglichkeit nach den Adressen von Landsleuten, nutzen sollte, ehe man sich an unsere Familie wendet. Dies kann aus verständlichen Gründen nicht Aufgabe einer Redaktion sein. Natürlich gibt es Leserinnen und Leser, die keinen Zugang zum Internet haben, dann können wir vermitteln. Aber wir können aufgrund der ständig steigenden Zahl von Zuschriften wirklich nur dann die Bitten veröffentlichen, wenn alle anderen Wege zu keinem Ergebnis führten. Das tun wir dann umso lieber, weil wir für diese Wünsche so genügend Platz haben. So, wie Herr Steinau das am Schluß seines Briefes richtig formuliert hat: "Ihnen wird es aufgrund der sich angehäuften Anfragen nur recht sein, wenn ein Aufruf an die ,lewen Landslied' nicht mehr vonnöten ist."

So habe ich nun auch Platz bekommen für das schon etwas "abgelagerte" Schreiben von Ingrid Scarbarth, das mir insofern Mühe macht, weil darin viele Namen genannt sind - fast zu viele sogar für diese Extra-Familie. (Doch nichts gegen den Brief, den ich gerade bekommen habe, und der 21 Fragen enthält!) Versuchen wir's! Frau Scarbath wurde als Ingrid Rahm im März 1944 in Lötzen, Neuendorfer Straße 43, geboren. Die väterliche Linie: Vater Bruno Rahm, * 1905 in Sensburg. Großeltern Rudolf Emil Rahm, * 1874/† 1923 in Sensburg, und Elise geb. Utzharth, * 1878 in Lötzen. Deren Vater war Ferdinand Utzharth, † 1902 in Lötzen.

Die mütterliche Linie: Mutter Helene Rahm geb. Wissigkeit, * 1904 in Lasdehnen. Großvater Emil Wissigkeit, * 1877 in Neunassau, besaß die Molkerei Großgarten und bis 1929 das Geschäft "Spezial" in Angerburg. Die Linie führt weiter zurück in das nördliche Ostpreußen, nach Kraupischken, Ahzlacken, Laukischken, Sterkeningken und Pligischken. Die Suche geht nach Nachkommen der in dieser Gegend beheimateten Familie Wissigkeit. Urgroßvater Emil, Lehrersohn aus Ahzlacken, war Gastwirt und Molkereibesitzer und soll noch fünf Geschwister gehabt haben. Neueren Datums (1940) sind die Namen von Karl Wissigkeit, Postassistent in Darkehmen, und Anna Wissigkeit aus Tilsit. Weitere Familiennamen: Prochnow, Broschell und Riedel. So, nun hoffe ich, daß Frau Scarbarth bald Verwandte findet und ihre Familiengeschichte ergänzen kann. (Ingrid Scarbath, Ressener Straße 26 a in 15913 Goyatz.)

Charlotte Gassert stammt aus Königsdorf, Kreis Heiligenbeil. Als Ortsvertreterin ihres Heimatdorfes und zwei benachbarter Gemeinden sucht sie - auch im Interesse der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil - zwei Familien, nach denen sie bisher vergeblich geforscht hat. Bei der Familie Klang aus Königsdorf gibt es wenigstens einen Anhaltspunkt, daß sich die Nachkommen im Westen befinden. In Flensburg, Bodenhauser Straße, soll Tochter Elfriede gelebt haben. Die Post kam aber mit dem üblichen Vermerk "unbekannt" zurück. Die etwa 1928 geborene Elfriede hatte außer der etwas jüngeren Schwester Hilde noch zwei Geschwister. Die Familie wohnte bis zur Flucht im sogenannten "Wenkschen Haus". Der Vater verstarb noch in der Heimat. - Die auf dem elterlichen Hof von Frau Gassert lebende Familie von Rudolf Werner hatte fünf zwischen 1924 und 1930 geborene Kinder: Frida, Lotte, Margarete, Fritz und Rosemarie. Deshalb glaubt Frau Gassert, daß die Familie nicht ganz ausgelöscht ist. Mit der 1926 geborenen Lotte war Frau Gassert noch 1947 während ihrer Gefangenschaft in Rippen bei Ludwigsort zusammen. Vielen Dank, liebe Frau Gassert, für Ihre so einfühlsam geschilderte und erschütternde Biographie "So war es ... Mein Leben - ein steiniger Pfad". Ich komme noch darauf zurück. (Zuschriften an Charlotte Gassert, Fritz-Reuter-Straße 36 in 19258 Boitzenburg.)

Gerda Rogler ist noch immer auf der Suche nach ihrem Stiefbruder Herbert Dumschat und hofft, über unsere Familie endlich ein paar Hinweise zu bekommen. Der Mädchenname der 1925 im Kreis Pillkallen (später Schloßberg) geborenen Ostpreußin lautet Gerda Tesch. Ihr Stiefbruder Herbert Dumschat wurde am 5. September 1926 in Hermannsdorf (damals Hermoneiten, Kreis Pillkallen) geboren. Er war bis Ende Juni 1944 Schüler der Lehrerbildungsanstalt in Memel, kam dann zur militärischen Ausbildung nach Allenstein. (Cambrai-Kaserne / Panzer Einheit.) Viele seiner Klassenkameraden waren auch dort. Von einem dieser ehemaligen Mitschüler erfuhr Frau Rogler jetzt von den Geschehnissen beim Kampf um Allenstein wie von dem Blutbad am Wadang-See. Er konnte aber nichts über das Schicksal von Herbert Dumschat aussagen. Vielleicht erinnern sich noch andere Kameraden an ihn, damit Frau Rogler endlich Gewißheit bekommt? (Gerda Rogler, Wißmathweg 15 in 95615 Marktreditz-Brand.)

Auch Else Rohr sucht ihren Bruder Ernst Strzelski, *20. April 1930 in Kleschauen, Kreis Angerapp. Über seinen Lebenslauf nach dem Russeneinfall im Januar 1945, als der damals 15jährige von der Familie getrennt wurde, gibt es unterschiedliche Hinweise. So soll er von einer benachbarten Familie im Kreis Dannenberg gesehen worden sein, auch aus dem Erzgebirge gibt es ähnliche Angaben. Aufbauen wollen Frau Rohr und die mitsuchende Nicole Knöpfle aber ihre Nachforschungen auf der wohl ziemlich authentischen Aussage, daß Ernst Strzelski mit der Nachbarsfamilie Lentzko zurück nach Kleschauen wollte. Ein Mädchen aus dem Kreis Angerapp meinte, sie hätte Ernst zuletzt in einem Lager bei Weedern gesehen. Auch heißt es, der Junge hätte damals Typhus gehabt. Wir haben schon alles versucht, wir wissen nicht mehr weiter ..." schreiben die beiden Frauen aus Villingen und hoffen nun auf den Tip, den ihnen die Kreisgemeinschaft Angerapp gab: Unsere Ostpreußische Familie. (Else Rohr/Nicole Knöpfle, Rappenweg 10 in 78048 VS-Villingen.)

Jetzt, da Waltraut Ulonska Rentnerin und Witwe ist, liest sie besonders gerne und intensiv Das Ostpreußenblatt. Nun kann sie sich noch einmal verstärkt um die Aufklärung des Schicksals ihres Vaters Heinrich Schiwek, * 15. August 1911 in Reihershorst (damals Wollisko), Kreis Johannisburg, bemühen, der seit dem 9. April 1944 vermißt wird. Heinrich Schiwek gehörte dem Grenadier-Regiment 121 der 50. Infanterie-Division an und war Träger der Erkennungsmarke - 408 - Stmm. Kp. I. E.B. 346. Die Einheit war im April 1944 an der Nordfront Krim eingesetzt. Der Vermißte ist wahrscheinlich bei den Kämpfen im Raum Sewastopol gefallen, er kann auch während der Überfahrt von oder nach Rumänien verstorben sein. Diese Mitteilung erhielt Frau Ulonska vom DRK- Suchdienst München. Sie fragt nun, ob sich noch ehemalige Kameraden an die Kampfhandlungen und sogar an ihren Vater erinnern. Nachfragen bei der deutschen Dienststelle (WAST) erbrachten nichts. Außerdem würde Waltraut Ulonska, geb. Schiwek, sich freuen, Verbindung zu weiteren Namensträgern zu bekommen. Sie stammt aus Sernau, Kreis Johannisburg, und lebte von 1945 bis 1958 in Reiherswalde, kam dann nach Westfalen. (Waltraut Ulonska, Kastanienallee 14 in 56567 Neuwied.)

Die nächste Suchfrage wird von einer Rechtsanwältin gestellt, die eine Ostpreußin in einer Rentenangelegenheit vor dem Versorgungsamt Freiburg vertritt. Ihre Mandantin ist Gertrud Bublitz, * 16. November 1938 in Liebemühl, Kreis Osterode, jetzt wohnhaft in Lenzkirch. Den Rentenantrag hat Frau Bublitz gestellt mit der Begründung, daß sie als Kind zusammen mit ihren Eltern Emil und Erna Bublitz aus Liebemühl fliehen mußte, sich auf der Flucht durch eine Immunschwäche mit dem Tbc-Erreger infiziert hat und seither durch eine Wirbelsäulen-Tbc körperlich schwer behindert ist. Das Versorgungsamt wies den Antrag ab mit der Begründung, daß es heute nicht mehr nachweisbar sei, daß auf dieser Flucht extreme Lebensbedingungen herrschten, die signifikant über das Maß hinausgegangen seien, unter denen der Großteil der Bevölkerung zu leiden hatte (!). Frau Bublitz erklärt, daß ihre Flucht extrem lang dauerte, eingepfercht in ungeheizten Güterwagen bei großer Kälte, auf den Zwischenstationen Übernachtung in ungeheizten Ställen oder im Freien. Bisher haben sich auf der Suche nach Zeitzeugen nur Vertriebene gemeldet, die auf ähnlichen Wegen geflohen sind. Auch eine Anzeige erbrachte nichts, deshalb hier noch einmal gezielt die Suche nach Landsleuten, die im Januar 1945 mit dem letzten Transport aus Liebemühl herauskamen, dessen Endstation im März Brokdorf in Schleswig-Holstein war. Wer erinnert sich an die Schick-salsgefährten Emil und Erna Bublitz mit ihrer sechsjährigen Tochter Gertrud? (Ulrike Daniela Fiedler, Rechtsanwältin, Schulstraße 2 in 79853 Lenzkirch.)

Daß in unserer Familienspalte gestellte Wünsche manchmal ein anderes Ergebnis bringen als erhofft, mindert nicht die Freude an dem unerwarteten Erfolg. Das beweist wieder einmal der Brief von Lieselotte Angermann. Sie wünschte sich eine Klärung des Schicksals ihres vermißten Bruder Hans-Georg Rehberg, aber sie erhielt keine Zuschrift zu dieser Frage. Dafür bekam sie aber Kontakt zu ihrem Cousin. Leider ist dieser inzwischen verstorben, aber Frau Angermann erhielt noch von ihm die Adresse seiner Schwester in Frankfurt/Main. "Wir haben jetzt telefonischen Kontakt, und das ist schön, denn wir beiden sind die Letzten aus unserer Familie", schreibt Frau Angermann. Auf ihre Bitte hin forschen wir noch einmal nach Hans-Georg Rehberg, * 24. August 1924, aus Königsberg, Krugstr. 13 a, der seit 1945 im Raum Schlesien vermißt wird. Und dann sucht sie noch ihre Freundin Gertrud Pusch aus der Krugstraße 10, die heute etwa 70 Jahre als sein müßte. (Lieselotte Angermann, Straße des Friedens 33 in 04860 Torgau.)

Eine Freundin aus alten Kindertagen in Rosenberg, Kreis Heiligenbeil, sucht auch Vera Leinert, geb. Gerwien. Mit Christa Hopp drückte sie nicht nur die Schulbank, die Mädchen wohnten auch im gleichen Haus. Da Frau Leinert 1927 geboren wurde, müßte Christa heute auch Mittsiebzigerin sein. Ihre Mutter hieß Gertrud Hopp und war Kriegerwitwe. Sie hatte noch zwei jüngere Töchter, die Zwillinge Renate und Urte. Auch über eine weitere Freundin würde Frau Angermann gern etwas erfahren: Gerda Gerwin wohnte im Haus gegenüber. Von dieser Familie weiß Frau Angermann, daß die Mutter Anna Gerwin - ihre spätere Anschrift war Cederwaldstraße 30 in Bergisch Gladbach - verstorben ist, auch die älteste Tochter Erika soll nicht mehr leben. Aber wo sind Gerda und ihre Schwester Ingrid? Vielleicht erinnern sich auch andere Rosenberger an Vera Gerwien, die im Februar 1945 als Achtjährige mit der Mutter und ihren fünf Geschwistern - das jüngste gerade sechs Wochen alt - auf die Flucht ging. Sie besitzt übrigens noch ein Foto aus ihren Kindertagen mit den gesuchten Freundinnen. Damit könnte sie ihnen eine kleine Freude mache - die große wäre wohl das Wiederfinden! (Vera Leinert, Medenbreite 31 in 23556 Lübeck.)

Über ihren Vater Fritz Reinhold Czylinski möchte Ingrid Voigtländer gerne mehr wissen - als er im Februar 1945 ums Leben kam, war sie gerade 14 Monate alt. Da die Mutter Rheinländerin ist, konnte sie ihrer Tochter nichts über die Kinder- und Jugendjahre des Vaters in Ostpreußen berichten. Und Frau Voigtländer ist brennend daran interessiert. Vielleicht finden sich jetzt ehemalige Freunde, Nachbarn und Kameraden, die das Dunkel etwas erhellen können? Fritz Reinhold Czylinski wurde am 21. Februar 1913 in Memel-Bommelsvitte Nr. 18 geboren. Seine Eltern waren der Maler Reinhard Czylinski aus Königsberg und Emma geb. Darkewitz, verw. Haffke, aus Memel. 1923 zog die Familie nach Königsberg, wohnte zunächst in der Samitter Allee, später in der Rosenauer Straße. Von 1927 bis 1930 machte der junge Mann eine Malerlehre bei Malermeister Fritz Kuhnke, Königstraße 86 in Königsberg. 1938 wurde Fritz Reinhold Czylinski zur Wehrmacht/ Flak einberufen. Ein gerettetes Fotoalbum zeigt Aufnahmen von Kameraden und Flakgeschützen, auf einigen ist "2.Flak-Regt.11." zu erkennen. Es gibt Aufnahmen aus Brüsterort und Frankreich, wo der Wachtmeister bei der 1. Flak-Ers.Abtg.12 an der Kanalküste eingesetzt war. Letzte Wohnanschrift aus dem Jahr 1938: Königsberg, Sarkauer Straße 9 bei Thiering. Zu erwähnen ist noch, daß Fritz Reinhold Czylinski auch ein begabter Kunstmaler war, vielleicht gibt es irgendwo noch Ölgemälde, Radierungen oder Aquarelle von ihm. Für jede Nachricht, auch über die Schul- und Konfirmandenzeit ihres Vaters, wäre die Tochter dankbar. (Ingrid Voigtländer, Berliner Straße 17 in 53840 Troisdorf)

Das sind wieder Fragen, Wünsche, Hoffnungen. Und sie lassen unsere Ostpreußische Familie wachsen. Es ist schon erstaunlich. wie unsere Erfolge weitergetragen werden. So daß auch dort, wo der letzte Keimling "Hoffnung" schon zu verdorren drohte, wieder Mut aufgekommen ist, weiter zu suchen, weiter zu forschen...

Es gibt eben keinen fruchtbareren Boden als unsere Ostpreußische Familie. Und das paßt doch so recht zum Osterfest.

Eure

Ruth Geede

Foto: Archiv: 1. Ostern in der Heimat: Frühlingserwachen im malerischen Anemonenwald in Neuhausen-Tiergarten Foto: D. Blankennagel

2. Gertrud Pusch