15.04.2024

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06.04.02 / Deutsche Mediengeschäfte: Drang nach Osten

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. April 2002


Deutsche Mediengeschäfte: Drang nach Osten
Konzerne kaufen Zeitungsmärkte auf
von Martin Schmidt

Die zweistelligen Wachstumsraten unserer Exportwirtschaft im östlichen Europa zeigen, daß Deutschland wenigstens im ökonomischen Bereich die wiedergewonnenen Möglichkeiten seiner Mittellage nutzt.

Darüber hinaus verdient die Geschäftstätigkeit deutscher Medienkonzerne in Ostmitteleuropa Beachtung. Schon einige Beispiele aus der gedruckten Presse veranschaulichen das Ausmaß der Beteiligungen von Bertelsmann, Springer, der Essener WAZ-Gruppe, Gruner & Jahr oder der um die Neue Passauer Presse entstandenen Verlagsgruppe Passau (VGP).

Der Einfluß erstreckt sich insbesondere auf die Regionalzeitungen. So ist die Polskapresse - eine Tochtergesellschaft der VGP - mit elf der auflagenstärksten polnischen Regionalblätter zum Marktführer in diesem Segment geworden. In Ungarn, wo als Erbe aus kommunistischer Zeit jedes der 19 Komitate über seine eigene regionale Tageszeitung verfügt, befindet sich über die Hälfte dieser Publikationen in den Händen von Springer, der Rest gehört weitgehend der WAZ-Gruppe oder dem Schweizer Konzern Marquard.

Gruner & Jahr hat sich aus dem ungarischen Regionalzeitungsmarkt zwar wieder zurückgezogen, besitzt dafür aber mit dem linksliberalen ehemaligen KP-Organ Népszabadszag das auflagenstärkste Druckmedium des Landes (täglich 225 000 Exemplare).

Auch in Tschechien wurden die meist kapitalschwachen Regionalblätter reihenweise an ausländische Investoren verkauft. Die mährischen Zeitungen Rovnost (Gleichheit) und Jihomoravyky Den (Südmährischer Tag) kamen gleich nach der Wende zusammen mit etwa 30 anderen Provinzorganen unter die Fittiche der Neuen Passauer Presse.

Den ausnahmslos in Prag angesiedelten überregionalen Tageszeitungen blühte Ähnliches. Alle außer der linskorientierten Pravo (Das Recht) wurden von nicht-tschechischen Anteilseignern übernommen, also auch die renommierte bürgerlich-konservative Mlada Fronta Dnes (Heute) und die linke Lidove noviny (Volkszeitung). Den größten Teil des Kuchens hat sich der Schweizer Ringier-Verlag gesichert, gefolgt von Springer, der Rheinischen Post und der französischen Robert-Hersant-Gruppe.

In der Slowakei, für deren rund fünf Millionen Einwohner es die stattliche Zahl von 14 überregionalen Tageszeitungen gibt (in England sind es beispielsweise nur zehn), ist die Lage ähnlich.

Die Verlagsgruppe Passau, die sich mit dem größten slowakischen Druckkonzern VMV zusammenschloß, beherrscht auch hier den Regionalzeitungsmarkt und kontrolliert zudem die überregionale Mitte-Rechts-Zeitung SME (Wir sind), die linke Rolnicke noviny (Bauernzeitung) sowie die ungarischsprachige Uj Szo (Neues Wort).

Zu allen diesen Unternehmungen ist jedoch zu sagen, daß das Geschäft und wohl nur dieses die Triebkraft ist. Befürchtungen in Polen, Tschechien oder Ungarn vor politischer Fremdbestimmung erscheinen grundlos.

Der Linkstenor der ungarischen Springer-Zeitungen im laufenden Wahlkampf unterstreicht die nahezu grenzenlose Anpassungsbereitschaft an die vorgefundene Lage, sofern nur die Kasse stimmt.

Daher ist eine andere Warnung ernster zu nehmen. Vorgebracht wurde sie 1998 von polnischen Provinzverlegern gegenüber Präsident Buzek: "In den Blättern, die ausländische Medienkonzerne übernommen haben, wird darauf geachtet, Konflikte zu vermeiden. Deshalb hören solche Zeitungen auf, ihr Wächteramt wahrzunehmen, und zeigen sich ‚indifferent' gegenüber den lokalen Autoritäten."