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06.04.02 / Ehrung und Erinnerung für einen Dichter und Mahner

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. April 2002


Ehrung und Erinnerung für einen Dichter und Mahner
Aus der Arbeit der Johannes Bobrowski-Gesellschaft

Zum 85. Geburtstag des Dich- ters Johann Bobrowskis in diesem Jahr besteht die "Johannes Bobrowski-Gesellschaft" anderthalb Jahre. Der Tilsiter wohnte seit 1953 mit seiner Familie (vier Kinder) in Berlin-Friedrichshagen, Ahornallee 26. Am 20. Oktober wurde dort die von Wilfried Fitzenreiter geschaffene Gedenkplakette am Haus enthüllt und in Gegenwart vieler Gäste feierlich angebracht. Nach vielen literarischen Auszeichnungen zu seinen Lebzeiten soll dem Dichter damit eine Ehrung und Erinnerung zuteil werden, die sich mit besonderer Kraft für ihn und sein Werk mit Leseabenden, Seminaren und Vorträgen einsetzt. Die Besonderheit seines Schaffens liegt in der unermüdlichen Arbeit als Schriftsteller, Dichter und Mahner - zur Achtung vor östlichen Kulturen, geistesgeschichtliche Zusammenhänge erkennend, getragen von der Liebe zu den dort zusammenwohnenden Völkern: Ostpreußen, Balten (Litauer, Letten, Esten mit Deutschen), Polen, Russen und die friedlich zwischen ihnen allen wohnenden Juden. Schmerzvoll erlebte Bobrowski deren Vertreibung aus Städten und Dörfern, in denen sie mit ihren Familien ihren festen Platz hatten, geachtet und geschätzt. Jede dieser Volksgruppen hat einen bedeutenden kulturgeschichtlichen Hintergrund, der mit den Jahren des Dritten Reiches zerschlagen wurde, besonders die "Judenheit", wie er sie in seinem literarischen Schaffen nennt.

Den ideellen Anstoß zur Gründung der "Johannes Bobrowski-Gesellschaft" gab Eberhard Jäger als jahrelanger Freund des Dichters. Durch die Gründung der Gesellschaft möchte Jäger nicht nur die ältere Generation, sondern auch gerade die Jugend für die Literatur Bobrowskis interessieren und bietet in Oberstufen der Gymnasien sowie in den Universitäten Seminare durch gewonnene Lehrer und Professoren an. Ihm geht es um das Weitertragen der Botschaft und der zugrundeliegenden Philosophie Bobrowskis als Wunden heilende Kraft, Gespräche zur Verständigung zu suchen und nicht Konfrontation.

Die organisatorische Gründung der Gesellschaft ist in erster Linie dem Einsatz der Galerie der Berliner Graphikpresse, Dr. Peter Röske, seiner Frau und seiner Mitarbeiterin Monika Radloff zu verdanken. Sie stellten schon lange vor der Gründung ihre großzügigen Räumlichkeiten als den bestgeeignetsten Ort für Johannes Bobrowski-Lesungen - verbunden mit gleichzeitiger Ausstellung von Kunstwerken verschiedener Kunstrichtungen zur Verfügung. So hatte dort auch Justus Bobrowski (der ältere Sohn) immer wieder die Gelegenheit, Graphiken und Gemälde auszustellen und aus Werken seines Vaters vorzutragen. Vom April und Sommer 2000 an liefen vermehrt Anstrengungen zur Gründung durch die Galerie und Carl-Adam Bobrowski. Durch Öffentlichkeitsarbeit, Kontaktaufnahme zu wichtigen Personen im literarischen Bereich weckte er Interesse für die Idee. Am 9. Dezember 2000 dann waren 40 bis 50 Kenner der Literatur Bobrowskis aus den verschiedensten Teilen Deutschlands zusammengekommen, um über die Gründung abzustimmen. Verleger Klaus-Peter Gerhardt, Berlin, hatte vom Spätsommer bis zu diesem Zeitpunkt seine dafür erforderlichen grundlegenden Kenntnisse eingebracht, und so waren ihm alle Anwesenden dankbar für die sehr verdienstvolle umsichtige Ausarbeitung des Satzungsentwurfes. Prof. Klaus Wagenbach, Verlagsleiter seiner eigenen Publikationen über Jahrzehnte und Förderer der verlegerischen Tätigkeit Bobrowskis, der sehr früh schon seine große Begabung erkannte, wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Dr. Dietmar Albrecht erhielt den 2. Vorsitz zugesprochen. Der Witwe des Dichters, Johanna Bobrowski, und ihren zwei Söhnen Justus und Carl-Adam gebührt besonderer Dank, denn sie haben über viele Jahre hinweg das geistige Erbe ihres Mannes und ihres Vaters verwaltet und gefördert. Auch indem sie nach wie vor Besuchern Gelegenheit geben, das Arbeitszimmer des Dichters (mit den vielen Übersetzungen seiner Werke in viele andere Sprachen) zu besichtigen.

Eberhard Jäger führte viele Veranstaltungen im Raum Springe durch: in Museen, der Stadtbücherei, immer mit Ausstellung vieler Bobrowski-Werke und Zeitdokumenten, aber auch mit Werken des Sohns Justus und unter Beteiligung des Bruders Carl Adam. Oft hat Jäger selbst in unübertrefflicher Art gelesen - wer ganz in einem Werk lebt, vermag die Zuhörer zu fesseln. Durch seine vielen Verbindungen und eigene Ausstrahlung hat er zu allen Jahrzehnten wahre Könner gefunden, die die Interpretation ohne Gage durchführten. Es wäre unmöglich, an dieser Stelle alle Aktivitäten aufzuzählen.

Einblick in künftige Planungen erhält der Interessierte bei dem Geschäftsführer der Johannes Bobrowski-Gesellschaft. Carl-Adam Bobrowski, Ahornallee 26, 12587 Berlin, Telefon 0 30/64 09 12 97. Das Dichterzimmer kann nach telefonischer Anmeldung besichtigt werden. Das Grab Johannes Bobrowskis liegt nur zehn Minuten entfernt. Die Galerie Dr. Peter Röske mit der Geschäftsstelle der Johannes-Bobrowski-Gesellschaft als Ort des eingetragenen Vereins steht offen in der Gabelsberger Straße 6, 10247 Berlin, Telefon 0 30/42 01 24 40 für Erkundigungen und für den Besuch von Künstlern (ständige Ausstellungen) und Interessenten (auch für speziell Bobrowski-Interessierte). Ilse Caspar