26.01.2022

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13.04.02 / Die ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 13. April 2002


Die ostpreußische Familie
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Ruth Geede

Lewe Landslied,

noch einmal - und garantiert zum letzten Mal! - zu dem Buch "Rotes Kopftuch - blaues Kleid". Die Spenderin des ersten Buches, Waltraud Schröder, freut sich, daß nun auch Hildegard Kolberg ein Exemplar erhalten hat und Autorin wie Illustratorin jetzt ihre "Kinder" wiederhaben. Sie schreibt: "Es ist nicht zu glauben, solch ein Ausgang nach 60 Jahren! Man muß es einfach erlebt haben!"

Ja, das kann man auch hoffen für den Suchwunsch, den ein Zufall ausgelöst hat. Am Sonntag, dem 24. 02. 2002 lief im MDR ab 20.15 Uhr eine Sendung, in der sich kurz vor Schluß ein Landsmann vorstellte: Benno Vielhauer (Füllhauer) aus Königsberg. Er wurde von einem ehemaligen Kameraden erkannt. Dieser Mann wird gesucht. Der Sender konnte oder durfte (Datenschutz)) keine Auskunft über den Mann geben. Gertrud Bischof sucht ihn im Zusammenhang mit den ehemaligen Insassen des Lagers Brakupönen, dem berüchtigten Kriegs-Sowchos 141. Dort war auch die Familie Vielhauer aus Bergau inhaftiert, Frau Vielhauer und ihre Schwester Frau Hecht starben während der Lagerzeit. Ihre Kinder Gerd und Christel Vielhauer, Horst Hecht sowie dessen Schwester und Bruder, kamen 1947 von Gumbinnen mit dem Kindertransport heraus. Falls jemand Benno Vielhauer/Füllhauer auch erkannt hat oder ihn kennt, schreibe bitte an Gertrud Bischof, Freiherr-vom-Stein-Straße 31 in 91126 Schwabach. Wobei ich die Hoffnung hege, daß sich der Gesuchte selber meldet.

Einer der eigenartigsten Suchwünsche, die ich je bearbeitet habe, ist wohl der von Ingeborg Bergmann. Er führt in ihre Schulzeit an der Oberschule für Mädchen in Lötzen zurück. Damals, im Frühjahr 1939, verschwand plötzlich eine Mitschülerin der Quinta. SIe hieß Annemarie Lenz, war Jüdin und sah Ingeborg Bergmann sehr ähnlich. Wegen dieser Ähnlichkeit mußten beide Mädchen ihre Geburtsurkunden in die Schule mitbringen. Es kam zu einem Tausch der Schulranzen, und Annemarie Lenz flüchtete mit der Geburtsurkunde von Ingeborg Bergmann. Diese hatte in ihrem späteren Leben immer Schwierigkeiten, ihre Identität zu beweisen, weil die Geburtsurkunde fehlte. Sie hat unentwegt versucht, Annemarie Lenz ausfindig zu machen, aber selbst der von ihr angeschriebene Zentralrat der Juden in Deutschland konnte keinen Hinweis geben, ob Annemarie damals zusammen mit anderen Kindern nach England kam oder wohin sie geflüchtet ist. Erst im vergangenen Jahr bestätigte eine ehemalige Mitschülerin von Frau Bergmann das plötzliche Verschwinden der Klassenkameradin und wies darauf hin, daß es noch eine jüdische Mitschülerin, Lore Fröhlich, gab, die 1938/39 ebenfalls spurlos untertauchte. Lebt Annemarie Lenz noch immer unter dem Namen der Lötzenerin und wo? "Ich freue mich sehr, daß Annemarie damals mit meinen Papieren untertauchen konnte," schreibt Frau Bergmann, "aber ich mußte Jahrzehnte darunter leiden. Und mich beschäftigt noch immer die Frage, ob es mich doppelt gibt!" Frau Bergmann hat versucht, dieses Geschehen in ihrer Autobiographie "Bin ich Ingeborg Hutton?" zu verarbeiten. Ob nun die Veröffentlichung in unserer Suchspalte brauchbare Hinweise bringt? (Ingeborg Bergmann, Curtiusstraße 108 A in 12205 Berlin)

Aus Rostock bekam ich von drei lieben Ostpreußinnen eine alte Postkarte zugesandt. Sie zeigt Aufnahmen aus Triaken (Schwerfelde), Kreis Insterburg. Leben noch ehemalige Bewohner, die auf der Karte vielleicht ihre alte Schule, die Meierei oder das Geschäftshaus Fritz Wittko entdecken wollen?

Eure

Ruth Geede