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13.04.02 / Der Zeitraum von 750 Jahren in einer Sonderausstellung zusammen gefasst

© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 13. April 2002


Geschichte begreifbar machen
Der Zeitraum von 750 Jahren in einer Sonderausstellung zusammen gefasst

Unter dem Titel "750 Jahre Memel" - läuft die erste Sonderschau diesen Jahres im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen. Die bis 1945 nördlichste Stadt Deutschlands ist heute wieder ein wichtiger Handelsplatz an der Ostsee.

Das Jahr 1945 war für die Stadt Memel, die in litauischer Sprache Klaipeda heißt, ein Neuanfang, so erläuterte Dr. Joachim Tauber aus Lüneburg vom Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa den markanten Punkt der Vertreibung der Deutschen während des Zweiten Weltkrieges. Der in Nürnberg geborene Joachim Tauber sei der beste Experte für das Gebiet des nördlichen Ostpreußens, hatte der Leiter des Kulturzentrums Ostpreußen, Wolfgang Freyberg, schon bei seiner Begrüßung der Gäste, darunter viele Vertreter der Verbände der Heimatvertriebenen, erwähnt. Tauber spreche die Landessprache so gut, daß er an der Universität in Memel Gastvorträge in Litauisch halte.

Das Alter der Siedlung Memel läßt sich durch eine mittelalterliche Quelle belegen, nach der im Jahre 1252 an heutiger Stelle durch den livländischen Orden der Schwertbrüder eine Holzburg errichtet wurde, führte Tauber weiter aus. Es entstand ein Handelsplatz, der 1258 mit Lübischem Recht ausgestattet wurde, später ersetzte man die Holzburg durch einen Steinbau. Durch die Jahrhunderte war dieser Ort umkämpft, fiel 1328 an den Deutschen Orden und wurde mit diesem preußisch.

Memel entwickelte sich langsamer als Königsberg - nach der Besetzung durch die Schweden von 1629 bis 1635 erhielt die Stadt das "Privileg des freien Handels neben Königsberg". Unter Friedrich Wilhelm III. war die Stadt Memel zwar für kurze Zeit die Hauptstadt Preußens, in diese Zeit fielen wichtige Reformen wie die Aufhebung der Leibeigenschaft, was aber auf die Bedeutung der Siedlung selbst keinen großen Einfluß hatte.

Die Randlage in Deutschland hatte zur Folge, daß selbst die Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts an dem Land-strich nahezu spurlos vorbeiging, obwohl 1875 die Eisenbahnlinie von Tilsit die Stadt Memel erreichte. Lediglich die Errichtung einer Zellulosefabrik um 1899 kam zur bereits vorhandenen Fischverarbeitung hinzu. Während die mit 20 000 Einwohnern ungefähr gleichgroße Stadt Tilsit bis 1900 um rund 15 000 Einwohner zunahm, blieb Memel auf diesem Stand stehen.

1919 entschied der Versailler Vertrag ohne Volksabstimmung, daß das Memelland von Deutschland abgetrennt wurde. Litauische Freischärler besetzten das Land 1923, es folgten einige Jahre als autonomes Gebiet unter litauischer Führung. Der endgültigen Einverleibung des Memellandes nach Litauen widersetzte sich die Bevölkerung - sie war aber auch mit der Aktion "Heim in Reich" von Adolf Hitler 1939 nicht zufrieden, führte Tauber weiter aus.

Ihren Exodus erlebte Memel am 31. Juli 1944, als die Bewohner aufgefordert wurden, wegen des Vorrückens der Sowjetarmee das Gebiet Richtung Westen zu verlassen. Die deutsche Wehrmacht räumte den noch bestehenden Brückenkopf im Januar 1945 kampflos.

Der litauische Seehafen mit einem Jahresumschlag von 18 Millionen Tonnen Fracht wird derzeit durch eine Fahrwasservertiefung so ausgebaut, daß zukünftig 30 Millionen Tonnen umgeschlagen werden können. 197 000 Einwohner wohnen in der sich auf 15 Kilometer Länge und drei Kilometer Breite ausdehnende drittgrößten Stadt des heutigen Litauens, die im vergangenen Jahr von zwei Millionen Touristen besucht wurde und erst wieder seit 1987 von Ausländern besucht werden kann.

Berühmtester Sohn der Stadt Memel ist Simon Dach. Der Barockdichter, der von 1605 bis 1659 lebte, schrieb in plattdeutscher Sprache das bekannte Lied des "Ännchen von Tharau", welches heute in seiner hochdeutschen Fassung von Johann Gottfried Herder noch existiert und nach vielen verschiedenen Melodien gesungen wird. In der Ausstellung selbst sind Gemälde, historische Stiche, Landkarten, Orden und Medaillen, Gebrauchsgegenstände, Urkunden und Fotografien aus der Stadtgeschichte ausgestellt.

Das Kulturzentrum Ostpreußen zeigt die Sonderschau "750 Jahre Memel" noch bis zum 28. Juli und ist jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Mef

Lehrreich und informative Erläuterungen: Dr. Joachim Tauber erklärt den Besuchern des Kulturzentrums die Exponate der Sonderschau. Foto: Fritsche