22.01.2022

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15.06.02 / Leserbriefe

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Juni 2002


Leserbriefe

Zwangsumsiedelung der nahen Grenzbewohner

Betr.: Folge 21 - "Mordregime an der DDR-Grenze"

Bezugnehmend auf Ihren Artikel möchte ich als Zeitzeugin einige Ergänzungen anmerken. Gerüchte, daß in Mecklenburg Familien umgesiedelt würden, erreichten uns im April 1952 in Jahrstedt, Kreis Klötze in der Altmark. Eines Tages war meinem Mann mit dem Motorrad auf der Fahrt nach Magdeburg zu seinem Meisterlehrgang in der Letzlinger Heide ein Treck von etwa zehn Traktoren entgegengekommen, der von bewaffneten Volkspolizisten begleitet wurde. Dieser Treck hatte sein Ziel in Jahrstedt. Vor zehn Bauernhäusern machte jeweils ein Trecker halt, und die Volkspolizisten befahlen den Familien mit vorgehaltener Waffe, in drei Stunden das Nötigste zusammenzupacken, da sie ausgesiedelt würden.

Ich stand mit anderen Frauen unter der Friedenseiche, wo wir das Geschehen übersehen konnten. Pünktlich nach drei Stunden verließen die Fahrzeuge den Ort, obenauf die Familien. Auf die Schnelle hatten sie Betten, einige Möbel und das Eingeschlachtete zusammengerafft. Ein Hund lief dem Treck noch einige Kilometer hinterher. Wohin die Leute kommen sollten, die weitestgehend politisch unbescholten waren, war nicht bekannt. Die Vermutungen gingen bis nach Sibirien.

Ausgeladen wurden die Familien in Herzberg bei Berlin und auf leeren Grundstücken untergebracht. (Wo waren die dortigen Einwohner?) Als die Lage für sie wieder sicherer war, flüchteten alle über West-Berlin und siedelten größtenteils im Westen im Raum Wolfburg.

Vierzehn Tage später erfolgte die zweite Umsiedlung. Diesmal betraf es den Schmied und den größten Bauern aus Böckwitz. Das Dorf war geteilt, zwei Kilometer hinter Jahrstedt zur Grenze. Böckwitz gehört noch zu Sachsen-Anhalt und die andere Seite der Dorfstraße zum Westen nach Niedersachsen. Der Schmied selbst flüchtete über die Straße und rief seinen Eltern zu, das Haus in Brand zu setzen, was sie aber in der Hektik nicht taten.

In Jahrstedt war der Autoschlosser für die Umsiedlung vorgesehen. Da man sich aber schon nach dem ersten Abtransport Gedanken für den Wiederholungsfall gemacht hatte, war man besser vorbereitet. So kam es, daß die Schwägerin des Autoschlossers sich vor die Haustür stellte und den Volkspolizisten den Zutritt mit dem Hinweis verwehrte, daß ihre Schwester in Ruhe packen müsse. Frau, Mann und Tochter nutzten derweil den Hinterausgang und flüchteten über die nahe Grenze. Nach den drei Stunden fanden die Volkspolizisten das Haus leer vor.

1949 hatte ich nach Jahrstedt geheiratet und ich habe nirgends wieder solche Menschen mit so viel Wahrheitsliebe, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, Charakter und menschlicher Wärme erlebt. Wir wurden danach zur Fünf-Kilometer-Sperrzone. Die Grenze wurde stärker abgesichert, mit zehn Meter breitem geeggtem Streifen, um die Fußspuren zu erkennen. Dann kamen Tellerminen. Der 500-Meter-Streifen, der nur mit Sonderausweis betreten und beackert werden durfte, gab noch einem Bauern nach dem Mauerbau im September 1961 in Berlin die Gelegenheit zur Flucht. In einem unbeobachteten Moment setzte er mit dem Pferdewagen, beladen mit dem Nötigsten, das er mit Mist abgedeckt hatte, und der Familie oben auf durch den Graben.

Nach der totalen Enteignung 1960, im Juni 1961, flüchtete ich mit meiner Familie über Berlin in den Westen. 

Edith Müller, Tettnang

 

 

"Reisepläne um Prag herumdirigieren"

Betr.: Folge 21 - "Klare Worte zu Flucht und Vertreibung"

Es gab Buhrufe. Die Heimatvertriebenen fühlten sich getroffen. Denn nach Aussage der tschechischen Regierung "diene die Vertreibung der Sudetendeutschen als eine Quelle des künftigen Friedens. Man habe diese Menschen ja nur - ihrem Wunsche gemäß - heimgeschickt." - Zwei Millionen blieben bekanntlich bei dieser "Heimwanderung" auf der Strecke. Eine Bekannte mußte zwei tote Kinder im Straßengraben zurücklassen. Jedenfalls war die tschechische Äußerung kein unbedachter "Ausrutscher", wie man es uns von Regierungsseite weismachen will, sondern ein Zynismus gefährlichster Art. Wenn Schily nun unter diese tschechische "Friedensaktion" einen Schlußstrich setzen möchte mit dem Ausspruch: "Vergangenes Unrecht gehört in die Vergangenheit", dann könnte ich das so stehen lassen und vielleicht mit dieser "mangelnden Zivilcourage" entschuldigen, die man uns Deutschen ständig anmahnt. Aber hier redet ein Regierungsvertreter doppelzüngig. Ja, er betätigt sich geradezu als Radfahrer. Nach oben (sprich EU) wird gebuckelt, und nach unten getreten. Wie wäre es sonst möglich, daß im eigenen Land Greise im Alter von 92 Jahren vor den Kadi gezogen werden, weil sie vor 58 Jahren Handlungen vollzogen, die nach damaligem Kriegsrecht - Achtung! - bei allen kriegführenden Nationen als legitim anerkannt und auch praktiziert wurden. Heute - zum Glück abgeschafft, mit Ausnahme von der US-Armee! -

Fazit: Wenn das Unrecht der Vergangenheit angehören soll, dann müßte an seine Stelle ja automatisch das Recht treten. Aber Recht und somit Gerechtigkeit können nur da blühen, wo man der uneingeschränkten Wahrheit - ganz egal ob zum eigenen Nach- oder Vorteil - die Ehre gibt. Denn Gerechtigkeit ohne Wahrheit bleibt Lüge. Brecht sagte einmal: "Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher." Zyniker sind keine guten Menschen. Ich fürchte mich vor ihnen. Als unbefragter Bundesbürger kann ich mich nicht gegen sie wehren. Ich kann nur eine Regierung, die mit ihnen auf du und du steht, abwählen. Und ich kann meine Reisepläne um das Land mit der "goldenen Stadt" herumdirigieren und seine Produkte nicht mehr kaufen. Und das werde ich tun. 

Fritz Held, Amstetten

 

 

International Rechte einfordern

Betr.: Folge 21 - "Klare Worte zu Flucht und Vertreibung"

Dem Kanzlerkandidat Edmund Stoiber darf man dankbar sein, daß er auf dem Sudetendeutschentreffen an Pfingsten überfällige Dinge anspricht und Empörung dahin richtet, wo Unrecht betoniert werden soll - nach Prag. Nachdem die Vertriebenen und genau genommen das deutsche Volk aus unterschiedlichen Gründen immer wieder verschaukelt worden sind, muß man ganz klar auf den Punkt bringen: Wir haben international endlich unsere Rechte einzufordern.

Und diese ausstehenden Rechte haben jetzt Vorrang vor etwaigen auszuführenden Bündnispflichten. Angefangen bei der Feindstaatenklausel in der Uno, nach der Deutschland immer noch als Feindstaat gehandelt wird, bis hin zum bis dato nicht abgeschlossenen Friedensvertrag mit den damaligen Kriegssiegern und abschließenden Regelungen über die ostdeutschen Gebiete und die Eigentumsrechte der Vertriebenen. Unrecht muß endlich wieder Unrecht genannt werden dürfen. Die Versäumnisse und Unterlassungen der deutschen Politik schreien gen Himmel. Wenn unser doch recht sympathischer Bundesinnenminister meint, es sei nicht im deutschen Interesse, die Benesch-Dekrete zur Sprache zu bringen, weil sie das deutsch-tschechische Verhältnis belasten, dann ist das ein klarer Irrtum. Die Belastung der Verhältnisse zu den Vertreiberstaaten bestehen seit der Vertreibung und führen erst zu einer Besserung, wenn endlich "reiner Tisch" gemacht wird.

Um die Geschicke eines Volkes zu leiten, bedarf es unter anderem eines: sein eigenes Volk zu lieben! Diese Frage sollte man in Pressekonferenzen stellen. Es gilt, für unser Volk endlich eine Lanze zu brechen, statt von eigenen Politikern mit Schmutz beworfen zu werden. Des Volkes Vertreter müssen auch nach außen wieder kämpferisch vertreten, wo etwas im argen liegt. Vertrauen wir darauf, daß Edmund Stoiber diese Linie durchhält. 

Edgar Lößmann, Kiel

 

 

Ergänzungen zu Marzabotto

Betr.: Folge 17 - "Schuldbekenntnis am falschen Ort"

Herr von Leesen schildert detailliert den wahren Sachverhalt zu dem angeblichen deutschen Kriegsverbrechen in Marzabotto, für welches Sturmbannführer Reder unschuldig verurteilt wurde und für welches sich Bundespräsident Rau kürzlich entschuldigte. Zur Ergänzung: 1.) Selbst in der Glorifizierungsschrift der italienischen Partisanenvereinigung ist an keiner Stelle die Rede davon, daß es in Marzabotto oder Umgebung zu deutschen kriegsrechtswidrigen Handlungen kam. 2.) Ein amerikanisches und später ein englisches Militärgericht hatten Reder bereits freigesprochen. 3.) Reder verhielt sich ritterlich, als er alle verwundeten Zivilisten, gleichgültig ob sie Partisanen waren oder nicht, sofort ordnungsgemäß von Sanitätsdienstgraden versorgen und in die nächsten Lazarette bringen ließ 4.) Partisanen, die sich nach offenem Kampf gefangen gaben, wurden wie Soldaten behandelt und zum Abtransport in Gefangenenlager bestimmt. 5.) Reder verhinderte durch persönliche Interventionen die von Sicherheitsbehörden angeordnete Deportation von 2.000 italienischen Männern in den Osten. Offiziere und Mannschaften seiner PZ-Aufklärungsabteilung 16 wurden daraufhin von der dankbaren Bevölkerung tagelang als Helden gefeiert. 6.) Allein dem Dazwischentreten Reders hatte die Ortschaft Monzone es zu verdanken, daß sie nicht von anderen Truppenteilen niedergebrannt wurde. 7.) Der britische Kronjurist Veale bezeichnet in seinem Buch "Verschleierte Kriegsverbrechen", Wiesbaden 1959, den Marzabotto-Fall als ein "kommunistisches Propagandamärchen". Friedrich Karl Pohl, Lüneburg

 

 

Bereicherung meiner Interessen in allen Sparten

Betr.: Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung

Freitag ist für mich ein Feiertag! Der erste Griff in den Briefkasten gilt meinem Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung. "Meinem" betone ich besonders, da ich es für den Tag mit Beschlag belege. Bis zum Abend, spätestens bis zum nächsten Morgen, habe ich sie durchstudiert. Die Zeitung ist und bleibt eine Bereicherung meiner Interessen in allen Sparten. Sie leistet Aufklärungsarbeit für junge Menschen, denn gerade diese brauchen die Wahrheit, beson-ders über unsere geschundene Vergangenheit.

Ich bin kein Ostpreuße, doch ich habe Ostpreußen kennengelernt, als ich in Neukuhren/Samland bei der Flugzeugführerschule A/B meine Ausbildung machte. Es war in den Jahren 1938/39, und wir durften die Reichsgrenzen bei den Überlandflügen nicht überqueren. Im Rückblick sehe ich heute noch die wunderbare Landschaft mit den liebenswerten Menschen. Ich wünsche Ihnen weiterhin Kraft und Zuversicht für Ihre wertvolle Arbeit.

Erwin Krombholz, Tettnang

 

 

Wurzel des Unheils

Betr.: Folge 18 - "Die Saat der Gewalt"

Nach der Tragödie von Erfurt las ich mit sehr großem Interesse die Aussagen von Christa Meves und Jürgen Liminski. Die Ursachenbeschreibung solcher Ereignisse und die Therapieempfehlungen gegen den zunehmenden Terror sind sehr stichhaltig, sehr überzeugend und hilfreich.

Antiautoritäre Erziehung, destruktive Schulreform, Laissez-faire-Pädagogik, Verfremdung der Bevölkerung, das kann nicht alles aus Unerfahrenheit, politisch-ideologischer Verblendung oder Wichtigtuerei verordnet sein! Wenn wir die obskuren Hintergründe der Steuerung unserer Gesellschaft nicht herausbekommen, können wir nur Symptome kurieren, nicht aber die Wurzel des Unheils beseitigen.

So ist es sehr positiv, daß im Ostpreußenblatt etliche Mißstände immer wieder aufgezeigt werden. Es gibt nicht viele Zeitungen dieser Art in Deutschland.

Gerd Biron, Bodenwöhr