15.08.2022

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15.06.02 / Russen öffnen Standesamt-Archiv

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Juni 2002


Russen öffnen Standesamt-Archiv
DRK erhielt 12.000 Blatt Totenlisten aus Königsberg

Rund 57 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist das Schicksal vieler Menschen immer noch unbekannt, gibt es keine sicheren Beweise für den Tod Tausender Verwandter, hegen die Angehörigen immer noch die Hoffnung, daß ihre Verwandten irgendwo in Rußland noch leben könnten. Nach jahrelangen wiederholten Verhandlungen und Bitten an die Verwaltung des Königsberger Gebiets, den ehrenamtlichen Helfern des Roten Kreuzes die Möglichkeit zur Akten- und Archiveinsicht zu gewähren, haben die russischen Behörden nun endlich ein offenes Ohr gewährt.

Die Leiterin des Königsberger Standesamtes, Ludmila Krasilni-kowa, hat dem Chef des Such-dienstes des Deutschen Roten Kreuzes, Christian Sachse, eine Archivliste mit Angaben zu Deut-schen, die im Jahre 1945 auf Kö-nigsberger Territorium ums Leben gekommen sind, übergeben. Es handelt sich um 12.000 Blatt ungeordnetes Papier, auf dem die Angaben überwiegend in kyrilli-scher Schrift abgefaßt sind.

Nach der Auswertung durch Mitarbeiter des Roten Kreuzes kann zumindest das Schicksal eines Teils der Vermißten, über deren Verbleib es bisher keine gesicherten Aussagen gab, geklärt werden. Mit diesem "Akt des guten Willens" möchte man von russischer Seite aus die gutnachbarlichen Beziehungen festigen und einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Dies sei lediglich der Anfang einer mühevollen Arbeit, so Ludmila Krasilnikowa, da erst nach umfangreicher Aufarbeitung und Strukturierung der Verwaltungsarchive eine derarti-ge Liste zusammengestellt wer-den konnte. Diese Arbeit soll in Zukunft fortgeführt werden. Im Gegenzug sagte Christian Sachse die Unterstützung des Roten Kreuzes zu, um ungeklärte Schicksale russischer Gefangener oder russischer Bürger, die sich zur Zeit des Zweiten Weltkrieges in Deutschland befanden, aufzuklären.

Auf eine Nachfrage beim Roten Kreuz in München bekam Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung folgende Auskunft: Anfragen nach vermißten Angehörigen werden kostenfrei bearbeitet; für die Suche in den neuen Listen wird die Angabe des Namens, Vornamens, des Geburtsdatums und möglichst auch des Vornamens des Vaters des Gesuchten benötigt. Es ist heute auch möglich, sich direkt mit russischen Stellen in Verbindung zu setzen oder vor Ort Einsicht in Archive zu nehmen. Allerdings ist dies nur für Leute mit Rus-sischkenntnissen ratsam, da die Listen nur in kyrillischer Schrift verfügbar sind und noch übersetzt werden müssen. Da die russischen Behörden für eine Archiveinsicht sehr hohe Gebühren verlangen und es nicht sicher ist, ob die Suche zum gewünschten Erfolg führt, ist von dieser Mög-lichkeit wohl eher abzuraten.

Interessierte wenden sich bitte an:

Deutsches Rotes Kreuz
Generalsekretariat
Suchdienst München
Chiemgaustraße 109
81549 München
Telefon 089-68 07 73-0
Fax 089-68 07 45-92