19.08.2022

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15.06.02 / Wunder gibt es immer wieder

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Juni 2002


Wunder gibt es immer wieder
Über eine Zeitungsnotiz kamen zwei Cousinen zum ersten Mal zusammen

Die Geschichte begann vor einem Jahr. Als ich "Unser schönes Samland" las, sah ich unter einem Brief die Unterschrift Helene Gramkow, geb. Austinat. Und ich hatte eine gute Bekannte, Frau Austinat, aus Gumbinnen. Sie ist schon eine ältere Dame und wohnt im Altenheim, nicht weit von mir.

Ob sie wohl verwandt sind, fragte ich mich. Ob es den Namen in Ostpreußen häufig gab, denn schließlich ist er ein weit verbreiteter deutscher Familienname. Ich brachte Hertha Austinat das Heft mit. Und wandte mich gleichzeitig an die Redaktion in Pinneberg und bekam dort Adresse und Telefonnummer. Es folgten ein erster Anruf, Fragen, Ausrufe ... Unglaublich, die beiden erwiesen sich als Cousinen!

Der Vater von Hertha, Gustav Austinat, und der Vater von Helene, August Austinat, waren Brüder. Sie lebten in verschiedenen Orten Ostpreußens, August in Groß Lindenau, 30 Kilometer von Königsberg, und Gustav in Gumbinnen. Sie besuchten sich nur selten, man mußte schließlich arbeiten, sich um die Familie kümmern. Gustav hatte fünf Töchter und August hatte acht Kinder.

Schon im Jahre 1929 zog Gustav Austinat nach Schleswig-Holstein, ins Dorf Pahlen, Kreis Heide. Hertha war zwölf Jahre alt und hatte so keine Möglichkeit mehr, ihre Cousins und Cousinen kennenzulernen.

Dann kam der Krieg, der Januar 1945. Helene gelang es, mit zwei Kindern an der Hand auf eines der letzten Schiffe, die von Pillau gingen, zu gelangen. Das Schiff erreichte Dänemark, und dort lebte die junge Frau mit ihren Kindern zweieinhalb Jahre lang. Dann kehrte zum Glück ihr Mann aus englischer Gefangenschaft zurück. Die Familie zog nach Lauenburg in Schleswig-Holstein, wo sie bis zum heutigen Tage lebt.

Hertha lebt seit 1969 in Hamburg. 1996 war sie noch einmal in der Heimat. Das Haus steht noch, aber die alte Dame wollte nicht hineingehen, mit niemandem reden. Aber sie ging in den Garten mit Apfelbäumen und nahm sich eine Handvoll Erde mit. Nun sitzen sie zusammen, die Verwandten. Hertha Austinat holt eine gläserne Schachtel mit Fotos hervor und zeigt sie mir und allen Versammelten - Helene Gramkow kam mit einigen jüngeren Verwandten. Sie erinnern sich, woher, aus welchen Orten ihre Familie kam, und sind stolz darauf.

Auf dem Tisch steht Tee, dann stoßen wir mit Sekt an. Auf den Gesichtern der Anwesenden zeigt sich Freude über das unerwartete Ereignis. Denn Hertha ist 85 Jahre alt, und Helene 82. Doch sie sehen plötzlich wieder jung aus.

Diese Geschichte erzählte ich meinem deutschen Freund, der sich auch mit ostpreußischer Geschichte befaßt. Er sagte: "Du hast in der Lotterie gewonnen." Doch wahrscheinlich ist dieses Erlebnis wesentlich mehr wert als der größte Jackpot. E.D./MRK