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22.06.02 / Samuel Salzborn - der neue Stichwortgeber der "antifaschistischen" Vertriebenenfeinde

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Juni 2002


Kampagnen: Mit Haß Karriere machen
Samuel Salzborn - der neue Stichwortgeber der "antifaschistischen" Vertriebenenfeinde
von Claus-M. Wolfschlag

Guido Knopp behandelte in seiner neuesten Fernsehdokumentation nicht "Hitlers Kinder", "Hitlers Friseure" oder "Hitlers Kleingarten", sondern die Vertreibung. Günter Grass beschäftigt sich in seiner Novelle "Im Krebsgang" mit dem Untergang der "Wilhelm Gustloff", die Ufa kündigt gar die Verfilmung der Tragödie an, und mancher Zeitgenosse reibt sich verwundert und fragend die Augen: "Haben wir das Ende der historischen Einäugigkeit erreicht?" Ja, könnte es denn sein, daß sich die Öffentlichkeit des nur allzu gerne verdrängten Themas der deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs sensibler anzunehmen begänne?

Abwarten und Tee trinken. Schließlich würde es nicht mit rechten Dingen zugehen, wären jene Volkspädagogen, "Antideutschen" und Vertriebenenverächter, die jahrelang beständig ihren mahnenden Zeigefinger erhoben hatten, über Nacht wie durch Zauberspruch verschwunden. Nein, sie sind präsenter denn je und schicken sich an, durch immer radikalere antideutsche Thesen die lange gepflegte eigene Maske moralischer Überlegenheit selber vom streitlüsternen Haupt zu ziehen. Ihr neuer Haupt-Stichwortgeber heißt übrigens Samuel Salzborn.

Samuel Salzborn, geboren 1977 in Hannover, fungiert als Redakteur des "aggressiv-antifaschistischen" Zweimonatsblattes Der rechte Rand. Ebenso trat er als Korrespondent der antideutsch ausgerichteten Wochenzeitung Jungle World und Autor der Antifaschistischen Nachrichten hervor, konnte aber auch Beiträge im linksgerichteten Monatsblatt Konkret, der Frankfurter Rundschau und der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung veröffentlichen. Nach den Angaben seiner Internet-Seite studierte der Diplom-Sozialwissenschaftler als Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung Politik, Soziologie, Psychologie und Rechtswissenschaft an der Universität Hannover.

Salzborns Tätigkeit fällt in eine Welle der Themen-Spezialisierung durch "antifaschistische" Jungautoren der neuen Generation. Weniger großangelegte Abhandlungen gegen "Rechtsextremismus" werden den linksge- richteten Buchmarkt der Zukunft beherrschen, als vielmehr spezifizierte Sonderabhandlungen über gezielt attackierte Einrichtungen, die Nähe zur politischen Rechten, zum Konservatismus oder explizit patriotischen Positionen aufweisen.

Verschiedene Autoren, vor allem aus dem "radikal-antifaschistischen" Spektrum, haben in der jüngsten Vergangenheit bereits inquisitorisch ihre Arbeitsmühe in ausgesuchte Spezialgebiete gesteckt. Das Spektrum der Esoterik beispielsweise bearbeitet seit längerem der Mitarbeiter der "Antifa"-Zeitschrift Der rechte Rand Andreas Speit, ein aus dem Braunschweiger "Linken Netzwerk" stammender Marxist. Für den Bereich "Ökologie" bemühte sich Oliver Geden publizistisch um Öffentlichkeit. Im Bereich "Aussonderung ‚reaktionärer' Tendenzen aus dem Pop- und Rockmusik-Bereich" traten Christian Dornbusch, Jan Raabe und Martin Büsser, alles Autoren der Zeitschrift Der rechte Rand, besonders in Erscheinung. Samuel Salzborn nun hat sich seit den späten 90er Jahren auf die beständige Anprangerung der Vertriebenenverbände spezialisiert.

Und an diesen läßt er, wie zu erwarten war, kein gutes Haar. Vertriebene zeigten seiner Auffassung nach schließlich Gebiets- abzeichen von Regionen, "deren Namen Geschichte sind". Sie vollzögen "folkloristisches Trara", hielten "Reden mit gebietsrevisionistischem Getöse und völkerrechtlichen Anmaßungen".

In seiner kleinen Essaysammlung "Momentaufnahmen" präsentiert Salzborn "Ausschnitte aus einem Jahr journalistischer Arbeit gegen ‚Vertriebenenverbände' und deutsch-völkische Außenpolitik". Artikel unter solch markigen Titeln wie "Den Ostlandrittern Paroli bieten!" werden dem Leser zum besten gegeben. Darin liest man Sätze wie folgenden aus Konkret 10/97 über eine Rede Wilhelm von Gottbergs: "Wenn er damit die Füße meinte, auf denen er stand, so waren sie zweifellos vorhanden. Oder meinte er die Socken? Dann hätte er nicht unrecht. Denn es war ohne Frage ein Verdienst der Wehrmacht, daß die ‚Vertriebenen' sich seinerzeit auf die Socken machen mußten, um wenigstens ihr Dasein zu erhalten." In seinem Buch "Grenzenlose Heimat" bezeichnete Salzborn die von den Vertriebenenverbänden ausgegebene Devise eines Beharrens auf dem "Recht auf Heimat" als "Volkstumskampf" um polnisches und tschechisches Staatsterritorium. Über das "soziale Konstrukt" eines Vertriebenen-Status versuche der BdV, sein Revanche-Paradigma gegenüber den osteuropäischen Nachbarstaaten ohne Einklang mit den "historischen Tatsachen" zu untermauern. Ein Konstrukt? Aber sicher, schließlich tauche die Bezeichnung "Vertreibung" in den alliierten Dokumenten nach dem Zweiten Weltkrieg noch gar nicht auf, erfährt man von Salzborn, naiv argumentierend oder sich ahnungslos stellend, und er setzt noch einen drauf: "Im übrigen ist jemand, der tatsächlich seinen ehemaligen Wohnort verlassen hat oder verlassen mußte, nicht automatisch sein Leben lang ein ‚Vertriebener'." Solch weise Erklärung liest sich fast, als würde ein neunmalkluger NS-apologetischer Geschichtsumschreiber behaupten: "Im übrigen ist jemand, der tatsächlich einmal einige Zeit in einem NS-Konzentrationslager verbrachte oder verbringen mußte, nicht automatisch sein Leben lang ein ‚Holocaust-Überlebender'."

Die Opferdarstellung der Vertriebenen jedenfalls sei nur ein "Mythos". Schließlich müsse man ihre Geschichte im Kontext einer aggressiven deutschen Ostpolitik seit den Ordensrittern verstehen. Stets sei aus Westen der barbarische Drang nach Christianisierung und später Germanisierung der fried- liebenden slawischen Völker zu spüren gewesen. Das "Ein- rücken der Ordensritter in Ost- und Westpreußen" sei "von Beginn an eine brutale Greuelgeschichte" gewesen, weiß Salzborn zu berichten, und auch, daß die Deutschen sich anschickten, "einen Großteil der dort lebenden Menschen zu ermorden". Die Deutschen - schlimmer und mörderischer als der ganze Rest der Menschheit, und das schon im Mittelalter. Was sonst soll uns dieser lehrreiche historische Rückblick in die frühe Prußen-Zeit mitteilen?

Später weiß Salzborn noch zu berichten, daß Pommern erst infolge des Wiener Kongresses an Preußen gefallen sei und die Weimarer Revisionspolitik die Grundlage für die nationalsozialistische Volkstumspolitik hergestellt hätte. Die polnischen Repressionsmaßnahmen gegen die "sogenannte deutsche Minderheit" seien demnach "im wesentlichen eine innenpolitische Reaktion auf die von der Minderheitenpolitik des deutschen Reiches ausgehende Bedrohung der staatlichen Souveränität Polens" gewesen. Schließlich hätten "die Deutschen" Massenaustreibungen und systematischen Massenmord an den Polen entwickelt, hätten als "fünfte Kolonne" Hitlers gedient, "Wühlarbeit an den Grenzen des Deutschen Reiches" geleistet und die "Germanisierung" realisiert. Die Ostpreußen hätten sich radikaler als andere Deutsche zu ihrem Volkstum bekannt. Die "Sudetendeutschen" hätten einen "völkischen Kampf" gegen den "emanzipatorischen" tschechoslowakischen Staat geführt, obwohl dieser ihnen doch das allgemeine Wahlrecht und Individual- und Menschenrechte garantiert habe. Gesonderte Gruppenrechte habe nunmal keine ethnische Gruppe der Tschechoslowakei erhalten, weiß Salzborn zu erläutern, ohne daß ihm der Gedanke entfleucht, daß die Tschechen bei bevölkerungspolitischer Zweidrittelmehrheit in Böhmen und Mähren womöglich nicht nur aus liberalistischem Menschenbild zu dieser Entscheidung gelangt sein könnten.

Immer wieder verzettelt sich Salzborn in Versuchen einer politischen Rechtfertigung des Vertreibungsverbrechens. Wie weit die latente Menschenverachtung aus derartigen Thesen spricht, wird anhand von Salzborns dauerhaftem Bemühen sichtbar, die Vertreibung als eine notwendige, letztlich gar nicht so üble Angelegenheit darzustellen. Es sei schließlich "als konfliktpräventive, friedenstiftende Maßnahme" nur die "Ausweisung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten" möglich gewesen. Unter Berufung auf den Historiker Martin Broszat erklärt Salzborn, die "Umsiedlung" sei von den "betroffenen Deutschen fast als Erlösung empfunden" worden, ohne nach den Hintergründen zu fragen.

In Konkret 7/2000 rechtfertigte Salzborn die "Umsiedlung" der Deutschen, da diese "völkerrechtlich verbindlich im Potsdamer Abkommen" festgelegt worden sei. Der juristische Beschluß reicht nach dieser Definition aus, um moralische Unangreifbarkeit auszudrücken. Ein Schelm denke an das Schlagwort von den "schrecklichen Juristen" der NS-Herrschaft, die so manches heutigen Maßstäben nicht mehr genügende Urteil von sich gegeben haben. Doch mit dem Rassenwahn der NS-Zeit könne die Austreibung der Deutschen aus den Ostgebieten nicht verglichen werden, so Salzborn weiter: "Denn die Umsiedlung erfolgte nicht aus rassistischen, sondern aus antifaschistischen Gründen. Sie sollte das künftige Konfliktpotential in Osteuropa verringern - schließlich hatten die sogenannten deutschen Minderheiten bereits während des Nationalsozialismus soziale und politische Konflikte im Ausland geschürt (...) Wie absurd die Behauptung ist, die Deutschen seien aus rassistischen Gründen umgesiedelt worden, zeigt etwa die Politik der Nachkriegs-Tschechoslowakei. Durch eine der unter dem Namen Benes-Dekrete bekannten tschechoslowakischen Verfassungsbestimmungen wurde den Deutschen die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit entzogen. Personen, die für die Befreiung der Tschechoslowakei gekämpft oder anderweitig antifaschistische Arbeit geleistet hatten, waren hiervon allerdings explizit ausgenommen."

Diese Argumentation lohnt es, genauer betrachtet zu werden. Salzborn spricht von "Deutschen Minderheiten" und meint offenbar auch die Landstriche Pommern, Schlesien und Ostpreußen damit. Es fragt sich allerdings, wer seiner Auffassung nach dort die "Mehrheit" gestellt hat. Marsmännchen oder Sioux-Indianer womöglich? Auch legitimiert er die Vertreibung von Millionen Menschen der angestammten Bevölkerung, um ein "Konfliktpotential" zu entschärfen. Besser hätten es Milosevic, Karadzic oder andere heutzutage als Kriegsverbrecher angeklagte serbische Größen der Gegenwart während des Balkankrieges auch nicht formulieren können. Vertreibung zwecks "Konfliktprävention", nachgeholfen mit etwas Gewalt, wenn's nicht anders geht. Und Vertreibung als "antifaschistischer" Akt? Hier spätestens wird erkennbar, was vom ach so humanen "Antifaschismus" zu halten ist. Was wäre denn gewesen, wenn die Nationalsozialisten eine Handvoll Juden mit "Ehrenarier"-Auszeichnung von ihren rassistischen Verfolgungsmaßnahmen ausgenommen hätten? Nach Salzbornscher Diktion dürfte dann kaum noch der Begriff "Rassismus" angesichts der diesbezüglichen NS-Verbrechen erhoben werden.

Auch sein Heranziehen einer allgemein gehaltenen feministischen Theorie, die Kriegsvergewaltigungen als Teil der männlichen Kriegsführung zu erklären versucht, wirft erst einmal Fragen auf. Viele Beispiele aus anderen Kriegen beweisen, daß keinesfalls Kriegsführung mit massenhaften Vergewaltigungen deckungsgleich ist. Beispielsweise haben sich die deutsche Wehrmacht und die Westalliierten in dieser Hinsicht viel weniger frauenfeindlich verhalten als die Sowjetarmee.

Was will uns Salzborn also mit seinen Exkursen sagen? Daß Vergewaltigen im Krieg "normal" sei? Nicht so schlimm? Daß die deutschen Frauen und Mädchen es verdient hätten, hätten "sie" doch Polen zwangsgermanisiert oder Juden vergast? Salzborn spielt hier massiv mit antideutschen, rassistischen Ressentiments, kokettiert gar mit der Rechtfertigung von Sexualverbrechen.

Salzborns gesamte Argumentation fußt auf zwei Absichten: 1. Das historische Faktum der Vertreibung herunterzuspielen, schönzureden und zu rechtfertigen. 2. Die kulturelle und politische Arbeit der Vertriebenenverbände als imperialistisch, frie- densfeindlich, anrüchig und politisch schädlich darzustellen. Auf diese Weise soll den Vertriebenen die Unterstützung in der Politik und den Medien entzogen werden, finanzielle Unterstützungen sollen abgeschafft, die kulturelle Arbeit der Vertriebenenverbände also letztlich behindert werden. Salzborns politisches Ziel ist dabei, eine Aufweichung polnischer und tschechischer Staatshomogenität durch eine angeblich drohende ethnische Aufsplitterung seitens deutscher Kräfte zu verhindern. Über die persönlichen Motive des jungen Autors kann dabei nur spekuliert werden, will man nicht annehmen, es handle sich nur um einen durch familiäre Bindungen vorgeprägten westslawischen Nationalchauvinisten.

Es dürfte weniger mit Slawenliebe denn mit Deutschenhaß zu tun haben, was Salzborn da von sich gibt.

Der antideutsche Rassismus, der in Argumentationslinien vieler "antifaschistischer" Autoren offen zu Tage tritt, ist auch in Salzborns Spiel mit den Begriffen latent erkennbar. Regelmäßig werden in Salzborns Schrift "Grenzenlose Zukunft" die Begriffe deutsch und Deutscher nur in Anführungsstrichen geschrieben (außer wenn er sie als Vollstrecker nationalsozialistischer Verbrechen beschreibt!), polnisch oder tschechisch dagegen nicht in Anführungsstrichen.

Dabei wird die altbekannte Kollektivschuldthese aufgewärmt. "Die" Deutschen hätten Konflikte geschürt, deshalb hätten auch alle Deutschen weg gemußt aus der schönen neuen Welt Polens und Tschechiens. Verbreiter derartiger argumentativer Geistesblitze hätten - 70 Jahre früher geboren - womöglich auch gut zu dogmatischen NS-Rasseideologen reifen können. Damals störten die slawischen "Untermenschen", und mit Hilfe einiger juristisch einwandfreier Erlasse konnte man mittels etwas Phantasie jede kleine "Umsiedlung" rechtfertigen, um staatsnationalistische Grenzbereinigungen durchführen zu können. Rührend wird es natürlich, wenn Antideutsche zu tapferen Staats-Nationalisten mutieren, um den Schutz der "Territorien souveräner osteuropäischer Staaten" vor ethnischer Partikularisierung durch deutsche Kreise zu sichern. Oder um die im Potsdamer Abkommen manifestierte Machtbalance und massiv bedrohte Ordnung Europas wieder zu festigen.

Auch diese Wendung zum Status-quo-Fetischisten ist mit dem verinnerlichten "antifaschistischen" Geschichtsbild zu erklären: Da der Nationalsozialismus 100prozentig böse war, sind auch "die Deutschen" böse, denn "die Deutschen" haben ja den Nationalsozialismus - abgesehen von einigen ganz wenigen kommunistischen Widerstandskämpfern - unterstützt und getragen. Dann war jeder, der gegen den Nationalsozialismus kämpfte oder unter ihm zu leiden hatte, gut. Dann sind die Polen und Tschechen ohne Ansehen möglicher Verbrechen gut, dann sind die Ausländer, die Nicht-Deutschen über- haupt, gut. Dann sind Linke gut, Rechte aber nicht. Und dann ist die alliierte Nachkriegsordnung gut, denn sie legte ja den bösen Deutschen mächtige Fesseln an. Und so muß diese Ordnung geschützt werden, wo es nur geht, um sie vor einer neuerlichen Aggression der bösen Deutschen zu verteidigen. Trivialer geht's zwar nimmer, aber was soll man von jungen Menschen in Zeiten der Pisa-Studie anderes erwarten als die Aneinanderreihung von Platitüden.

Seine "Gnade der späten Geburt" kann man Salzborn zu dessen Verteidigung zugute halten. Er ist aufgewachsen in einer Gesellschaft, deren politisches Klima vielerorts von einseitigen Schuldzuweisungen an die deutsche Adresse, vom Ausgleich ohne Gegenleistung des Auslandes, von einer oft lebensmüde, unselbstbewußt wirkenden Nation geprägt war. Salzborn ist somit nur das radikale, aber konsequente und logische Produkt seiner Prägung durch die Gesellschaft (und im speziellen des linksgerichteten Umfeldes, in das er schließlich geraten ist). Er ist ein Kind seiner Zeit, die glaubt, in Ent-Ethnisierung, in Antigermanismus, schwarz-weiß gestrickter Geschichtsideologie und einer gehörigen Portion Aggressivität im Vertreten des scheinbar Richtigen eine moralisch höhere Stufe menschlichen Seins erklommen zu haben. Die Zeit wird ihnen ihre Anmaßungen vertreiben. Doch bis dahin wird man sich mit derartig fragwürdigem Gedankengut intensiv beschäftigen müssen.

Kein Mensch mit gesundem Verstand kann Millionen vertriebenen Menschen ernsthaft den Vorwurf machen, sich kollektiv an NS-Verbrechen beteiligt und deshalb ihr Recht auf Heimat verwirkt zu haben. Die Vertriebenen sind auch nicht deshalb ein Anprangerungsobjekt Salzborns und seiner Unterstützer, weil sie einen dominierenden gesellschaftlichen Einfluß hätten. Sie stören vielmehr, weil sie einen Stachel im verinnerlichten "antifaschistischen" Geschichtsbild darstellen. Sie erzählen vom Leiden und Sterben deutscher Menschen im 20. Jahrhundert. Sie gefährden dadurch das zählebige Propagandabild vom alleinig bösen Deutschen. Deshalb sollen sie weg von der Bildfläche. Sie würden die eingebildeten Gewißheiten und das scheinmoralische Fundament "antifaschistischer" Geistes- herrschaft in Deutschland beeinträchtigen. Ja, deshalb sollen sie weg.

Das Vorwort zu Salzborns jüngster Arbeit "Heimatrecht und Volkstumskampf" schrieb Wolfgang Kreutzberger, 1939 in einer Emigrantenfamilie geboren und seit 1973 Akademischer Direktor mit Professorenaufgaben am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hannover. Kreutzberger, ein durchaus "antifaschistisch" tätiger Wissenschaftler, bemühte sich, eine anerkennungsvolle Einleitung abzu- geben. Dennoch spürt der Leser an Zwischentönen, daß selbst er es scheinbar nicht ganz leicht damit hatte, sämtlichen der sehr extremen Thesen Salzborns vorbehaltlos zu folgen.

Immer wieder hört man von Salzborn den Vorwurf, die Vertriebenen versuchten sich heute als unschuldige Opfer darzustellen, wo es doch keinen historischen Vorgang gegeben habe, der es erlaube, den "Transfer der deutschen Bevölkerung" generalisierend als "Vertreibung" zu bezeichnen. Die Vertriebenen versuchten Hitlers außenpolitischen Zielsetzungen nachträglich wenigstens teilweise zum Erfolg zu verhelfen.

Unhistorisch setzt Salzborn die autochthone deutsche Bevölkerung der Ostgebiete mit ausländischen Neu-Zuwanderern in die Bundesrepublik gleich und mokiert sich darüber, daß diesen keine Doppel-Staatsbürgerschaften zugestanden werden sollen. Möglichenfalls wären ihm diese Menschen und ihr Schicksal auch gleichgültig, wenn sie sich nicht so wunderbar als Instrument gegen das gehaßte Deutschland einsetzen ließen.

Ist das alles jetzt nur ein irrationaler, pathologisch einzuordnender Deutschenhaß aus der Tiefe einer kranken Seele oder dient der zur Schau getragene Antigermanismus in heutiger Zeit vielleicht eher als gutbürgerlicher Zugang zu den Futtertrögen des bundesdeutschen Lehrbetriebs und der linksgerichteten Wissenschafts-Schickeria?

Man würde Salzborn gerne zurufen, daß es den Vertriebenen nicht um Haß und Gewalt gehe, daß sie nicht Hitlers Großraumpolitik verteidigten, daß sie sich seit jeher um Ausgleich mit den östlichen Nachbarn bemüht haben. Man möchte ihm von den Bildern der Vertreibung erzählen, von den toten Kindern, den schreienden Frauen, den zertrümmerten Höfen. Doch wozu? Salzborn sind die Quellen offen zugänglich, und er hat sich bewußt für die Position entschieden, denjenigen zu spielen, der angibt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Daß er mit dieser Ignoranz nicht nur eine peinliche Randerscheinung bleibt, liegt an einem breiten Unterstützerumfeld in Medien, im Gewerkschafts- und Universitätsbereich, das anscheinend ein politisches Interesse daran hat, Autoren wie Salzborn ein Forum für deren Thesen zu bieten, sie als "antifaschistisch" geschulte Nachwuchsideologen auch gegen das Spektrum der Vertriebenenverbände aufzubauen.

Und zweifellos, das muß man dem jungen Sozialwissenschaftler Salzborn zugute halten, versteht er wissenschaftlich zu arbeiten und sich in sein Thema zu vertiefen. Er besitzt Beharrlichkeit und den nötigen Fanatismus, im guten Sinne des Wortes, um bei einem Thema zu bleiben. Durchaus bemerkenswert für jemandem im Alter von Anfang/Mitte 20. Ein vergeudetes Talent möglichenfalls.

Betrachtet man Salzborns frühe journalistische Arbeiten in der Essaysammlung "Momentaufnahmen" von 1998, dann den Band "Grenzenlose Heimat", 2000 im eindeutig dem Bereich der radikalen Linken zugehören "Espresso-Verlag" erschienen, und schließlich das Buch "Heimatrecht und Volkstumskampf" von 2001, so erkennt man eine Entwicklung hin zu sprachlicher Mäßigung. Die eigenen Thesen werden entemotionalisiert, theore- tisiert und zunehmend wissenschaftlicher Ausdrucksform angepaßt. Die Richtung liegt klar. Salzborn scheint erkannt zu haben, daß man als Universitätsprofessor mehr Euro verdient, denn als Journalist für einige Blättchen der radikalen Linken. Alles wird also schön: die Beamtenstelle, die öffentlichen Zuschüsse, die Seminare und Projektgruppenarbeiten gegen Vertriebenenverbände, der vanillefarbene Himmel über einem Land, in dem "Deutsche" eines Tages keine störende Stimme mehr erheben werden.

Im Wintersemester 2001/2002 arbeitete Salzborn bereits als Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Gießen. Zudem forschte er als Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung am Seminar für Sozialwissenschaften (EWF) der Universität Köln an einer Doktorarbeit zum Thema "Volksgruppenrecht".

Der erste Schritt auf der bundesdeutschen Karriereleiter ist also gemacht. Und den zweiten wird die Hans-Böckler-Stiftung wohl sicher auch noch anschieben, oder? n

 

Samuel Salzborn: Momentaufnahmen, Düsseldorf 1998 (ohne Verlag), 70 Seiten, geheftet

Samuel Salzborn: Grenzenlose Heimat. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Vertriebenenverbände, Berlin 2000, Espresso-Verlag/Anti-fa-Edition, 224 Seiten, Paperback, 15,90 Euro

Samuel Salzborn: Heimatrecht und Volkstumskampf. Außenpolitische Konzepte der Vertriebenenverbände und ihre praktische Umsetzung, Offizin-Verlag, 304 Seiten, gebunden, 22 Euro

 

Fototext: Das Schicksal von Fremden interessiert nur, wenn es sich gegen das gehaßte Deutschland instrumentalisieren läßt: Antifa-Demo im sächsischen Bernsdorf am 9. Dezember 2001 - ein Jahr nachdem dort ein Vietnamese einen Deutschen im Streit erstochen hatte. Foto: dpa

 

Fototext: Ihre "Umsiedlung" sieht Salzborn als "Erlösung": Deutsche Vertriebenenkinder im Flüchtlingslager 1945. Foto: Archiv