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22.06.02 / Schon wenige Jahre nach dem Kriege sammelten sich die heimatvertriebenen Ostpreußen

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Juni 2002


Geschichte der Landsmannschaft: Alle unter einem Dach
Schon wenige Jahre nach dem Kriege sammelten sich die heimatvertriebenen Ostpreußen

Flucht und Vertreibung hielten noch an, als Ostpreußen sich bereits zu organisieren begannen. Bis zum Jahr 1947 unterbanden die Besatzungsmächte durch ein striktes Verbot jegliche Vereinigung von Deutschen, die im Osten ihre Heimat verloren hatten.

Dennoch fanden sich auch in dieser Zeit Frauen und Männer aus Ostpreußen, die - vorrangig einem sozialen Impuls folgend - auf zunächst örtlicher Ebene begannen, ihre Schicksalsgefährten zu sammeln. Darunter waren Erika Rock, Otto Skibowski und Kapitän a. D. Paul Hundertmark vom "Arbeitsausschuß" beziehungsweise der "Zentrale aller heimattreuen Ost- und Westpreußen" sowie Hans von Spaeth-Meyken, der den sogenannten "Arbeitskreis Nenndorf" leitete.

Am 11. und 12. August 1948 wurde in Bad Godesberg die "Repräsentation der Ostvertriebenen" gebildet. Für Ostpreußen wurde in dieses Gremium Dr. Ottomar Schreiber, der frühere Landespräsident des Memelgebietes, gewählt.

Am 3. Oktober 1948 kamen auf Einladung von Paul Hundertmark in der Elbschloßbrauerei in Hamburg die Frauen und Männer zusammen, die sich um die Erfassung ihrer Landsleute bemüht hatten. Nachdem für jeden ostpreußischen Heimatkreis ein Vertreter als stimmberechtigt festgestellt war, wurde nach einer programmatischen Rede Dr. Ottomar Schreiber zum Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen gewählt und in seinem Amt als Vertreter Ostpreußens in der Repräsentation der Ostvertriebenen bestätigt.

Die erste Veröffentlichung über die Gründung der Landsmannschaft erschien in einem gedruckten Rundbrief des Geschäftsführers Hans von Spaeth-Meyken vom November 1948. In ihm forderte man alle Ostpreußen auf, die Wahl ihrer Heimatkreisvertreter zu bestätigen oder andere Wahlvorschläge einzureichen, um eine breite Legitimation sicherzustellen.

Da sich der oben erwähnte Arbeitsausschuß als zu schwerfällig erwies, wurde am 6. November 1949 in einer erneuten Zusammenkunft der Kreisvertreter der rechtsfähige Verein "Landsmannschaft Ostpreußen e.V." gegründet, eine Satzung beschlossen und ein Vorstand gewählt. Dr. Schreiber übernahm als Sprecher der Landsmannschaft auch den Vorsitz im Verein, der am 8. März 1950 unter der Nummer 4551 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Hamburg eingetragen wurde.

Bereits am 1. Februar 1949 war die erste Nummer einer Zeitschrift unter dem Titel Wir Ostpreußen - Mitteilungsblatt der Landsmannschaft Ostpreußen erschienen. Die Publikation kann als Vorläufer des Ostpreußenblattes angesehen werden, dessen erste Ausgabe am 5. April 1950 herausgebracht wurde.

Am 1. April 1949 wurde Werner Guillaume mit dem Aufbau einer arbeitsfähigen Geschäftsstelle in Hamburg beauftragt. Als Geschäftsraum stand zunächst nur die Einzimmerwohnung des Geschäftsführers zur Verfügung, in der zeitweise bis zu acht Mitarbeiter wirkten.

Am 1. April 1950 gelang es, eine Baracke in der Wallstraße in Hamburg zu mieten und später zu erwerben. Hier konnten dann Bundesgeschäftsführung sowie Schriftleitung und Vertrieb des Ostpreußenblattes erstmals alle unter einem Dach arbeiten, wenn auch unter mehr als primitiven Verhältnissen. Am 1. April 1956 wurde das Doppelhaus in der Parkallee 84/86 in Hamburg bezogen, in dem auch heute noch auf vier Etagen die Geschäftsstelle und auf weiteren drei Etagen Das Ostpreußenblatt arbeiten.

Angesichts der bedrängten wirtschaftlichen Lage der vertriebenen Ostpreußen, die in der Mehrzahl in dem selbst unter den Kriegsfolgen schwer leidenden Lande nur unter Schwierigkeiten Fuß fassen konnten, standen für die landsmann- schaftliche Arbeit wirtschaftliche und soziale Probleme im Vordergrund.

Es mag aus heutiger Sicht überraschen, daß der eigentliche politische Auftrag, die Wiedervereinigung Ostpreußens mit dem deutschen Vaterland nämlich, nicht als Primärziel angestrebt wurde. Der Grund ist in den Umständen der Anfangsjahre zu suchen. Die Ostpreußen konnten mit Recht davon ausgehen, daß die Signatarmächte der Potsdamer Protokolle sich an ihre Vereinbarungen halten und daher in angemessener Zeit die Wiedervereinigung der besetzten Teile Deutschland auf der Grundlage der Grenzen von 1937 herbeiführen würden. Damit stimmte auch die Präambel des Grundgesetzes der gerade gegründeten Bundesrepublik Deutschland, die sich im Hinblick auf das Endziel durchaus als Provisorium betrachtete, überein.

Auf diese Grundlage vertrauend wandte sich die Landsmannschaft in der ersten Zeit vorrangig der Bewältigung der sich stellenden humanitären, kulturellen und organisatorischen Fragen zu. Es gab in dieser Periode so viele Probleme, die nur von einer großen landsmannschaftlichen Organisation erfolgversprechend gelöst werden konnten. Dazu gehörten Familienzusammenführung, Vermißtensuchdienst, Schadensfeststellung, Hausrathilfe und Lasten- ausgleich. Ein erheblicher Teil dieser Aufgaben hat sich der Landsmannschaft unverändert seit 1948 bis auf den heutigen Tag gestellt.

Das Ziel, die nationale und staatliche Einheit Deutschlands unter Einschluß Ostpreußens in Frieden und Freiheit in einem freien und geeinten Europa zu erreichen, hat die Landsmannschaft Ostpreußen nicht aufgegeben. N

 

Fototexte: Dr. Ottomar Schreiber: Schon bei der Godesberger Tagung führender Persönlichkeiten der deutschen Ostprovinzen wurde Dr. Schreiber 1948 als Repräsentant der Ostpreußen auserkoren. Von 1948 bis 1951 war er darauf der erste Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen und danach bis zu seinem Tode 1955 Ehrenpräsident. Foto: Archiv

Notunterkunft: Die Baracke in der Hamburger Wallstraße beherbergte vom 1. April 1950 bis 1956 die Bundesgeschäftsführung der Landsmannschaft Ostpreußen. Foto: Archiv

Gebäude der Landsmannschaft Ostpreußen: In der Parkallee 84-86 in Hamburg sind die Geschäftsführung der LO sowie die Redaktion und der Vertrieb des Ostpreußenblattes untergebracht. Foto: Archiv