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22.06.02 / Ostpreußen verpflichtet - jenseits der bundesdeutschen Kulturpolitik

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Juni 2002


Ostpreußen verpflichtet - jenseits der bundesdeutschen Kulturpolitik
Der Zusammenhalt unter den Heimatvertriebenen ist für den Fortbestand der ostpreußischen Kultur unerläßlich
von Wilhelm v. Gottberg

Das Leitwort für das Deutschlandtreffen 2002 der Ostpreußen in Leipzig, "Ostpreußen verpflichtet", ist im eigentlichen Wortsinn auch Leitlinie für die Arbeit der Landsmannschaft Ostpreußen. Wir, die Ostpreußen, auch die nachgeborenen Bekenntnis-Ostpreußen, sind dieser einzigartigen Region zwischen Neidenburg und Memel, zwischen Pillau und Lyck verpflichtet.

Nach der Vertreibungs-Katastrophe von 1945 haben die Überlebenden das Erbe angenommen und sich der Aufgabe Ostpreußen gestellt. Unterstützung bekommen sie durch eine nicht ganz geringe Zahl von Nachgeborenen. Die nach 1945 geborenen Funktionsträger der LO belegen dies. Aber - dies ist die bittere Wahrheit - die Ostpreußen stehen mit der Bewahrung des Erbes Ostpreußen und mit der zeitgemäßen Bewältigung der Aufgabe Ostpreußen fast allein.

Ausschließlich der Freistaat Bayern steht uns noch hilfreich und engagiert zur Seite. Das Kulturzentrum Ellingen und das Kopernikushaus in Allenstein sind Beispiele für die Verläßlichkeit Bayerns.

Damit wahrt der Freistaat Kontinuität zur Geschichte, denn die Geschichte Preußens und Ostpreußens ist auch durch Bayern beeinflußt worden. Es waren die fränkischen Herzöge Albrecht (1526 bis 1588) und Georg Friedrich (1578 bis 1603), die das Herzogtum Preußen durch die Wirren des 16. Jahrhunderts führten und in ihm das Deutschtum bewahrten und den weiteren deutschen Einfluß gewährleisteten.

Dagegen haben sich andere große Bundesländer und die Bundesregierung durch die Versagung oder drastische Kürzung der finanziellen Förderung der ostdeutschen Kultur ihrer Verantwortung für die Heimatvertriebenen entzogen. Die dafür Verantwortlichen haben sich als geschichtslose Zeitgenossen erwiesen, denen auch die Gesetzestreue - siehe § 96 BVFG - nicht sehr viel bedeutet.

Das Gesetz sagt, daß das Kulturerbe der Vertreibungsgebiete im Bewußtsein der Vertriebenen, der Bevölkerung insgesamt und sogar des Auslandes zu erhalten ist. Dieser Dreiklang wird zunehmend durch den Ausschluß der Vertriebenenorganisationen bei der Förderung der kulturellen Breitenarbeit gesetzeswidrig durchbrochen. Damit wurde ein schmerzlicher Entsolidarisierungsprozeß der Deutschen mit ihren heimatvertriebenen ostdeutschen Landsleuten in Gang gesetzt.

Mittlerweile hat die öffentliche Hand auf der Bundesebene unter der Federführung der neugeschaffenen Dienststelle des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien eine neue Phase bei der Bewältigung des ostdeutschen Erbes eingeleitet. Man beginnt - mehr verdeckt als offen -, die von Heimatvertriebenen geschaffenen Kultureinrichtungen zu zerschlagen, sei es durch Schaffung einer neuen Trägerstruktur, um den Einfluß der Heimatvertriebenen "wegzurationalisieren", sei es durch finanzielle Austrocknung.

Die Ostpreußische Kulturstiftung will man auf diesem Wege vom Einfluß der Ostpreußen "befreien". Ellingen als Teil der Ostpreußischen Kulturstiftung hat man die institutionelle Förderung entzogen. Schon vorher hatte man die Kulturstiftung der Vertriebenen - eine auch bei den osteuropäischen Nachbarn geschätzte Einrichtung - finanziell ausgetrocknet.

Die Ostpreußen und wenige Bundesländer sowie zwei BdV-Landesverbände haben diese wichtige Einrichtung in der Grundstruktur bisher erhalten können. Die Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, die Stiftung Deutschlandhaus in Berlin, das Kulturwerk Schlesien, die Künstlergilde Esslingen und das Institut für deutsche Musikkultur im östlichen Europa wurden ebenfalls von der Bundesregierung aufgegeben.

Gleichzeitig beginnt man, mit viel Geld neue Kultureinrichtungen für das östliche Mitteleuropa einzurichten. Diese sollen angeblich die Vertriebenenkultur sichern und in Zusammenarbeit mit den östlichen Nachbarn die Verständigung fördern. Tatsächlich aber ist schon heute feststellbar, daß die neu geschaffenen Institutionen mit der Geschichte der Deutschen in den Vertreibungsgebieten verzerrend und manipulierend umgehen.

Im Jahre 2001 wurde die Einrichtung "Deutsches Kulturforum östliches Europa" mit Sitz in Potsdam geschaffen. Der Haushalt des Instituts ist großzügig ausgestattet und wird von der Bundesregierung getragen. Zur Vorstandsvorsitzenden dieser Ein- richtung wurde Hanna Nogossek bestellt. Sie lieferte bald nach Beginn ihrer Tätigkeit in Potsdam den Beweis ihrer Qualifikation für das neue Amt ab, indem sie vom "verrotteten Zustand" der Landsmannschaften sprach. Ein Vertreter der LO wurde nicht eingeladen, als das Kulturforum im Oktober eine viertägige Veranstaltung mit Podiumsdiskussion über Ostpreußen durchführte.

Die Bundesregierung ist nicht mehr an einer wirklichen wissenschaftlichen Beschäftigung mit ostdeutscher Kultur und Geschichte interessiert. Aus politischen Gründen tritt man in eine kontrovers zu führende Auseinandersetzung mit Polen, Rußland, Litauen und anderen östlichen Nachbarstaaten über die Bewahrung der ostdeutschen Kultur nicht mehr ein. Zusätzlich zu dieser eigenen Beschränkung werden Verhandlungen über die sogenannte "Rückführung" deutschen Kulturgutes nach Polen geführt. Der Bremer Senat hat mit der Abgabe von Danziger Archivmaterial an polnische Institutionen in Danzig eine Vorreiterrolle übernommen.

Auch die deutsche Bischofskonferenz hat 2001 mit der Abgabe geretteter Kirchenbücher an Polen eine ungeheuerliche Desavouierung der Heimatvertriebenen begangen. Polen allerdings weigert sich beharrlich, das widerrechtlich in Besitz genommene Kulturgut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, welches während des Krieges nach Schlesien ausgelagert war, an den rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben.

Gleichwohl, die Ostpreußen werden dies alles nicht kommentarlos und schon gar nicht tatenlos hinnehmen. Wir können aufgrund unserer eigenen Stärke unser Erbe bewahren und uns der Aufgabe Ostpreußen stellen. Wir haben dieses in der Vergangenheit getan und werden auch in Zukunft beharrlich weiter für Ostpreußen arbeiten. Aufgrund der Jahrhunderte andauernden Insellage Ostpreußens besitzen die Ostpreußen ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl. Die Geschichte hat sie gelehrt, sich in schwierigen Situationen alleine zu behaupten. Dabei haben sie die Erfahrung gemacht, daß man durch Widerstehen stark wird.

Die in der Landsmannschaft Ostpreußen organisierten Menschen sind Ostpreußen verpflichtet. Dieser Verpflichtung werden sie nachkommen; auch gegen den Widerstand des politischen Zeitgeistes und der politischen Klasse.