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21.09.02 / Das Ehepaar Halbow feiert Gnadenhochzeit

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 21. September 2002


Ein langer gemeinsamer Weg
Das Ehepaar Halbow feiert Gnadenhochzeit

Sie sind ein altes Ehepaar aus Ostpreußen und wurden im Januar und Februar 91 und 93 Jahre alt. Es ist ein Ehepaar, welches im Leben viel erlebt hat und von nichts verschont blieb. Sie haben Höhen und Tiefen durchgemacht, kennen schöne Zeiten und haben im Leben geweint und gelacht. Auch haben Sie gelernt, trockenes Brot zu essen. Sie haben die Heimat, Freunde und ihren Besitz verloren.

Kennengelernt haben Sie sich vor 72 Jahren. Sie war eine Bauerstochter aus eine geachteten Familie, eine geborene Urban, er ein Sohn aus einer Handwerkerfamilie. Herr Halbow erlernte den Beruf seines Vaters - Wagenbau und Hufbeschlag. Er machte sehr früh die Prüfung und wollte hoch hinaus. Ein Häuschen wurde gekauft, die Werkstatt gebaut und im September 1932 wurde geheiratet. Ein Jahr später wurde die erste Tochter und drei Jahre später die zweite Tochter geboren. Der Betrieb wurde vergrößert, und dann kam der Anfang von Ende.

Am ersten Tag bei Kriegsausbruch wurde er Soldat, später nach dem Polenfeldzug unabkömmlich gestellt. Es wurde weiter gearbeitet wie im Frieden. 1943 wurde das Wohnhaus vergrößert, weil der dritte Nachwuchs sich angemeldet hatte. Noch im September 1943 kam die erneute Einberufung, und das wurde eine Trennung für sechs Jahre. Eine Woche nach der Einberufung kam die dritte Tochter zur Welt. Die Frau blieb mit drei Kindern allein dem Schicksal überlassen. Im Januar 1945 mußte sie mit den Kindern auf die Flucht. Mit der Bahn sind sie in 14 Tagen 100 Kilometer weit gekommen. Dann kamen die größten Strapazen. Zu Fuß bei Kälte und Regen, Tag und Nacht draußen. Übers Haff bis Pillau. Nun dachten sie, ein rettendes Schiff erreicht zu haben. Die Kleinste war durch die Strapazen so krank geworden, daß der Schiffsarzt sie nicht mitnehmen wollte. Er stellte die Mutter vor die Entscheidung, entweder das Kind zurückzulassen oder alle runter. Die Frau wollte sich von den Kindern aber nicht trennen, und so geriet sie in die Hände der Russen. Später stellte sich heraus, daß es die wichtigste Entscheidung überhaupt war, denn die "Gustloff" wurde versenkt. Sie lebte unter den Russen im Osten und er in Gefangenschaft in Rußland.

Sie haben alle die Strapazen überstanden, ohne etwas von einander zu hören oder zu wissen. Im Oktober 1948 haben sie sich wiedergefunden, und das war das größte Glück.

Sie standen wieder am Anfang und hatten nichts, aber das Leben ging weiter. Zu Beginn war es sehr schwer, aber es ging wieder aufwärts. Er bekam sofort wieder Arbeit, aber nach einem Jahr gab sein Chef den Betrieb auf. Gerne hätte er ihn übernommen, aber die Mittel fehlten. 1.000 Mark hatte sie schon gespart. Dafür kaufte er Werkzeug von der alten Firma und lagerte sie in einem Mietskeller ein. Als er es abholen wollte, war alles geklaut. Das war wieder ein schwerer Schlag. Trotzdem haben beide den Mut nicht verloren. Er machte sich trotzdem selbständig, und sie haben es zu dem gebracht, was sie heute haben.

Die Jubilare bedanken sich bei allen, die sie beim Neuanfang unterstützt haben. Er hatte mit der Zeit gute Kunden gewonnen, unter anderem Fürst von Bismarck, Schuh Goertz, Brinkmann, Schuh Timm, Modehaus Horn und viele andere.

Das Ehepaar Halbow möchte sich bei der Familie bedanken, weil die Kinder in der schweren Zeit auf vieles verzichten mußten und trotzdem dankbar geblieben sind.