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21.09.02 / Lichtblicke

© Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 21. September 2002


Lichtblicke
von Robert Jung

Im alten Königsberg waren heftige Dispute in den Gesellschafts- wie auch Gelehrtenkreisen oft an der Tagesordnung. In einer damals glücklichen Zeit, in der Königsbergs großer Sohn, der Denker und Philosoph Kant, wie ein Stern am Gelehrtenhimmel leuchtete, kam einmal in einem dieser Kreise die recht seltsam anmutende Rede darauf, wie sich wohl der einzelne im Jenseits verhalten würde, träfe er dort wieder mit alten Freunden und Bekannten zusammen. Ein hochgeachteter, sehr wohlhabender Bankier meinte: "Entweder ich erinnere ihn an seine üblen Spekulationen mit den gefallenen Kupferpreisen, oder aber wir genießen ein Glas französischen Champagner zusammen und danken Gott, daß uns der HERR dieses Wiedersehen erlaubte!"

Nun war die Reihe an einem über die ostpreußischen Lande hinweg bekannten Maler: "In meiner Kindheit kam ich in der Schule mit einem robusten Jungen zusammen, der immer hungerte. Seinen Eltern ging es nicht gut, sie waren einfache Tagelöhner. Ich teilte mit ihm mein Frühstücksbrot. Träfe ich diesen Jungen als alten Mann im Himmel wieder, würde ich ihn zu einem großartigen Frühstück im feinsten Hotel am Pregel einladen und ihm sagen: Mein lieber Alter, und wenn dir dein Magen bis zum Gürtel niederhängt, denke immer daran, es gibt in der Welt weitaus Schlimmeres, Menschen, die von Haus und Hof vertrieben wurden und, an einer Landstraße erfroren, den Tod fanden!"

Ein gefeierter Schauspieler, in der Reichshauptstadt Berlin umjubelt, räusperte sich: "Käme ich im Jenseits noch einmal mit der Primadonna unseres Hauses zusammen, würde ich ihr, wie einst auf der Bühne, galant den Arm reichen und bemerken: Nimm es mir nicht übel, Julie, aber auch hier oben höre ich noch dein fürchterliches Kreischen aus der Szene ‚Lucia de Lammermore muß sterben'. Jetzt sind wir beide den Weg allen Irdischen gegangen, küß mich diesmal nicht so schrecklich gekünstelt wie auf der Bühne!"

Alle Augen waren gespannt auf den unsterblichen Denker und Philosophen Immanuel Kant gerichtet, erwartete man doch aus seinem Mund eine weittragende Äußerung. Kant beugte sich in diesem erlauchten Kreis etwas blinzelnd vor: "Für mich wäre es der schönste Augenblick meines Lebens, träfe ich dort oben meinen alten und treuen Diener Lampe wieder!"